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Schießclub: „Das ist eine absolute Frechheit“

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Umbaupläne unter der Turnhalle:  Riesiger Streit ist ausgebrochen.
Umbaupläne unter der Turnhalle: Riesiger Streit ist ausgebrochen. © Fischer-Bolz, Susanne

Das Hemd ist jedem Verein näher als die Hose. Erst komme ich, dann die anderen. Das darf man vermuten, wenn man die Debatten rund die Umbaupläne für die Umkleidekabinen unter der Turnhalle am Holensiepen verfolgt. Der Buhmann ist für viele klar.

Nachrodt-Wiblingwerde – Buhmann ist die Gemeindeverwaltung, die die Pläne ausgearbeitet hat. Sie sollte das zwar machen, aber einen Spagat schaffen: kostengünstig und für jeden Verein passend. Der Trägerverein Gartenhallenbad sah gar seine Existenz bedroht, die DLRG fühlte sich nicht mitgenommen. Janina Jochheim erklärte für die DLRG-Schwimmer im Rat: „Wir haben am 18. August eine E-Mail bekommen, dass der Verwaltung nicht bekannt war, dass uns auch ein Raum gehört. Und dass jetzt möglichst Alternativen gesucht werden und wir bis Oktober alles ausräumen sollen.“ Die DLRG brauche aber unbedingt Räume für Schulungen. „Es wird zeitnah Gespräche geben“, versprach Bürgermeisterin Birgit Tupat. Jetzt sei ohnehin erst einmal alles gestoppt. Die DLRG müsse also ihren Raum nicht bis Oktober räumen. Dass die Situation wohl sehr angespannt ist, zeigte sich an den Reaktionen von Janina Jochheim. Sie wolle das schriftlich und gehe davon aus, dass man ihr jetzt nicht noch mal das Wort im Mund umdrehe.

Nutzung der Räume wurde Trägerverein überlassen

Interessant ist übrigens: Der DLRG gehört der Raum gar nicht. Sie zahlt auch nichts für die Nutzung. Das Gebäude gehört der Gemeinde, die Nutzung der Räume wurde dem Trägerverein Gartenhallenbad zugesprochen. Der wiederum hat den Raum, der früher der alte Außenkiosk war, der DLRG überlassen und nutzt ihn auch mit dem Ortsverein zusammen. Hätte das die Gemeindeverwaltung wissen müssen? „Die DLRG schult auch unsere Rettungsschwimmer. Wir brauchen sie“, sagt Sabine Karisch, Vorsitzende des Trägervereins Gartenhallenbad.

SPD will Schießclub nicht unter der Turnhalle

Zu allem „Überfluss“ in der Streitfrage soll jetzt auch noch ein Verein unter die Turnhalle einziehen, der dort bisher noch nie war: der Schießclub. Das will aber die SPD auf keinen Fall mittragen. „Da bleibt mir die Spucke weg. Es ist eine absolute Frechheit, darüber zu philosophieren, wer förderungswürdig ist und wer nicht“, sagt Stefan Herbel, 2. Vorsitzender des Schießclubs. Ihm verschlug die Berichterstattung zur Ratssitzung regelrecht die Sprache. Die SPD hatte verkündet, den Umbauplänen für die Umkleidekabinen nicht zuzustimmen, wenn der Schießclub dort einen eigenen Raum bekommen würde. Die Begründung: „Die Sportvereinigung hat damals ihr Vereinsheim gebaut, da wären wir auch nicht auf die Idee gekommen, das mit Steuergeldern zu finanzieren“, so Ratsherr Ronny Sachse.

„Kleine Vereine braucht man nicht?“

Stefan Herbel hätte sich zunächst eine bessere Kommunikation gewünscht. Alle Vereine an einen Tisch. Der Schießclub ist selbst gar nicht auf die Idee gekommen, von den Nebenräumen der Lennehalle unter die Turnhalle zu ziehen. Er zahlt Miete für die Nutzung in der Lennehalle. „Die ist erfreulicherweise nicht sonderlich hoch. Da kommt man uns entgegen. Was zahlt denn der Förderverein des Gartenhallenbades an Miete an die Gemeinde? Das könnte man ja mal vergleichen. Gilt das Motto: Kleine Vereine braucht man nicht, also weg damit? Wir hatten gar keinen Antrag gestellt, dort einzuziehen. Wir würden gern da bleiben, wo wir sind. Aber wenn die Notwendigkeit besteht, dass wir aus der Lennehalle raus müssen, dann sind wir dankbar, wenn uns andere Räume zur Verfügung gestellt werden“, sagt Stefan Herbel.

Räume nicht anders nutzbar

Der Schießclub hat seine Sportanlage mit einer fünfstelligen Summe ohne Zuschüsse selber finanziert. „Was unterscheidet uns von den anderen Vereinen?“, fragt Stefan Herbel. Die Räume, die der Schießclub unter der Turnhalle nutzen soll, können zukünftig aufgrund der baulichen Situation und Schimmelbildung nicht als Umkleide und nicht einmal als Lagerraum genutzt werden (wir berichteten).

„Wir belasten die Bodenplatte nicht“

„Der Bereich kann für den Schießclub genutzt werden oder gar nicht“, so Bauingenieurin Simone Groß. „Wir belasten die Bodenplatte nicht“, erklärt Stefan Herbel, warum aber eine Schießanlage möglich ist. Er stellt sich die Frage, welcher Verein als nächster sterben muss, „weil das Herrn Pohlmann und Herrn Sachse so in den Kram passt. Wenn die finanziellen Mittel dünner werden und der Verteilungskampf größer wird, dann ist wahrscheinlich der nächster kleine Verein dran, der sterben muss.“

„Ich habe keine Informationen bekommen“

Stefan Herbel wünscht sich ein Zusammentreffen mit allen Beteiligten, „damit wir das so hinbekommen, dass alle Vereine weiter bestehen können, und wir das mit den anstehenden Maßnahmen hinbekommen.“ Ein Gespräch zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Trägerverein Gartenhallenbad hat inzwischen stattgefunden. Bürgermeisterin Birgit Tupat zeigte sich später zufrieden: „Wir werden eine neue Vorlage erstellen.“ Und auch Christian Pohlmann, 2. Vorsitzender des Trägervereins, erklärt: „Ja, es war ein gutes Gespräch mit guten Ansätzen und Lösungsmöglichkeiten. Wie die Lösungen am Ende genau aussehen, hängt noch von anderen Faktoren ab. Einiges muss aber noch abschließend geklärt werden.“ Sabine Karisch, 1. Vorsitzende des Trägervereins, konnte an dem Gespräch nicht teilnehmen. Sie sagt: „Herr Pohlmann scheint schon jetzt der 1. Vorsitzende zu sein. Ich habe keine Informationen bekommen.“

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