Nach zehn Jahren Ehrenamt

Nur kleine Kriege am Gartenzaun: Schiedsmann hört auf

Burkhard Brinker hört als Schiedsmann in Wiblingwerde auf
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Burkhard Brinker hört als Schiedsmann in Wiblingwerde auf

Der Ärger wartet am Gartenzaun: Wenn Nachbarn in Wiblingwerde streiten, versucht Burkhard Brinker zu schlichten. Nun hört er nach zehn Jahren auf.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Du bist eine dumme Gans.“ „Das nimmst du zurück.“ „Das tue ich nicht.“ Und schon ist das Kind in den Brunnen gefallen. Ein Fall fürs Gericht? Nein, ein Fall für den Schiedsmann. Burkhard Brinker ist ein solcher Vermittler – einer, der besonnen versucht, Streithähne wieder zu versöhnen.

Jetzt gibt er sein Amt ab – nach zehn Jahren, in denen in der Doppelgemeinde „tatsächlich nichts Spektakuläres passiert ist“, sagt der 60-Jährige. Burkhard Brinker hört nicht auf, weil ihm die Kriege an den Gartenzäunen über den Kopf wachsen, sondern, „weil zehn Jahre einfach genug sind“.

Zehn Fälle in zehn Jahren

Mit einem Bericht unter der Überschrift „Schiedsmann gesucht“ im Altenaer Kreisblatt begann Burkhard Brinkers Laufbahn. Seine Gedanken: „Das ist was für mich, das mach’ ich mal. Das kann doch so schlimm in Wiblingwerde nicht sein.“

Und in der Tat war es nicht schlimm. „Wenn ich in den zehn Jahren zehn Fälle hatte, dann ist das schon hoch gerechnet“, sagt der Rennerder, der beim Bund deutscher Schiedsleute drei Kurse belegt hat. „Man muss erst einmal in die Grundlagen eingewiesen werden. Ich darf ja nichts alles machen.“

Plätschern des Gartenteichs stört Nachbarn

Und was landläufig die Meinung ist, trifft auch zu: Es geht meistens um den Gartenzaun. Bäume und Büsche sind das Hauptproblem. „Bis auf einen Fall, den ich nicht lösen konnte, war nichts wirklich schwierig“ , erzählt der Schiedsmann. Und in diesem einen Fall ging es um einen plätschernden Gartenteich. Das hat den Nachbarn gestört.

„Ich gucke mir die Situation an und versuche, die beiden Nachbarn an einen Tisch zu bringen“, sagt Burkhard Brinker, der von demjenigen eingeschaltet wird, der den Kummer hat. „Es hängen Äste über oder die Hecke ist nicht geschnitten worden. Derjenige, der nicht zufrieden ist, kommt auf mich zu.“

Meinung eines Dritten hilft

Nicht selten ist die Lage der Nachbarn untereinander schon sehr zerfahren, sodass ein Dritter, also der Schiedsmann, auf der Bildfläche erscheinen muss. „Manchmal bedarf es der Meinung eines Dritten, damit das Verhältnis wieder besser wird“, sagt Burkhard Brinker.

Verschwiegen muss ein Schiedsmann sein. Neutral. Unvoreingenommen. „Es ist nicht so, dass nicht jeder einfach mit seinem Nachbarn spricht. Die wollen, dass das Problem gleich von höherer Stelle gelöst wird.“ Aber auf dem Dorf gebe es durchaus noch heile Welt, „was gleich nebenan in Altena schon ganz anders aussieht“.

Vermittler zwischen verhärteten Fronten

Als Schiedsmann darf man sich nicht auf eine Seite ziehen lassen. „Das geht auch, wenn man die Leute kennt. Man kann durchaus ganz neutral bleiben“, sagt Burkhard Brinker. „Jeder muss aber an sich arbeiten. Wer denkt, einen gesunden Menschenverstand zu haben, darf sich trotzdem davon nicht leiten lassen. Es kann sein, dass das Recht ganz anders ausgelegt wird. Man ist ja kein Rechtsanwalt. In einer Schiedsverhandlung müssen beide Seiten gehört werden. Und ich versuche zu vermitteln.“

Umgangston in Städten ruppiger

Wenn beide eine Lösung akzeptieren, wird diese festgeschrieben. Die schriftliche Lösung bekommt der Antragsteller. Mit diesem „Titel“ kann er, wenn es nicht funktioniert, zum Gerichtsvollzieher gehen. Denn es ist ein vollstreckbarer Titel.

„Je nach Aufwand kostet das Verfahren zwischen zehn und 40 Euro. Wenn man eine einvernehmliche Lösung finden kann, ist das einfacher und kostengünstiger, als einen Rechtsanwalt zu beauftragen“, sagt Burkhard Brinker.

Wirklichen Hass untereinander hat er nie erleben müssen. „Hier ist es schön ruhig. Sobald man in die Stadt kommt, wird es anders. Da ist auch der Umgangston ruppiger“, ist Burkhard Brinker froh, im idyllischen Nachrodt-Wiblingwerde zu leben.

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