Deutliche Worte der Fans

Schalke 04: „Kein Absteiger hat es so verdient wie diese Mannschaft“

Die Spieler von Schalke 04 dürfen über einen Einsatz entscheiden.
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Schalke 04 steigt aus der Bundesliga ab.

Keine Wut, keine tiefe Traurigkeit, klare Worte: So reagieren die Fans im Lennetal auf den Abstieg von Schalke.

„Ich habe mich lang genug vorbereiten können“, sagt Roland Hunke, Ansprechpartner für 36 Fanclubs im Bezirk 11 des Schalker-Fanclub-Verbandes, der auch für die Clubs im Lennetal und Lüdenscheid zuständig ist. Und so fließen bei Roland Hunke keine Tränen beim schweren Gang in die 2. Fußball-Bundesliga: „Es gibt für mich keinen Absteiger in den letzten Jahrzehnten, der es so verdient hat wie diese Mannschaft.“ Deutliche Worte.

Die Niederlage gegen Arminia Bielefeld hat er gar nicht gesehen. „Durch die Ausgangssperre hatte ich keine Möglichkeit, das Spiel zu verfolgen“, sagt der 60-Jährige, der sich gegen den Bezahlsender Sky entschieden hat, und die Kommerzialisierung im Fußball ohnehin sehr kritisch betrachtet.

Fehlentscheidungen der Funktionäre

Was Roland Hunke heute ärgert, ist, „dass der ganze Prozess ja schon vor drei Jahren begonnen hat. Da hat man sich von der Vizemeisterschaft blenden lassen“. Schon damals habe man grottenschlechten Fußball gespielt.

Fehlentscheidungen der Funktionäre macht Roland Hunke, der auch Vorsitzender der Schalker Freunde Letmathe/Marl 04 ist, für das Schalke-Drama verantwortlich. Millionen seien in den Sand gesetzt worden.

Roland Hunke, Ansprechpartner für den heimischen Bezirk im Schalker-Fanclub-Verband

„Das ganze Dilemma hat mit Christian Heidel angefangen“, ist sich der Bezirksleiter sicher. Zu den fünf Trainern innerhalb eines Jahres sagt Roland Hunke: „Bei uns ist es fünf Mal schief gegangen. Nach dem zweiten Mal hätte man das schon erkennen müssen.“

Die Spieler sind für die Fanclub-Ansprechpartner nicht ligatauglich – und man dürfe sich jetzt auch Sorgen in der zweiten Bundesliga machen, denn „teilweise haben die Spieler Verträge auch für die zweite Liga, sodass man sie nur schwer loswerden wird. Ein Neuaufbau wird auch finanziell schwierig“, meint Roland Hunke.

Trotzdem: Ein Schalke-Fan bleibt ein Schalke-Fan, auch wenn der Leidensweg manchmal unerträglich ist. „Aber wer immer auf der Siegerseite stehen möchte, hat nicht verstanden, wie das Leben wirklich funktioniert“, sagt Roland Hunke.

1977 war er das erste Mal auf Schalke. Und so erlebt er den vierten Gang in die zweite Liga nach 1981, 1983 und 1988. Zweimal gelang Schalke 04 der direkte Wiederaufstieg in das Fußball-Oberhaus. „Ein Kinderspiel wird das aber jetzt bestimmt nicht.“

Massive Anfeindungen: „Das darf nicht sein“

Dass aufgrund der Pandemie keine Fans in den Stadien sind, ist für die Spieler in diesem Moment von Vorteil. „Es hätte heftige Proteste gegeben“, glaubt Roland Hunke, distanziert sich aber von einem Video, das massive Anfeindungen gegen die Spieler zeigt. „Es darf nicht sein, dass Spieler bedroht werden und um ihr Leben fürchten müssen.“

Am 13. Juni findet die Jahreshauptversammlung statt, fünf neue Aufsichtsräte werden gewählt. Roland Hunke hofft, dass die richtigen Weichen gestellt werden. Er wünscht sich, dass Spieler aus der eigenen Jugend herangezogen werden.

Hohn und Spott per Whatsapp

Hohn und Spott gibt es für die Schalke-Fans jetzt natürlich auch. „Heul leise“ heißt es in einer Whatsapp, die Jan Schröder, Geschäftsführer der SpVgg Nachrodt, bekommen hat. „Man bekommt alles mögliche“, erzählt der Nachrodter. Auch er ist sich sicher, dass Schalke von „vielen Funktionären vor die Wand gefahren wurde“. Der Abstieg war „schon ein trauriger Abend“, sagt Jan Schröder nach dem entscheidenden Spiel, das er alleine vor dem Fernseher gesehen hat.

Jan Schröder, Geschäftsführer der SpVgg Nachrodt und Schalke-Fan.

Er bezeichnet sich selbst als Schalker durch und durch, ist aber erst vor kurzem Mitglied geworden, um in der schweren Zeit ein Zeichen setzen. Jan Schröder ist sich sicher: „Auch Pep Guardiola hätte die Mannschaft nicht retten können.“ Man hätte von den Spielern zu viel erwartet – von Sebastian Rudy beispielsweise, ein an die TSG Hoffenheim ausgeliehener Großverdiener bei den Königsblauen. Jahreslang sei viel zu viel Geld verschwendet worden.

Bei den Spielern sieht der Nachrodter auch ein Mentalitätsproblem. „Das fängt schon im Kleinen an, wo man statt Spaß an der Freud die Hand aufhält und Geld haben möchte. Mich könnte man nachts um 3 Uhr wecken, wenn es um Fußball geht“, erzählt Jan Schröder. Aber Fußballvereine seien Wirtschaftsunternehmen und der Sport rücke immer weiter in den Hintergrund. „Schalke muss jetzt versuchen, nicht in der Versenkung zu verschwinden, sportlich und finanziell.“

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