Gut Sassenscheid hilft mit Modulen

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Hauswirtschafterin Alexa Mansi übergibt Burghard Quante das erste von zwei Zertifikaten. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Er war Bergmann mit „Leib und Seele – vor der Schüppe“, sagt Burghard Quante über seine Zeit in Marl. Heute schwingt der statt der Schüppe den Kochlöffel, und das mit gutem Erfolg.

Quante kocht zusammen mit Hauswirtschafterin Alexa Mansi und der übrigen Küchencrew für die Bewohner – und die Mitarbeiter – des Gutes Sassenscheid. In der Suchthilfeeinrichtung des Deutschen Ordens vor den Toren Wiblingwerdes lernt der 46-Jährige, mit seiner Krankheit zu leben. Der Alkoholismus hat ihn hier hin gebracht. Das Gut Sassenscheid ermöglicht seinen Bewohnern jetzt in zwei Bereichen, sich auf dem Weg über so genannte Qualifizierungsbausteine ein Stück Selbstständigkeit und Anerkennung zurückzuholen. Die Mitarbeit und Lernbereitschaft wird dabei belohnt mit Zertifikaten. Der eine Weg führt in die Holzwerkstatt von Tischler Alberto Tricher und wird bereits seit 2007 angeboten. Der andere – und das ist neu – führt in die Küche, wo Hauswirtschafterin Alexa Mansi Regie führt.

Burghard Quante, der immer schon gerne gekocht hat, brauchte daher nicht lange zu überlegen. Sein Motiv ist es, „etwas zurückzugeben.“ „Mir ist auch geholfen worden“, sagt der 46-Jährige. Er schätzt es, wieder Verantwortung zu übernehmen. „Ein Werkstück kann man mal versauen – aber das Essen verderben, das geht nicht.“ Dieser Satz scheint exakt zu bekräftigen, was das Gut Sassenscheid als Therapieziel beschreibt: „Wiedererlangen der Alltagsfähigkeiten und sozialen Kompetenzen, mit dem Ziel der Re-Integration“ .

Für die letzten sechs Monate hat er sich Quante also unter die Fittiche von Alexa Mansi begeben. Nach dem Ausbildungsrahmenplan für Hauswirtschafter erlernte er das Zubereiten von Speisen und Getränken, ergänzt um Lektionen in Warenwirtschaft. Ein Zertifikat wird Burghard Quante übrigens gleich zwei Mal erhalten: Eines kommt vom Träger des Hauses Sassenscheid, ein zweites wird eintreffen, wenn die Landwirtschaftskammer Münster, mit der man bei diesem Modul zusammenarbeitet, die Dokumentation von Alexa Mansi durchgesehen hat.

Ein Zeugnis könne eine solche Qualifizierung zwar nicht ersetzen, mein Einrichtungsleiterin Theresa Komander, aber für die Empfänger habe sich eine wichtige psychologische Funktion. „Sie haben etwas in der Hand.“ ▪ Von Thomas Keim

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