Sanitäterwissen gibt Kindern Selbstvertrauen

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Sieht schlimmer aus als es ist: Ben legt seinem Vorschulfreund Maximilian einen Verband an. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Unvorbereitete Besucher hätten durchaus erschrecken können beim Betreten des Evangelischen Kindergartens Wiblingwerde: Ein Bild von lauter Kindern mit Verbänden an Armen, Beinen und Köpfen bot sich dem Betrachter. Doch bei näherem Hinsehen, entpuppte sich die Szenerie als harmlos, wenngleich ein wichtiges Anliegen dahinter steckte.

Der Rettungssanitäter Marcus Fluit machte die neun Vorschulkinder der Einrichtung fit in Sachen erster Hilfe. Ziel des zweitägigen Kurses „Kinder lernen helfen“ war es, die Mädchen und Jungen in die Lage zu versetzen, die kleinen Katastrophen des Alltags notfalls auch selbst bewältigen zu können. Denn schnell ist es passiert: Der Sturz vom Klettergerüst, beim Fußballspielen oder Inlineskaten zieht kleine Blessuren in Form von blauen Flecken, Schürf- oder Schnittwunden nach sich. Und nicht immer ist ein Erwachsener in der Nähe, der die ersten Maßnahmen zur Versorgung der Verletzung ergreifen kann.

Alles dabei: Joline packt ihren mitgebrachten Erste-Hilfe-Koffer aus.

Das können die Fünf- und Sechsjährigen aus Wiblingwerde jetzt selbst. Sie haben von Marcus Fluit gelernt, dass man Schnittwunden nicht unter fließendes Wasser halten und schon gar nicht ablecken, sondern nur mit einem sauberen Tuch abtupfen und je nach Größe dann mit Pflaster oder Verband versehen soll. So kann sich die Wunde nicht infizieren. Und sie wissen jetzt auch, dass Großmutters Idee, die verbrannte Hand in den Mehltopf zu stecken, nicht die beste gewesen ist. Stattdessen würden sie die Verletzung kühlen und steril verbinden. Die künftigen Schulkinder wissen außerdem schon jetzt, wie und warum sie eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringen müssen.

Das am ersten Tag erworbene Wissen durften die Kinder dann gestern anwenden – und es stellte sich heraus, dass sie überraschend viel des tags zuvor Gelernten behalten hatten. Mit sicheren Handgriffen legten sie ihre zum Schein verletzten Partner auf die Seite, legten ihnen Verbände an, versorgten ihre Wunden. Dabei kamen auch die kleinen Arztkoffer zum Einsatz, die einige Kinder von zuhause mitgebracht hatten.

Für Marcus Fluit liegen die Vorteile dieses Erste-Hilfe-Kurses, dessen Kosten in Höhe von 135 Euro übrigens der Förderverein des Kindergartens übernommen hat, auf der hand: „Die Kinder verlieren dadurch die Angst davor, nach einem Unfall behandelt zu werden oder selbst Hilfe leisten zu müssen“, hat er erfahren. Susanne Zeuner, die die Vorschulkindergruppe zusammen mit Sina Keitmann betreut, kann das bestätigen: „Das erworbene Wissen gibt den Kindern Selbstbewusstsein.“ Gestärkt werden dürfte das auch durch die Urkunden, die alle Vorschulkinder am Mittwoch zum Abschluss erhielten und die sie als „Juniorsanitäter“ ausweisen. ▪ vg

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