Erinnerungen an eine gruselige Sturmnacht

Alles lag auf der Seite: Verkehrsschilder waren reihenweise umgeknickt, ein Werbeanhänger war quer über die Wiese geflogen.

Nachrodt-Wiblingwerde - So einen Tag, den vergisst man nicht. Bauamtsleiter Dirk Röding war gerade mit Mühe und Not zu Hause angekommen, als das Telefon klingelte. „Du musst schnell in die Lennehalle, da hat es geknackt“, rief Jürgen Röll durch die Leitung.

Feuerwehrmänner, die nebenan im Gerätehaus waren, hatten das merkwürdige Geräusch gehört und das Unheil kommen sehen. „Ich bin dann irgendwie im Sturm dahin gekommen“, erinnert sich Dirk Röding an den unheimlichen Abend, an dem Kyrill über das Land gezogen war und eine Verwüstung hinterlassen hatte. Viel – sehr viel war in Nachrodt-Wiblingwerde passiert.

Unter anderem hatte es die Lennehalle mächtig erwischt. Durch die Orkanböen waren die Verankerungen der riesigen Leimholzbinder herausgerissen. Das Dach hatte keinen sicheren Halt mehr. „Die Lennehalle wurde sofort gesperrt“, erzählt Dirk Röding, der „zehn Kreuze machte“, weil niemand zum Zeitpunkt X in der Halle war. Das Dach musste mit sogenannten Einsatzgerüstsystemen innen abgestützt werden. Material aus Hattingen und Ratingen wurde dafür vom THW in die Doppelgemeinde transportiert. Schließlich standen sieben Türme in der Lennehalle – jeder trug ein Gewicht von zwölf Tonnen. Das schnelle Eingreifen der THW-Ortsverbände verhinderte das Schlimmste.

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Fast ein Jahr lang war die Halle gesperrt, bis ein neues Dach aufgebracht war. Die Erinnerungen an eine schlimme Nacht bleiben. „Ich bin um 17 Uhr nach Hause. Kurz darauf lag in den Serpentinen alles in Schutt und Asche“, erzählt Bürgermeisterin Birgit Tupat von einem „gruseligen Abend.“

Kyrill in Altena und Umgebung

In Wiblingwerde waren Bäume auf den Waldkindergarten gestürzt. Das Dach des Gebäudes, indem sich der Gartenbaubetrieb Geier und Kaiser sowie die Firma Homann befanden, wurde wie Papier gefaltet. Und: An der Wiblingwerder Kirche waren etliche Schindeln vom Dach gefallen. Zudem waren auf den Wiblingwerder Höhen Verkehrsschilder „wie Fliegen“ umgeknickt.

Wiblingwerder Waldbesitzer besonders geschädigt

Die Kreisstraße 24 nach Hohenlimburg, der Weg nach Letmathe, aber auch die Straße zu den Brenscheider Mühlen waren zum Teil noch Tage nach dem Sturm gesperrt. Die Forstbetriebsgemeinschaft rief aufgrund der gewaltigen Waldschäden zu einer außerordentlichen Sitzung. Die Wiblingwerder Waldbesitzer gehörten zu den am meisten geschädigten. Durch den Sturm wurden 50.000 Festmeter gefällt. Das war das Fünffache einer durchschnittlichen Jahresproduktion – manche hatten den ganzen Bestand verloren und standen vor dem Ruin. Der Sturm hatte in der Gemeinde Spitzengeschwindigkeiten von 207 Kilometern pro Stunde erreicht. Selbst Eichen, die als besonders sturmfest gelten, fielen damals um.

Übrigens: Monate dauerte es, bis die Durchfahrt von Veserde nach Hohenlimburg wieder frei war. Kyrill hatte dort so heftig gewütet, dass ein ganzer Berg flachgelegt worden war, das Holz rutschte immer wieder am Steilhang ab, Wurzelteller von Bäumen hatten die Straße beschädigt. Drei Firmen waren schließlich fast rund um die Uhr damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Auch eine mobile Seilkrananlage kam zum Einsatz. Die Stahlseile wurden auf einer Länge bis zu 600 Meter gespannt und der abgesägte Teil eines Baumes angehängt.

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