Männer bauen Lebenswerk im Maßstab 1:87

Das Fachwerkhaus in der Umgebung des alten Iserlohner Ostbahnhofs steht heute noch am alten Platz. Rolf Binder hat es nachgebaut, allerdings mit dem kleinen Anbau, der in den 60er Jahren noch dazugehört hat. Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Donnerstagabends vergessen Horst Schröder und Rolf Binder die Welt um sich herum: Dann tauchen die beiden Nachrodter ab ins Iserlohn der 60er Jahre. Als Mitglieder des Modelleisenbahnclubs (MEC) sind sie an dem Großprojekt beteiligt, den historischen Stadt- und Ostbahnhof nachzubauen. Das ist ein Lebenswerk, denn fertig sind Modelleisenbahner nie.

Rolf Binder hat eine schöne historische Ansicht von einem alten Fachwerkhaus an der Oberen Mühle. Detailgetreu hat er es mit viel Liebe nachgebaut. „Wie, das verrate ich nicht“, erklärt er schmunzelnd. Die Material- und Werkzeuglager in der ehemaligen Firma Edelhoff lassen aber schon erahnen, dass beim MEC nichts von der Stange kommt.

„Wer alte Bahnhofsansichten nachbaut, kann kaum auf fertiges Material zurückgreifen“, erklären Horst Schröder und Rolf Binder. Verwendet wird deshalb alles: Metall, Holz, Glas, Pappe... die Liste ist unendlich. Rolf Binder ist nicht nur im Bau-Team des Ostbahnhofs tätig, sondern auch an der Digitalisierung der Anlage beteiligt. Das Projekt auf Spur N im Maßstab 1:87 wird sich dann viel einfacher bedienen lassen – moderne Computertechnik macht es möglich.

An die denkt auch Horst Schröder, wenn er sich donnerstags zum Team Stadtbahnhof gesellt. Er baut die Module, auf denen das 13 Meter lange Projekt in H0 später einmal in Gänze stehen wird. Einen Fertig-Bausatz können die Eisenbahner nicht verwenden. Die Tische brauchen Kabelschächte und müssen gleichzeitig stabil und transportabel sein. „Eines Tages möchten wir unsere Projekte mal auf Messen und Ausstellungen präsentieren“, erklärt Horst Schröder. Aber es kann Jahre dauern, bis beide fertig sind, obwohl donnerstags bis zu 20 Männer parallel an den historischen Stadtansichten arbeiten. Elf Unterbauten hat Schröder schon fertig, vier sind noch im Bau. Vom Stadtbahnhof und seinem Umfeld ist noch wenig zu sehen – die detailverliebten Eisenbahnfreunde hangeln sich lieber an alten Stadtplänen und historischen Fotografien entlang, bevor sie ihr Lebenswerk aufgrund einer Fehlplanung unterbrechen oder wieder abreißen müssen.

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Loks und Waggons fahren nur zur Testzwecken. Überhaupt: Zum Spielen kommt der MEC nie zusammen. Ein prächtiges Modell des alten Balver Bahnhofs für Spur 1 ist der Hingucker in der Werkhalle der Freunde, doch benutzt wird es nicht mehr, seitdem das letzte aktive Mitglied mit Modelleisenbahnen dieses Maßstabs (1:32) verstorben ist.

„Der Weg ist das Ziel“, bringt es Martin Haverkamp, mit 15 das jüngste Mitglied, auf den Punkt. Auch Axel Wachthütter (Zweiter Vorsitzender) pflichtet ihm da bei: Die Herausforderung, knifflige Projekte zu stemmen, treibt die Freunde an. Feinmechanischen Höchstleistungen stehen monotone Aufgaben wie das Verteilen von Schotter entgegen – „Es gibt nichts, was mehr entspannt!“

Was fehlt im Club, sind Frauen. „Die kriegen wir einfach nicht an dieses Hobby“, bedauert Horst Schröder. Jedem Interessenten wird beigebracht, was nötig ist. „Wir können jedes Talent gebrauchen!“ Die Clubabende, donnerstags ab 19 Uhr im Kulturzentrum Obere Mühle (Jazzclub Henkelmann), sind für jedermann offen. Gäste werden in einer Lounge mit Erster-Klasse-Sitzabteilen empfangen. Informationen haben die Freunde auch auf ihrer Homepage zusammengestellt. - Ina Hornemann

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