Rita Joergens und Christian Pohlmann verlassen die SPD

„Es ist für mich eine persönliche Katastrophe“

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Christian Pohlmann und Rita Joergens haben der SPD den Rücken gekehrt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Mit der Anzahl der Tragödien fällt das Ansehen der Sozialdemokraten. Oder? Tragisch ist es auf jeden Fall, was in der Nachrodt-Wiblingwerder SPD passiert. Jetzt haben auch Rita Joergens und Christian Pohlmann persönliche Konsequenzen gezogen – und sind aus der Fraktion ausgetreten. Ein Drama wollen sie aber nicht um das Drama machen. Sie wollen im Rat weiterarbeiten. Ohne SPD-Fraktion.

„Das ist für mich ein schmerzlicher Schritt“, sagt Rita Joergens. „Genau gesagt: Es ist für mich eine persönliche Katastrophe.“ 2004 ist sie erstmals für die SPD angetreten. „Die Dinge müssen in Bewegung bleiben, Stillstand, Rückschritt sind keine Perspektiven“, galt für sie damals. Und gilt für sie heute. Da Rita Joergens ein Direktmandat geholt hat, will sie auch weiterhin im Rat der Gemeinde bleiben – „erst mal als Fraktionslose“, sagt sie im AK-Gespräch, „um weiterhin die Interessen der Bürger vertreten zu können.“ Obwohl die Gemeinde in der Haushaltssicherung ist und es schwer genug ist, lokale Probleme zu lösen, macht ihr die Ratsarbeit Freude – nur eben nicht mehr bei der SPD. Schmutzige Wäsche möchte sie nicht waschen, möchte nicht auf die interne Spaltung der SPD-Fraktion eingehen. „Die Debattenkultur ist bei uns auf der Strecke geblieben“, sagt Rita Joergens nur. Ertragen konnte sie die Situation nicht mehr. „Meine Wähler bitte ich um Verständnis.“

Auch Christian Pohlmann plaudert nicht aus dem Nähkästchen, wird aber doch etwas genauer: „Es ist wirklich für alle Beteiligten sehr bitter, dass es soweit kommen musste. Aber es konnte keine gemeinsam und vor allem auf die Zukunft ausgerichtete Lösung gefunden werden. Ein Sprichwort sagt: Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Viele sind nun schon zu oft vor diese Mauern gelaufen.“ Christian Pohlmann ist stark ehrenamtlich engagiert: nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern auch im Bürgerbad, als Fahrer im Bürgerbusverein oder bei der Organisation des Hallentrödelmarktes.

„Jede einzelne Aufgabe finde ich wichtig und bringt, so glaube ich, einen Mehrwert für viele unserer Einwohner. So etwas macht Spaß und die Erfolge treiben mich weiter an. Ich habe weder Zeit noch Lust oder die Energie dafür, dass wir uns immer nur noch mit uns selbst beschäftigen“, sagt Christian Pohlmann.

Ob Christian Pohlmann und Rita Joergens gemeinsam eine Fraktion bilden werden, ist sehr wahrscheinlich, doch aktuell noch nicht geklärt. Aber auch Christian Pohlmann will auf jeden Fall im Rat weitermachen. „Unsere Gemeinde steht vor großen Herausforderungen, für die gemeinsam Ideen und Konzepte entwickelt werden müssen. Dazu bin ich auch nach wie vor bereit, aber die Rahmenbedingungen müssen auch stimmen. Es ist alles sehr bedauerlich, da intakte und gesunde Fraktionen für eine Kommune sehr wichtig sind. Für mich ist das nun eine große Veränderung, die ich mir auch so nicht gewünscht habe. Aber das Leben besteht aus Veränderungen und birgt darin auch immer neue Chancen“, sagt Christian Pohlmann.

Übrigens: Eine Stellungnahme von Susanne Jakoby als Fraktionsvorsitzende zum Weggang von jetzt insgesamt drei Mitstreitern und Mitstreiterinnen gibt es nicht. „Im Moment möchte ich nichts dazu sagen.“

Fakt ist: Die Mehrheitsverhältnisse verschieben sich im Rat – und damit muss auch die Ausschuss-Besetzung überarbeitet werden. Auch stellt sich die Frage, ob Gerd Schröder zudem stellvertretender Bürgermeister bleiben kann. Wenn das nicht gewünscht ist, muss der Rat einen Antrag stellen. Erst dann würde über eine Umbesetzung diskutiert.

Über die SPD-Personalien in den vergangenen Wochen haben wir bereits mehrfach berichtet, hier ein Überblick:

Christiane Lange: SPD-Ratsfrau geht zur UWG

Susanne Jakoby: "Aus dieser geteilten Fraktion gehe ich raus"

Heute fällt die Entscheidung: Ist die SPD zu retten?

SPD: Vermittlung ist gescheitert

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