Rettung für Verletzte kommt von oben

Rettung für Verletzte kommt von oben

Das Auf- und Abseilen in den und aus dem Hubschrauber muss Dr. Marc Niemtschke regelmäßig üben.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, sagt ein altes deutsches Sprichwort. Einem Arzt jedoch kann das hin und wieder passieren. Dr. Marc Niemtschke aus Wiblingwerde passiert das sogar regelmäßig.

Niemtschkes beruflicher Alltag ist durchaus vielfältig und abwechslungsreich: Halbtags arbeitet er als Leitender Notarzt bei der Feuerwehr in Hagen, darüber hinaus ist er als Vertretung für Notärzte im Märkischen Kreis und den umliegenden Gebieten selbstständig. Sein weitaus spannendstes Betätigungsfeld liegt jedoch in Norddeutschland. Dort ist der Mediziner für den Auslandsrückholdienst und die Off-Shore-Rettung tätig.

Im Auslandsrückholdienst werden erkrankte oder verunglückte Deutsche aus dem Ausland in eine wohnortnahe Klinik gebracht, manchmal werden aber auch ausländische Staatsbürger in ihre Heimat geflogen. So flog Dr. Niemtschke bereits Einsätze in die Türkei, nach Ägypten, auf die kanarischen Inseln und nach Bulgarien. Zu der Besatzung des Lear-Jets, mit dem der Rückholdienst durchgeführt wird, gehören neben dem Mediziner selbst auch noch zwei Piloten und ein speziell ausgebildeter Flug-Rettungsassistent.

Bei der Off-Shore-Rettung geht es um die Versorgung erkrankter oder verunglückter Mitarbeiter auf Windkraftanlagen in der Nordsee. An vier Tagen im Monat ist Niemtschke dafür im Einsatz. Der dazu notwendige Hubschrauber ist in St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein stationiert. „Unser Hubschrauber braucht von St.-Peter-Ording aus etwa eine halbe Flugstunde, um vor Ort zu kommen“, sagt Dr. Niemtschke und ergänzt: „Mit einem Rettungsschiff würde das mehrere Stunden dauern“. Vor Ort versorgt das Rettungsteam die Verletzten und transportiert sie anschließend in die nächstgelegene Klinik.

Neben Off-Shore-Windparks fliegt die Rettungsmannschaft auch Containerschiffe an. Weil nicht alle dieser Ozeanriesen über einen Hubschrauberlandeplatz verfügen, müssen sich die Retter manchmal vom Hubschrauber abseilen. Solche Einsätze erfordern von dem Piloten des Hubschraubers nicht nur absolutes Können, sondern auch äußerste Konzentration. Besonders gefährlich ist die Rückkehr in den Helikopter, weil dann der Patient wird in einer eigens für die Luftrettung konzipierten Trage transportiert werden muss. Weil niemand voraussehen kann, wie sich der Patient während des Aufseilens verhalten wird, muss jeder Handgriff der Retter sitzen.

Diese Art der Rettung muss ständig trainiert werden. An einsatzfreien Tagen fliegt die Crew deshalb mit dem Helikopter auf die Nordsee hinaus und übt sowohl das Ab- wie auch das Aufseilen. „Wenn wir im Einsatzfall nicht völlig Herr der Lage sind“, so Niemtschke, „kann es leicht zu gefährlichen und auch lebensbedrohlichen Situationen kommen.“

Der gebürtige Hagener, der in Bochum Medizin mit dem Schwerpunkt Notfallmedizin und Unfallchirurgie studiert hat und seit einigen Jahren in Wiblingwerde wohnt, kam eher zufällig zur Luftrettung. Niemtschke machte mit seiner Ehefrau Urlaub in Emden, wo seinerzeit noch ein Rettungshubschrauber stationiert war. Da ihn das Thema Luftrettung interessierte, war es nur folgerichtig, dass er sich bei dem in diesem Bereich tätigen Unternehmen bewarb. Aufgrund seiner Qualifikation wurde er prompt angestellt.

In Wiblingwerde fühlen Niemtschke und seine Familie sich übrigens wohl. „Wir sind hier super aufgenommen worden“, sagt der Mediziner. „Nicht nur die Landschaft, auch die Wiblingwerder sind klasse“. Er ist aktives Mitglied bei den „Jedermännern“, spielt gern Gitarre und wenn die Zeit es erlaubt, ist er auch Taucher aus Leidenschaft. „Ich halte mich genau so gern mit dem Schnorchel unter Wasser wie mit dem Hubschrauber über Wasser auf.“ - Hartwig Bröer

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