Reha und Prävention kann Gartenhallenbad retten

Im Gartenhallenbad sollen zukünftig nach Vorstellungen des Fördervereins nicht nur Kinder und Jugendliche ihren Spaß haben. Auch als Gesundheitsbad könnte die Einrichtung im Holensiepen dienen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Es ist kurz vor zwölf“, appellierte Hans Wehr, der Vorsitzende des Fördervereins Gartenhallenbad, am Montag an die Mitglieder des Gemeinderates, einen Beitrag zur Zukunftssicherung des Schwimmbades im Holensiepen zu leisten. Eine Idee, wie die Einrichtung einigermaßen wirtschaftlich betrieben werden könnte, lieferte Wehr gleich mit.

Der Vorsitzende des Fördervereins ließ die nicht ganz neue Idee einer Genossenschaft neu aufleben. Der Förderverein könne zwar etwas zur Attraktivitätssteigerung beitragen – und habe das auch bereits getan –, die Zukunft des Gartenhallenbades könne er aber nicht sichern. Dazu bedürfe es einer Betreibergesellschaft, zum Beispiel durch die Gründung einer Genossenschaft, die unternehmerisch handeln könne.

Wehr führte die im vergangenen Jahr leicht gestiegenen Besucherzahlen (31 928) auf die Akzeptanz der Kurse zurück, die mittlerweile im Gartenhallenbad angeboten werden. Unter anderem darin liegt für ihn der Schlüssel zum Erfolg: „Wir brauchen mehr Zeiten für zusätzliche Angebote“, sagte er. Darüber hinaus müsse die Einrichtung als Familienbad und Gesundheitszentrum etabliert werden, weil es Sport- und Spaßbäder in der Umgebung schon in ausreichender Zahl gebe. Insbesondere Angebote zur gesundheitlichen Rehabilitation und Prävention sowie im Behindertensport sieht Wehr als Chance. „Man kann an volle Geldtöpfe kommen – allerdings müsste man dafür investieren. Und Fachkräfte wären auch nötig“, so der Vorsitzende. Externe Physiotherapeuten könnten ebenso mit ins Boot genommen werden wie Fußpfleger oder Kosmetikerinnen.

Dass sich so etwas rechnen kann, belegte Wehr am Beispiel des Hallenbades im niedersächsischen Nörten-Hardenberg. Deutschland erstes Genossenschaftshallenbad bietet Gesundheitskurse an, dient Schulen und Vereinen als Unterrichts- und Trainungsstätte und ist auch öffentliches Schwimmbad. Jährlich rund 53 000 Besucher lassen die Kasse so ordentlich klingeln, dass am Ende sogar ein Überschuss von etwa 75 000 Euro steht. Demgegenüber übersteigen derzeit allein die jährlichen Betriebkosten die Einnahmen um gut 100 000 Euro.

Um das Gartenhallenbad nach dem Vorbild des Hallenbades in Nörten-Hardenberg umzugestalten, bedarf es nach Worten von Hans Wehr jedoch einer Planungsgruppe, die zunächst einen Businessplan erstellt. „Es ist vieles machbar, aber das kostet Geld. Der Förderverein steht Gewehr bei Fuß, aber es muss jemand die Fäden in die Hand nehmen“, sagte Wehr und betonte, dass Geld für die Umsetzung der Ideen nur zu bekommen sei, wenn das Geschäftsmodell überzeugend sei. Vor allem müsse die Politik auch einige Grundsatzentscheidungen etwa über die notwendige Investition von rund 500 000 Euro für den Umbau, eine Kraft-Wärme-Kopplung für Hallenbad und Turnhalle und über einen Betriebskostenzuschuss treffen. Auch eine Zuordnung, welche Kosten Vereine und Schulen durch die Benutzung des Bades verursachen, hält Wehr für wichtig, um sicher kalkulieren zu können.

In einem zweiten Schritt könne dann die Gründung einer Genossenschaft erfolgen, die mit der Gemeinde einen Betreibervertrag abschließen könne. Den möglichen Erfolg eines solchen Modells fasste Wehr am Montag auch in Zahlen: Das heutige jährliche Defizit des Hallenbades in Höhe von 300 000 Euro könne halbiert werden.

Entscheidungen könnten nicht mehr verschoben werden, drängte Wehr. Investitionen seien die einzige Möglichkeit der Zukunftssicherung. Dabei betonte er, dass das Hallenbad für Schulen und Vereine unverzichtbar sei. Ganz ohne Wirkung blieb sein Aufruf an den Rat nicht. „Der Appell wird nicht ungehört verhallen“, versicherte zumindest UWG-Fraktionschef Johannes Illerhaus. ▪ vg

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