Roderich Knipps kritisiert Regionalplanentwurf

Landwirt aus MK fürchtet um seinen Wald: „Es ist wie eine Enteignung“

Landwirt Roderich Knipps ist entsetzt - im Regionalplanentwurf sind seine Waldflächen für den Schutz der Natur (BSN) vorgesehen.
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Landwirt Roderich Knipps ist entsetzt - im Regionalplanentwurf sind seine Waldflächen für den Schutz der Natur (BSN) vorgesehen.

Roderich Knipps fühlt sich so, als würde man ihm die Kehle zuschnüren. „Ich habe zwölf Hektar Wald plus Wiesen. Und von diesen zwölf Hektar sind elf Hektar im Regionalplan“, erzählt er fassungslos. Werden seine Flächen Naturschutzgebiet, hat das für den Landwirt erhebliche Auswirkungen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Geld und Zeit hat er investiert, aufgeforstet, Bäume gepflanzt. Ahorn und Buchen zum Beispiel. Es gibt auch Wildkirschen. Und jetzt? Im Entwurf zur Regionalplanneuaufstellung sind Bereiche für den Schutz der Natur (BSN) festgelegt – und eben jetzt auch der Wald von Roderich Knipps. Und das hat Auswirkungen. Plötzlich und über Nacht sozusagen.

„Es ist wie eine Enteignung“, sagt der Landwirt, während die Bezirksregierung Arnsberg erklärt: „Dies ist nicht gleichbedeutend mit der Festsetzung eines Naturschutzgebietes. Die Bereiche für den Schutz der Natur sind besonders sensible Bereiche, in denen dem Naturschutz der Vorrang gegenüber anderen Belangen eingeräumt wird. Sie sind auf Ebene der Regionalplanung die wichtigsten Bausteine zur Schaffung eines weiträumigen Biotopverbunds.“

Ein riesiger Kapitalverlust

Wird der Regionalplan so umgesetzt, – Widersprüche sind bis zum 30. Juni möglich – würde dies für Roderich Knipps erhebliche Konsequenzen bedeuten. „Ich dürfte zum Beispiel keine toten Bäume mehr wegschlagen. Man kann keine Forstwirtschaft mehr betreiben. Es ist ein riesiger Kapitalverlust, etwa im Wert von einem Einfamilienhaus“, so Roderich Knipps.

Besonders viele Buchen stehen auf den schönen Flächen am Kreinberg. Fichten auf 2000 Quadratmeter mussten aufgrund des Borkenkäfers schon abgeschlagen werden. Viel Herzblut steckt Roderich Knipps in seine Waldflächen, die er von seinem Vater übernommen hat und dieser von seiner Mutters Vater. Der Hof geht bis zum 15. Jahrhundert zurück.

„Die Entscheider begreifen das nicht, dass es nicht so schön bleiben wird, wenn man nichts tut“

„Man muss sich immer kümmern und natürlich ist es ein Wirtschaftsfaktor“, erzählt Roderich Knipps. Eine Buche wird 150 Jahre, bis sie geschlagen wird. Fichten benötigen „nur“ 80 Jahre. Seine Flächen gehören zum Landschaftsschutz. Werden sie Naturschutzgebiet, bedeutet dies strengere Regeln für den Besitzer. „So wie es heute ist, muss es dann bleiben. Fallen Bäume um, bleiben sie liegen.“ Roderich Knipps weiß nicht, „wie jemand auf solche Ideen kommen kann. Die Entscheider begreifen das nicht, dass es nicht so schön bleiben wird, wenn man nichts tut.“

Auch andere betroffen

Nicht nur Roderich Knipps ist der Leidtragende, auch viele andere Waldbesitzer in der Gemeinde. „Viele sind schwer angefressen, ich bekomme viele Anfragen“, sagt Förster Christof Schäfer. Grob geschätzt sind in Nachrodt-Wiblingwerde etwa 25 Hektar Wald betroffen – darunter neben dem Kreinberg auch das Waldstück Vossnocken und das Brenscheider Mühlebachtal.

Stellungnahme des Forstamtes

Der Förster versteht den Kummer der Waldbesitzer. „Im Prinzip werden sie für ihre langjährige Arbeit damit belohnt, dass alles unter Naturschutz gestellt wird und sie es möglicherweise gar nicht mehr oder nur eingeschränkt nutzen können.“ Dass es so kommen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. „Wir hatten das schon einmal vor Jahren, als ein Gebiet am Salzlager unter Naturschutz gestellt werden sollte. Damals haben die Waldbesitzer Einspruch eingelegt, aber es ist trotzdem Naturschutzgebiet geworden“, erinnert sich der Förster. Das Forstamt ist um eine Stellungnahme zum Regionalplanentwurf gebeten worden – und befürchtet eine größere Nutzungseinschränkung. Zudem, so sagt Christof Schäfer, müssten die Waldbesitzer entsprechend entschädigt werden. Was ihn wundert ist, „dass weder die Windenergieanlagen noch die Hochspannungstrasse im Regionalplan behandelt werden.“

Keine Entschädigungspflicht

Der Regionalplan selbst löst übrigens keine Entschädigungspflicht aus. Also: Kein Geld für die Waldbesitzer. Das betont Anna Carla Springob aus der Pressestelle der Bezirksregierung Arnsberg. Sie sagt auch: „Durch die Festlegungen im Regionalplanentwurf erfolgt selbstverständlich keine Enteignung.“

Laie überfordert

Angesichts von mehr als tausend Seiten Texten und Karten ist der Laie beim Regionalplan komplett überfordert, ein bürokratisches Ungetüm, durch das sich auch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung jetzt durchackern müssen.

Dabei geht es bei Weitem nicht nur um Wald- und Forst. Der Regionalplan legt die mittelfristigen Entwicklungsziele der Region fest – unter anderem auch für Siedlungs- und Gewerbeflächen wie auch für energiepolitische Fragen. Thema ist der Regionalplan während der nächsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am 14. Juni. „Alle Kommunen sind zur Stellungnahmen aufgerufen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Es habe zuvor Werkstattgespräche mit der Bezirksregierung gegeben. Jetzt müsse man schauen, wo die Anregungen eingeflossen seien und wo nicht. Und wenn es auf einmal riesige Naturschutzgebiete gebe, müsse man sicher auch dazu deutlich Stellung beziehen.

Proteste haben sich schon an vielen Orten zu vielen Themen formiert. So haben beispielsweise Bürgermeister der Städte und Gemeinden des Kreises Siegen-Wittgenstein den Entwurf des Regionalplans massiv kritisiert. Das Planwerk konterkariere „die Bestrebungen und Ziele der Kommunen und der ansässigen Bevölkerung.“

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