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Regionalplan: Nachrodter haben Angst vor Enteignung

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Von: Thomas Keim

Eiselfinger Eltern erkunden den Wald
Deutlich mehr Waldflächen in Nachrodt sollen unter Naturschutz gestellt werden. © Kerstin Fahn

Skepsis und Kritik sind groß, wenn es um den Regionalplan geht. Nicht nur in Nachrodt. Dort fürchten Grund- und Waldbesitzer massive Folgen und herbe Einschnitte. Die Kommune stärkt ihnen den Rücken.

Nachrodt-Wiblingwerde – Mit großer Skepsis begegnet die Kommunalpolitik den Vorstellungen im neuen Regionalplan, den die Bezirksregierung aufstellen will. Das wurde in der Ratssitzung deutlich. Im Regionalplan geht es um eigentlich alles: Siedlungsbereiche und gewerbliche Nutzungen, Freiraum- und Agrarflächen, Wälder, Überschwemmungsgebiete und die Verkehrsinfrastruktur, um Klimaschutz, Freizeit und Tourismus. Der Rat stimmte der Stellungnahme zu, die die Verwaltung in seinem Auftrag an die Bezirksregierung Arnsberg senden soll.

Philipp Olschewski (CDU) machte klar, dass seine Partei hinsichtlich der Regionalplan-Überlegungen „deutlich dagegen“ sei. „Wir sehen das sehr kritisch.“ Unter anderem, weil es „negative Auswirkungen auf Grundstücksbesitzer“ gebe, die in ihren Rechten und Möglichkeiten deutlich beschnitten würden, unter anderem durch die Ausweisung neuer Überschwemmungsgebiete, gegen die wie berichtet nicht nur die Nachrodter Sturm laufen.

Zusätzliche Naturschutz-Flächen: Folgen für Waldbesitzer

Ähnlich äußerte sich Petra Triches (UWG). Sie sah im neuen Regionaplan einen „Hauch von Enteignung“. Gerd Schröder (SPD) sprach von „Entscheidungen am grünen Tisch. Das ganze Verfahren ist anzuzweifeln“. „Überhaupt nicht einverstanden“ zeigte sich Ulrich Gülicher (CDU) und berichtete, dass es im Regionalrat einen gemeinsamen Antrag von CDU und SPD bezüglich des Regionalplans gebe.

Während die Gemeinde einige Vorhaben im Plan als „unkritisch“ sieht, gibt es in anderen Bereichen deutliche Kritik. Beim Schutz der Natur gebe es auffällige Änderungen. „Zusätzliche großflächige Ausweisungen von Waldgebieten im Bereich westlich von Hallenscheid, Eickhoff, Höchsten, Kreinberg, Nordhelle und Hahn“ bereiten Sorgen. „Forstwirte und Waldbesitzer fürchten massive Einschränkungen“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat.

„Tote Bäume nicht mehr zu schlagen“

Es drohten strikte Auflagen für die Bewirtschaftung dieser Flächen. Rund 25 Hektar Wald sollen laut Regionalplan unter Naturschutz gestellt werden. Die Bürgermeisterin stellt in der Vorlage fest: „Das bedeutet, dass tote Bäume nicht mehr geschlagen werden dürfen, wodurch den Eigentümern erheblich Wertverluste entstehen. Diese Flächen stellen oftmals die wirtschaftliche Grundlage der Betriebe dar.“ Seitens der Gemeinde sehe man weder eine „Schutzbedürftigkeit“ noch eine „Schutzwürdigkeit“. Diese Flächen müssten neu überprüft werden.

Auch zur Festsetzung von Überschwemmungsgebieten hat sich die Verwaltung in einer gesonderten Stellungnahme an die Bezirksregierung gewandt. Dass im Regionalplan auch bebaute Flächen als Überschwemmungsgebiet festgesetzt werden sollen, sei nicht sachgerecht. „Es greift deutlich in die Eigentumsrechte der Gemeinde, der Gewerbetreibenden und der privaten Grundstückeigentümer ein. Enthalten seien zudem Gebiete „in denen seit Jahrzehnten nie eine Überschwemmung festgestellt wurde“.

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