Waldbesitzer schlagen Alarm

Regionalplan: Frust auf allen Seiten

Deutliche Worte von den Zuhörern: Tanja Edelhoff, Jochen Feike und Werner Holzrichter (v.l.) positionierten sich klar zum Regionalplan in der Planungs- und Bauausschuss-Sitzung.
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Deutliche Worte von den Zuhörern: Tanja Edelhoff, Jochen Feike und Werner Holzrichter (v.l.) positionierten sich klar zum Regionalplan in der Planungs- und Bauausschuss-Sitzung.

Waldbesitzer gehen auf die Barrikaden - und erhalten Unterstützung aus der Politik: Der Regionalplan löst Frust auf allen Seiten aus - in Nachrodt geht‘s vor allem um den Wald.

Nachrodt-Wiblingwerde – Das hat es in den politischen Gremien der Gemeinde noch nie gegeben: Die Anfragen, die Beschwerden und der Kummer von Tanja Edelhoff, Werner Holzrichter, Jochen Feike und Günter Buttighoffer, die sich zu Beginn der Planungs-, Bau- und Umweltausschusses zu Wort meldeten, wurden direkt von den Fraktionen diskutiert. Zu brisant war und ist das Thema „Regionalplan“, um stur die Tagesordnung einzuhalten.

Eigentlich geht es um alle Lebensbereiche im Regionalplan, den die Bezirksregierung aufstellt – beispielsweise um Freizeit, Erholung, Siedlungsraum, Verkehr und Infrastruktur, Energieversorgung. Und um Wälder. Auffällig sind die großflächigen Ausweisungen von Waldgebieten zum Schutz der Natur im Bereich Hallenscheid, Eickhoff, Nordhelle; Holensiepen/Langenstück und Haste. Grundstückseigentümer wie Roderich Knipps befürchten massive Einschränkungen. Insgesamt sollen 25 Hektar Waldflächen unter Naturschutz gestellt werden.

Landwirt: „Generationen haben sich krumm gemacht“

„Die Gemeinde hat den Regionalplan seit dem 1. Januar vorliegen. Warum sind wir als Eigentümer der Wälder nicht darüber informiert worden?“, fragte Tanja Edelhoff und empfand die Antwort als unbefriedigend. Herrin des Verfahrens, so erklärte Bürgermeisterin Birgit Tupat, ist die Bezirksregierung. Es bestehe die Verpflichtung für jeden Bürger, sich zu informieren.

Dass „ganz toll gepflegte Wälder“ unter Naturschutz gestellt werden sollen, kann Günter Buttighoffer nicht nachvollziehen: „Da haben sich Generationen krumm gemacht und jetzt, wo die Bäume schlagreif sind, sollen sie in das Programm kommen.“ Auch landwirtschaftliche Flächen, die intensiv bewirtschaft werden, würden im Plan genannt. Günter Buttighoffer appellierte an die Gemeinde, bei ihrer Stellungnahme an die Bezirksregierung explizit die Flächen der betroffenen Landwirte zu erwähnen.

Regionalplan ohne unmittelbare Rechtswirkung

Für die Fraktionen ist es augenscheinlich keine Frage, sich für die Interessen ihrer Bürger einzusetzen. „Mit einer kalten Enteignung können und wollen wir nicht leben“, so Ulrich Gülicher (CDU), der noch deutlicher wurde: „Es war immer ein Wirtschaftswald hier. Und jetzt kommen einige grüne Experten von der Bezirksregierung und fallen über unsere Jahrhunderte alte Tradition her. Das kann nicht richtig sein.“

Obwohl sich die Gemeinde in ihrer Stellungnahme zum Regionalplan deutlich positioniert (mit einer Enthaltung so dem Rat empfohlen) sei es aber auch notwendig, dass sich die Eigentümer selbst an die Bezirksregierung wenden. „Die Festsetzung im Regionalplan hat noch keine unmittelbare Rechtswirkung auf die Eigentümer.“

Stellungnahmen bis 30. Juni möglich

Das wird erst geschehen, wenn der Märkische Kreis eine entsprechende Verordnung dazu erlassen wird“, erklärte die Bürgermeisterin und verwies auf die Politik: „Da sind auch unsere Kreistagsabgeordneten gefragt, um Einfluss zu nehmen.“

Sämtliche Kommunen, Eigentümer und Träger öffentlicher Belange haben bis zum 30. Juni die Möglichkeit zur Stellungnahme. „Diese Stellungnahmen zu sichten wird bestimmt ein Jahr dauern. In der Zwischenzeit sollte man auf den Kreis zugehen, der die Schutzzwecke festzurrt“, so Birgit Tupat. Auch der Ausschussvorsitzende Gerd Schröder (SPD) ermutigte die betroffenen Bürger, sich an die Kreistagsfraktionen zu wenden, die ihrerseits darauf warten würden.

Frust in Veserde

Nachrodt-Wiblingwerde steht nicht allein mit den Sorgen. In andere Kommunen gibt es ebenfalls erhebliche Diskussionen zum Thema. Und so wird es auch eine Stellungnahme des Landrates mit den Bürgermeistern geben, die am Freitag besprochen wird.

Übrigens: Jochen Feikes Anliegen betrifft den Bereich Hinterveserde. „Dort soll der Bereich von Wald auf Freiraum umgewidmet werden. Wir sehen das Risiko einer tendenziellen Entwaldung und sehen dies als Senkung der Hemmschwelle an, künftig weitere Windenergieanlagen vorzusehen.“ Das empfindet Werner Holzrichter als einen weiteren Tiefschlag gegenüber dem Schlosshotel, das Holzrichters in Veserde betreiben.

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