Mit dem Sterben hat es niemand eilig

+
Nicht staubtrocken, sondern durchaus unterhaltsam behandelte Rechtsanwalt Stefan Schmale bei der Katholischen Frauengemeinschaft in Nachrodt die Themen Patientenverfügung und Erbrecht.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ In die Details eines komplexen Themas führte der Altenaer Rechtsanwalt Stefan Schmale am Donnerstag im Katholischen Vereinshaus ein. 14 Frauen und drei Männer informierten sich auf Einladung der Katholischen Frauengemeinschaft St. Josef über Patientenverfügung und Erbrecht.

Stefan Schmales flapsige Nachfrage verdeutlichte, dass es um „letzte Dinge“ in einem sehr weltlichen Sinn ging: „Sonst noch jemand, der es eilig mit dem Ableben hat?“ Weil sich niemand meldete, blieb Zeit, wichtige Fragen zu klären.

Wie tun Patienten im Fall einer schweren Erkrankung ihren Willen kund, wie im Fall einer unheilbaren Krankheit mit ihnen umgegangen werden soll? Diese Frage stellt sich immer dann, wenn Menschen akut derart erkrankt sind, dass sie einen solchen Willen nicht mehr selber artikulieren können. Eine Patientenverfügung klärt wichtige Dinge für den Fall, „dass alles zu spät ist. Sie ist zwingend notwendig, wenn man verantwortlich handeln will“, erklärte der Rechtsanwalt. Die Patientenverfügung sorgt dafür, dass nicht darüber spekuliert werden muss, was „derjenige, der da im Koma liegt, mutmaßlich gewollt hätte“: Stecker raus, Geräte abschalten oder kämpfen bis zum letzten Atemzug.

„Wirklich wichtig sei eine Vorsorgevollmacht für diejenigen, die den schwer Erkrankten geschäftlich vertreten müssen, erklärte Stefan Schmale. Alle anderen Formen der Übertragung von Vollmachten seien demgegenüber „gedanklich zu streichen“. Der Anwalt nannte Generalvollmacht, Vermögenssorge, Aufenthaltsbestimmung, Kontovollmacht und Betreuungsverfügung.

Nachfragen betrafen den Fall „Stecker raus“, durch den als baldige Folge der Erbfall eintritt. „Kann ich handschriftlich etwas zu meinen Unterlagen legen?“, fragte eine Besucherin – „für meine Kinder“. Sie bekam den Rat, klarzumachen, worum es sich bei dem Schriftstück handelt, kein „letzter Wille“, sondern eine „Patientenverfügung“. Stefan Schmale machte klar, welche Tücken die Formulierung „für meine Kinder“ rechtlich gesehen birgt, wenn daraufhin alle Kinder an einer Entscheidung mitwirken müssen. Das sei nicht immer praktikabel.

Aufgrund der Nachfrage ging der Anwalt im Folgenden noch näher auf die Themen Testament und Erbrecht ein. Er erläuterte die gesetzliche Erbfolge und die gewillkürte Erbfolge, also jene, bei der der Erblasser ausdrücklich jemanden mit seinem Erbe bedenkt. Interessant war dabei der Rat an alle erbwilligen Großeltern, nicht direkt die noch kleinen und niedlichen Enkel zu beerben. „Das ist eine Vollkatastrophe. Man kriegt das nie gesteuert und weiß nie, was aus denen wird.“ Zudem sei es ungerecht, die Kindergeneration auszusparen, nur weil diese möglicherweise schon selber beruflichen Erfolg und Geld hat: „Die gut geratenen Kinder gehen dann leer aus.“ ▪ Thomas Krumm

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare