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Rechtsanwalt: Mit Mietern in den Ring gegen Caesar

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Bei einer Abstimmung waren alle Mieter für die Einrichtung eines Treuhandkontos.
Bei einer Abstimmung waren alle Mieter für die Einrichtung eines Treuhandkontos. © Fischer-Bolz, Susanne

Es kommt in aussichtslosen Situationen oft auf Helfer an. Rechtsanwalt Armin Speckmann ist so einer. Er erscheint als der „Retter in der Not“ für die Mieter vom Nachrodter Feld und steigt mit Ihnen in den Ring gegen den Immobilien-Riesen Caesar. Oder gibt es den gar nicht mehr?

Nachrodt-Wiblingwerde – Armin Speckmann will mit den Bürgern in den Ring gegen die Caesar JV Immobilienbesitz GmbH steigen und eröffnet ihnen eine Möglichkeit, die eskalierende Situation mit dem drohenden Ende der Wasserversorgung in allen Häusern der Siedlung abzuwenden. Speckmann wird ein Treuhandkonto einrichten: Die Mieter zahlen ab sofort keinen Pfennig mehr an Caesar-Immobilien, sondern sämtliche Miet- und Nebenkosten gehen auf das Treuhandkonto, von dem ausstehende Rechnungen beglichen werden.

Alle stimmen zu

Ob alle Mieter mitmachen werden? Das Stimmungsbild während eines Infoabends in der Grundschule Nachrodt war mehr als positiv. Bei einer Abstimmung schnellten alle Hände nach oben. Jubel blieb allerdings aus. Zu sehr sind die Bürger von einem jahrelangen Kampf mit ihrem Vermieter angeschlagen und verunsichert, teilweise sogar verängstigt.

Trauerspiel mit vielen Kapiteln

Das Drama rund um den Vermieter Caesar-Immobilien, der offenbar Nebenkosten nicht an Versorger weiterleitet, und sich auch sonst um kaum etwas kümmert, ist ein Trauerspiel mit vielen Kapiteln. Machtlos fühlten sich die Mieter und ertrugen den Kummer um fehlende Öllieferungen, um Schimmel in den Wohnungen, um die zugewachsene Umgebung. Irgendwie ging es immer weiter. Doch nun der Höhepunkt: Die Eigentümergesellschaft scheint nicht mehr zu existieren. Die Lage spitzte sich deshalb zu, das Wasser soll am 11. Juli abgedreht werden.

„Er hat keine Meldeadresse“

Die Gemeindeverwaltung – in diesem Fall Kämmerin Gabriele Balzukat und Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz – setzten sich deshalb mit Rechtsanwalt Armin Speckmann zusammen. „Wir möchten den Mietern ermöglichen, dass sie dort wohnen bleiben, wenn sie das wollen, und dass sie auch versorgt werden“, so Armin Speckmann. Seine Recherchen: Die Eigentümergesellschaft gebe es faktisch nicht mehr. „Bei einer GmbH ist das recht einfach, man hat dann irgendwann keinen Briefkasten mehr und der Geschäftsführer ist verschwunden. Er hat keine Meldeadresse, lebt irgendwo bei seiner Frau oder nicht“, sagte Armin Speckmann. Auch die Postadresse im Berliner Sony-Gebäude gibt es nicht mehr. Auch Versuche der Redaktion, Caesar zu erreichen, schlugen mehrfach fehl.
„Wahrscheinlich wurde da die Miete auch nicht bezahlt“, glaubt der Nachrodter Rechtsanwalt. In Schwerin bei einer Schwesterfirma der Caesar sei exakt dasselbe passiert. Seine Vermutung: Caesar sei wohl pleite. Niemand habe das ordnungsgemäße Verfahren eingeleitet, so Speckmann, es gebe offenbar keinen Insolvenzantrag. Eine Geschäftsführung, die keine Insolvenz anmelde, obwohl sie wisse, dass die Gründe vorlägen, mache sich strafbar. „Vielleicht ist der Herr deswegen verschwunden.“

Rechtsanwalt Armin Speckmann hilft den Mietern vom Nachrodter Feld.
Rechtsanwalt Armin Speckmann hilft den Mietern vom Nachrodter Feld. © Fischer-Bolz, Susanne

Doch was können die Mieter machen? Eine Anordnung der Zwangsverwaltung einleiten? Speckmann klärte auf: Das können die Mieter nicht beantragen, weil sie nicht im Grundbuch als Gläubiger eingetragen sind. Eine ganz schnelle Hilfe für die Mieter vom Nachrodter Feld soll das Treuhandkonto sein, das bei der Volksbank eingerichtet und von Armin Speckmann verwaltet wird. Strom, Öl, Gas, Wasser und vielleicht auch mal ein Gärtner sollen von diesem Konto bezahlt werden. „Da wird die Firma Caesar vermutlich gar nichts zu sagen, weil keiner mehr da ist“, so Armin Speckmann. Die konkrete Bedrohung des Wasser-Stopps in allen Häusern könne so abgewendet werden.

Kein großes Risiko

Die Sorge, dass den Mietern die Wohnung gekündigt wird, konnte der Anwalt nehmen „Das Mietrecht kann Ihnen nicht gekündigt werden, wenn Sie sich auf Rat eines Juristen zu einer Mietminderung entschließen.“ Die Einrichtung des Treuhandkontos sei nicht 100-prozentig im Sinn des Gesetzgebers, „aber es ist eine Konsequenz, die wir ziehen können, ohne dass wir ein immenses Risiko eingehen“, verspricht Armin Speckmann. Das Geld sei auch nicht weg. „Ich gebe nur das aus, was für die Versorgung nötig ist und alles andere bleibt liegen. Kommt ein Zwangsverwalter, gebe ich ihm das Geld und dann ist es bei den Berechtigten gelandet. Es geht nicht darum, dass das Geld nicht gezahlt wird, sondern nicht in den Molloch Caesar geworfen wird, wo es irgendwo versickert.“

20000 Euro bei den Stadtwerken offen

20 000 Euro seien allein bei den Stadtwerken Iserlohn offen. Seitdem die Verwalter von DIM das Handtuch geworfen haben, ist kein Geld mehr geflossen. „Die Stadtwerke sind verantwortungsvoll in der Situation und wollen daran mitwirken, dass eine Lösung gefunden wird“, sagt Armin Speckmann, der von den Bürgern nun Vollmachten benötigt. Rückendeckung gibt es auch von der Gemeindeverwaltung Nachrodt-Wiblingwerde: „Wir sind alle im Gespräch miteinander“, sagt Kämmerin Gabriele Balzukat. 124 Wohnungen gibt es am Nachrodter Feld. Etwa ein Drittel sind frei. Wenn mindestens 50 Mieter dem Vorschlag von Armin Speckmann folgen, ist der Weg frei für eine neue Ära am Nachrodter Feld.

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