Nur wenige Kinder müssen für die Eltern zahlen

Die Meerbuscher Rechtsanwältin Delia Jurgeleit erklärte am Mittwoch bei der Evangelischen Frauenhilfe Wiblingwerde, wann Eltern für die Pflegekosten aufkommen müssen, die ihre Eltern verursachen. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Pflege kostet Geld. So viel Geld, dass die Leistungen der Pflegekasse manchmal nicht ausreichen und man auf eigene Mittel zurückgreifen muss. Ist das eigene Vermögen aufgebraucht, müssen unter Umständen sogar die Kinder für ihre Eltern einspringen.

Unter welchen Bedingungen der so genannte Elternunterhalt geleistet werden muss, beleuchtete die Rechtsanwältin Delia Jurgeleit am Mittwoch bei der Evangelischen Frauenhilfe in Wiblingwerde.

Grundsätzlich übernimmt zwar der Sozialstaat die Kosten für die Pflege von alten Menschen, aber zuvor müssen die Betroffenen selbst und gegebenenfalls auch ihre Familien ihren Beitrag leisten. „Man sollte sich also gut überlegen, was man verschenkt oder vererbt“, warnte die Rechtsanwältin davor, Erspartes oder das Eigenheim allzu früh an die Nachkommen weiterzugeben. Vielleicht werde dieses Vermögen ja noch für die eigene Pflege benötigt, gab sie zu bedenken. „Man sollte den Pflegefall immer im Hinterkopf haben und sich fragen: Was passiert, wenn ich das Geld selber brauche?“, sagte Jurgeleit.

Doch es gibt auch die Fälle, in denen pflegebedürftige Senioren die Kosten für ihren Aufenthalt im Pflegeheim nicht finanzieren können. Bevor dann das Sozialamt einspringt, werden zunächst die Kinder zur Zahlung herangezogen. „Die Kosten für die Pflege sind inzwischen explodiert und viele Gemeindenkassen sind leer. Da ist es nur verständlich, dass das Sozialamt prüft, ob es die Kinder zur Kasse bitten kann“, hatte Delia Jurgeleit durchaus Verständnis für diese Regelung.

Allerdings müsse niemand befürchten, durch die Übernahme von Pflegekosten für die Eltern in den Ruin getrieben zu werden, beruhigte die Rechtsanwältin ihre Zuhörerinnen. Die Höhe der finanziellen Belastung hänge von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Singles müsse ein monatliches Nettoeinkommen von 1600 Euro bleiben, Ehepaaren sogar 2880 Euro. Davon seien dann andere Unterhaltspflichten, Aufwendungen für die eigene Altersvorsorge, Beiträge zur Lebensversicherungen und Bausparverträgen und sogar die Tilgung von bereits abgeschlossenen Konsumkrediten schon abgezogen, zählte Jurgeleit auf, wie das Einkommen, von dem etwaige Pflegekosten bezahlt werden müssen, kleingerechnet werden kann. „70 Prozent der Kinder werden deshalb keinen Elternunterhalt zahlen müssen“, vertrat die Expertin die Auffassung, dass in der Realität nur eine Minderheit zu Kasse gebeten werde. Und die könne sich eine Unterhaltszahlung für die eigenen Eltern dann auch finanziell leisten.

Delia Jurgeleit wies auch darauf hin, dass mehrere Kinder als Teilschuldner für die Pflegekosten ihrer Eltern zu haften hätten. „Allerdings wird die Leistungsfähigkeit jeweils einzeln überprüft“, schränkte sie auch hier ein. So könne es durchaus sein, dass ein gut verdienendes Kind zur Zahlung herangezogen werde, ein Geschwisterkind mit geringerem Einkommen dagegen nicht.

Die Rechtsanwältin riet auch dazu, sich fachlichen Rat zu holen, wenn ein Schreiben des Sozialamtes ins Haus flattert, in dem man zur Zahlung von Elternunterhalt aufgefordert wird. „Diese Schreiben sind oft so formuliert, dass sie kaum jemand versteht“, nannte sie nur einen Grund dafür, nicht überstürzt auf eine Aufforderung zur Kostenübernahme zu reagieren. - Volker Griese

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