Die Lennebrücke und die „größte Schlamperei“

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Die Lennebrücke in Nachrodt muss Anfang April voll gesperrt werden.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es wird das Verkehrschaos erster Güte. Wer die Ampelschaltung aufgrund der Baumfällarbeiten auf der B236 in Höhe des Obergrabens vor wenigen Wochen miterlebt hat, wird wissen, was jedem Autofahrer bald blühen wird.  Die Kommunalpolitiker schäumen vor Wut.

Zunächst kommt aber die eintägige Vollsperrung am 1. April: Straßen.NRW wollte für die Asphalt-Erneuerung gar drei Tage einplanen. Diese „Idee“ ist aber vom Tisch. „Wir haben bei einer Vollsperrung natürlich ein massives rettungs- und feuerwehrtechnisches Problem. Ein Fahrzeug muss mit Besatzung am Amtshaus Tag und Nacht stationiert sein. Drei Tage hätten wir nicht stemmen können“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat, die Straßen.NRW von der Unmöglichkeit überzeugen konnte.

Die Sperrung gilt nun 24 Stunden – am 1. April ab 6 Uhr bis zum 2. April, 6 Uhr. Feuerwehr und Rettungsdienst können ab 22 Uhr abends fahren. Und: Es wird eine fußläufige Verbindung auf der Brücke geben. Zumindest zum Einkaufen können die Bürger – wenn auch nur zu Fuß.

Beim Thema Lennebrücke stehen den Kommunalpolitikern die Haare zu Berge. Matthias Lohmann (SPD) protestierte vehement während der Sitzung des Rates „gegen die schlampige Vorgehensweise von Straßen.NRW und Verkehrsministerium.“ Beim Projekt „Lenne lebt“ habe sich der Verkehrsminister Groschek in Nachrodt feiern lassen und sei stolz wie ein Pfau auf dem Fahrrad über die schlimmste Baustelle gefahren.

Provisorische Sanierung anstreben

„Wenn Straßen.NRW es nicht hinkriegt, uns eine Brücke in einer annehmbaren Zeit dort hinzustellen, dann muss Straßen.NRW beziehungsweise das Land das Geld in die Hand nehmen und eine provisorische Sanierung anstreben. Da gibt es durchaus Institute, die so etwas begleiten, und eine Firma, die Zementsuspension macht. Kostet ein Schweinegeld, aber wir könnten unter Umständen für eine temporäre Phase wieder eine fahrbare Brücke bekommen – also so lange, bis der Neubau fertig ist. Wenn die temporäre Sanierung eine Million kostet, dann muss man mal überlegen, in welchem Verhältnis das zum wirtschaftlichen Schaden steht, den die Teilsperrung bringt – wenn jeden Tag 1000 Leute eine Stunde im Stau stehen. Straßen.NRW muss wegen der Schlamperei in die Pflicht genommen werden“, wetterte Matthias Lohmann.

Die CDU-Fraktion unterstützt – ebenso wie die UWG – das Schreiben der Bürgermeisterin. Die SPD nicht.

20 Jahre wurde in Sachen Lennebrücke am Thema vorbei geplant. So sehen es alle. Nur die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby (SPD) stellte die Frage in den Raum, ob denn nicht auch die Gemeinde Fehler begangen habe. Dies wies Bürgermeisterin Birgit Tupat weit von sich: „Es gab jährlich Gespräche mit dem Landesbetrieb. Es haben zudem regelmäßig Termine für die dort verlaufenen Leitungen stattgefunden. Jedes Mal ist der Brückenneubau angemahnt worden. Dass dieses Gutachten jetzt vorliegt, war vorher nie bekannt“, so Birgit Tupat und erinnerte daran, dass vor sieben Jahren „überstürzt Häuser erworben – und später abgerissen wurden, weil wir alle dachten, dass es jetzt endlich losgeht.“

Bürgermeisterin fordert früheren Beginn

Bürgermeisterin Birgit Tupat, die gerade an allen Fronten kämpft, will einen Beginn des Planfeststellungsverfahren im kommenden Jahr nicht hinnehmen. „Das ist viel zu spät. Wir müssten dann fünf bis sieben Jahre mit einer Ampelanlage an der Brücke leben. Das geht überhaupt nicht.“

Unterdessen ist auch ein Schreiben an das Wirtschaftsministerium unterwegs, da die heimische Wirtschaft über Gebühr belastet wird. Darin heißt es unter anderem: „Die Brücke hat für den gesamten Schwerlastverkehr der Lenneschiene eine große Bedeutung. Eine Einschränkung in Bezug auf die Befahrbarkeit hätte erhebliche Folgen für das gesamte Lennetal.

Eine dauerhafte Umleitung des Schwerlastverkehrs über andere Strecken hätte für alle Betriebe im gesamten Lennetal erhebliche negative Auswirkungen. Aber auch die Regelung durch eine Lichtzeichenanlage kann nicht hingenommen werden, da es dann zu ständigen Verkehrsproblemen kommen wird. Es passieren täglich 13000 Fahrzeuge die B236 in der Ortsdurchfahrt Nachrodt. Dieses Verkehrsaufkommen erhöht sich dramatisch, wenn es zu Sperrungen oder Staus auf den umliegenden Autobahnen kommt.“

SPD-Fraktion verweigert sich

Eigentlich sollte das Schreiben als gemeinsame Stellungnahme von Politik und Verwaltung Nachrodt-Wiblingwerde an Minister Duin geschickt werden, der erst vor wenigen Wochen bei den Walzwerken Einsal die Wichtigkeit des Industriestandorts unterstrichen hatte. Doch während CDU und UWG die Bürgermeisterin unterstützten und unterschrieben, verweigerte sich die SPD-Fraktion – was der CDU-Fraktionsvorsitzende Lars Wygoda auch kopfschüttelnd während der Sitzung des Rates vermeldete. Was es an der Formulierung auszusetzen gab, wurde nicht klar. „Ich unterschreibe keinen Brief an den Minister, wenn ich nicht hundertprozentig dahinter stehe“, so die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby. Ihre Fraktion habe etwas Eigenes verfasst und abgeschickt.

Unterdessen glaubt Straßen.NRW nicht daran, dass eine Ampelanlage an der Lennebrücke abzuwenden ist. „Es ist das kleinste Übel“, meint Michael Overmeyer von Straßen NRW.

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