Nach Coronafall und Wasserschaden

Ratten in Kindergarten im MK

Gift greift das Nervensystem der Ratten an.
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Eine Ratte (Symbolbild).

Ausgerechnet Ratten spazieren durch die Kindertageseinrichtung in Wiblingwerde. Ein Schädlingsbekämpfer wurde eingeschaltet.

Nachrodt-Wiblingwerde – Sie können bis zu 1,5 Meter hoch springen. Sie huschen durch die Kanalisation, knabbern Kabelisolierungen an, lieben Müll und sind Allesfresser. Ratten leben meist im Untergrund - und sind wahrscheinlich das Letzte, was man sich in der Nähe wünscht. Doch jetzt spazierten die kleinen Nager durch den Kindergarten Wiblingwerde. Glücklicherweise im geräumten Gebäude.

Ein Schädlingsbekämpfer wurde eingeschaltet. „Das Thema ist erledigt“, sagt Gela Mund, Geschäftsführerin des Trägerverbundes für Kindertageseinrichtungen im evangelischen Kirchenkreis Iserlohn. Entdeckt wurden die Ratten bei Renovierungsarbeiten, die sich deshalb natürlich verzögerten.

Der evangelische Kindergarten Wiblingwerde ist wirklich gebeutelt. Alle Kinder und alle Erzieher der Kita mussten in Quarantäne, nachdem im November ein Kind positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. Bereits im Oktober mussten alle mit Sack und Pack aus der Kita aus- und in das Gemeindehaus einziehen, nachdem ein Wasserschaden entdeckt worden war. Die Auslagerung des Kindergartens ging auf eine Anweisung des Landesjugendamtes zurück. Jetzt die Ratten.

Gela Mund möchte dennoch nicht von einer dramatischen Situation sprechen. „Alles okay“, sagt die Geschäftsführerin. Es hätten sich nur die Estricharbeiten verzögert. Trotz der Suche nach der Grundproblematik des Wasserschadens und die Schwierigkeit, die lecken Leitungen anzubinden, ist Gela Mund zuversichtlich, dass der Umzug zurück in den Kindergarten Ende März stattfinden kann. Dass Kinder und Erzieher wieder ihre Sachen packen werden, steht außer Frage.

Und das hat zwei Gründe: Zum einen ist das Gemeindehaus nur im Lockdown frei und wird ansonsten von vielen Gruppen gern genutzt. Zum anderen ist der geplante und erhoffte Neubau des Kindergartens noch in weiter Ferne. „Das ist eine Vision, eine Idee. Es gibt noch keine Beschlüsse, aber im Hintergrund wird geprüft, wie es realisierbar ist“, sagt Gela Mund, guter Dinge, dass der Weg zum Erfolg führen wird.

Um die Sorge zu nehmen: Es gibt kein vermehrtes Rattenproblem in der Gemeinde. „Wenn sich ein Bürger im Quartal meldet, ist das viel“, sagt Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz. Von der Kanalisation auf die privaten Grundstücke: das kommt vor. Dann wird die Gemeinde tätig.

„Im Komposthaufen finden sie es gemütlich“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat zu den Vorlieben der Ratten und rät, dass Essensreste dort nichts zu suchen haben. Auch Mülltonnen sollten stets geschlossen sein. Sie selbst hatte auf ihrem Grundstück noch nie ein Rattenproblem und ist mehr als erleichtert darüber: „Sonst wäre ich ausgewandert“, sagt Birgit Tupat schmunzelnd.

Eine Rattenverordnung, wie etwa in Hamburg, die die Bürger laut Focus online dazu verpflichtet, Ratten oder Zeichen eines Rattenbefalls unverzüglich zu melden, gibt es in der Doppelgemeinde nicht.

Etwa 870 Tonnen Giftköder werden pro Jahr in Deutschland gegen Ratten und Mäuse ausgelegt, in Nachrodt-Wiblingwerde werden jährlich etwa 100 Köder in die Kanalisation gebracht - erzählen die Schädlingsbekämpfer Robert und Marco Zydek. „Wir legen Köderboxen aus, kinder- und tiersichere mit einem abschließbaren Zwei-Kammer-System“, so Robert Zydek. Zunächst sind die Boxen nicht mit Gift beködert, so dass man zunächst selektieren kann, wo eine Annahme erfolgt.

Erst dann kommen die toxischen Köder zum Zug. Davon gibt es zwei unterschiedliche: solche, die die Blutgerinnung verhindern, und andere mit einer Überdosis Vitamin D3. Ratten, die das erst genannte Gift aufgenommen haben, sterben nach etwa drei Tagen. Der Tod des Artgenossen wird von der resten Rattensippe dann nicht mehr mit dem Köder in Verbindung gebracht. Die Überdosis an Vitamin D3 dagegen wirkt bereits am ersten Tag. Die Ratten werden fachgerecht entsorgt.

Dass Ratten gerade jetzt zum Beispiel im Kindergarten aufgetaucht sind, findet Robert Zydek nicht wirklich überraschend. „Auch diese Tiere können die Temperaturen fühlen, es ist ihnen kalt und es zieht sie ins Warme.“ Besonders angezogen werden Ratten von Essensresten und ganz besonders auch von den Dingen, die über die Toilette entsorgt werden. „Wenn Sie die Reste der Kartoffelsuppe in die Toilette schütten, dann bleiben unterwegs die Kartoffelstückchen hängen. Die Ratten spielen dann Hänsel und Gretel.“

Der „Monstergau“ ist es dann, wie es Robert Zydek formuliert, wenn man auf der Toilette sitzt und die Ratte von unten kommt. „Das kommt nicht oft vor. Aber es kommt vor“, weiß der Schädlingsbekämper.

Tatsächlich ist die Entsorgung über die Toilette ein erhebliches Problem - und zwar nicht nur wegen der Ratten, wie Marc Trappe vom Bauamt der Gemeinde berichtet. Alles, was sich thematisch um die Kanalisation dreht, landet auf seinem Schreibtisch. Aufgrund der interkommunalen Zusammenarbeit werden ausgebildete Schädlingsbekämpfer vom Märkischen Stadtbetrieb Iserlohn/Hemer bei Problemen eingeschaltet, die auch einen Blick fürs Bauwerk haben und einen Schachtbericht mitliefern.

„Die Leute glauben, dass die Ratten immer durch den Kanal kommen. Aber häufig ist es die Eigenumgebung“, sagt Marc Trappe. Und so hat er sich auch schon oft Probleme vor Ort persönlich angeguckt. „Selbst als ich da war, haben Kinder halb angegessene Melonen in die Büsche geschmissen. Da brauchen wir uns nicht wundern über die Ratten. Sie werden sich nicht in den Kanal zurückziehen, wenn sie im Garten ein Schlaraffenland vorfinden.“ Zudem stimmt er Robert Zydek bei dem Problem mit den Toiletten zu.

„Da gehört nur das rein, was da reingehört“, sagt Marc Trappe und appelliert an alle Bürger, die Toiletten nicht als Mülleimer zu nutzen. „Es geht nicht nur um Ratten. Wenn die Friteuse ausgekippt wird, haben wir einen hohen Fettanteil im Kanal.“ Ein großes Problem seien auch die Verstopfungen durch Binden und Feuchttücher. „Selbst gute Schneidewerke kapitulieren daran.“ Dass die Verursacher nur schwer auszumachen sind, versteht sich von selbst. Eigentlich so gut wie gar nicht. Allerdings gibt es einige Ecken in der Gemeinde, wo nur wenige Häuser am Kanal hängen.

Und so gab es schon mal für den einen oder anderen Post von der Verwaltung. Tatsächlich zahlt die Allgemeinheit für das Benehmen bzw. Nicht-Benehmen einiger - im Rahmen der Abwassergebühr. Übrigens: Bei den Menschen, die die Pumpe bei Verstopfungen zerlegen müssen, und sich dann an Rasierklingen schneiden oder Tampons entwickeln müssen, hält sich die Freude auch in Grenzen.

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