Ratsmitglieder nehmen deutlich Stellung zur Schließung des Friedhofes

„Die Kirche schafft sich ab“

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Michael Schlieck (CDU, 2.v.r) machte seinem Unmut ebenso Luft wie Mitstreiter aller Parteien.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Sterben kann gar nicht so schwer sein – bisher hat es noch jeder geschafft“, hat der Schriftsteller Norman Mailer einmal gesagt. Doch wenn man sich mit dem Tod beschäftigt, überschlagen sich die Emotionen. Niemand macht sich davon frei. Auch nicht die Mitglieder des Rates, die auf Antrag der SPD-Fraktion die Schließung des Friedhofes an der Wiblingwerder Straße auf die Tagesordnung nahmen.

Um es vorweg zu nehmen: Den Politikern stehen beim Vorgehen der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt die Haare zu Berge. „Mir stockt der Atem“, so Susanne Jakoby.

„Es ist ein sehr sensibles Thema. Wir sollten uns als Kommunalpolitiker und als Gemeinde einschalten. Wir halten es für sehr bedenklich, wenn eine evangelische Kirchengemeinde sagt, dass es für sie nur ein Geschäft ist“, so die SPD-Fraktionsvorsitzende. Vielleicht gebe es ja Kompromisslösungen. 

"Eine Frechheit"

Tatsächlich „hängt“ man ein Jahr hinterher. Denn der Presbyteriums-Beschluss zur Schließung fiel bereits im Juni 2016 – mehr als ein Jahr vor der öffentlichen Bekanntgabe. 

Bürgermeisterin Birgit Tupat hat am 20. Juni diesen Jahres von der Friedhofs-Aufgabe erfahren und hat dann, so betont sie, darauf bestanden, dass der Rat am 10. Juli informiert wird. „Davon war man nicht begeistert“, so die Bürgermeisterin. 

„Das ist eine Frechheit, uns so spät zu informieren“, findet Susanne Jakoby. Die Politik, so sagt Lars Wygoda, könne nicht alles regeln. „Es ist eine Geschichte, in der die Gemeindemitglieder aufmucken sollten. Mit solchen Aktionen schafft sich die Kirche vor Ort ab. Für diese Art und Weise habe ich kein Verständnis“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende. „Was unterscheidet die Bewirtschaftung des Nachrodter von der des Wiblingwerder Friedhofes?“, fragt Matthias Lohmann (SPD) und meint: „Es ist emotional so brisant, dass ich mich frage, wie jemand überhaupt auf so eine Idee kommt?“ 

"Ich bin entsetzt von der Kirchengemeinde in Nachrodt“

Michael Schlieck (CDU) macht seinem Unmut noch deutlicher Luft: „Ich finde es ganz persönlich schlimm, wie mit den Gefühlen der Menschen umgegangen worden ist. Im vorigen Jahr wurden noch Gräber verkauft, obwohl man schon von der Schließung wusste. Wenn ich mit meinen Zahlen nicht klar komme, dann suche ich doch nach Alternativen. Man kann mit anderen zusammenarbeiten, aber da sind nicht einmal Gespräche geführt worden. Warum hole ich mir keine Informationen? Im Rahmen der Ökumene wäre eine Zusammenarbeit kein Problem. Die Kirche muss sich nicht wundern, dass sie von vielen Leuten verlassen wird. Ich bin entsetzt von der Kirchengemeinde in Nachrodt.“ 

Druck machen, mit den Verantwortlichen sprechen: Das wollen die Kommunalpolitiker unbedingt. „Das trifft uns als Kommune in dem Moment, wenn der Friedhof zurückgefahren wird. Dann verändert sich das Gemeindebild. Es hat ein Stück mit Kultur zu tun“, so Susanne Jakoby, und ist der Meinung, dass die Menschen, die jetzt so betroffen sind, von den Ratsmitgliedern gestärkt werden müssen. 

Dem stimmen alle Ratsmitglieder zu – und gehen noch weiter: „Es steht und fällt mit den handelnden Personen. Den Pastor muss man stark kritisieren“, findet Lars Wygoda. 

Fehler der Vergangenheit

Sonja Hammerschmidt (UWG) fragt sich, ob man nicht schon vor längerer Zeit innerlich den Friedhof aufgegeben hat. Aber man könne ihn nicht verwahrlosen lassen. „Die Fehler, die sie jetzt begehen, haben sie schon mal gemacht“, sagt Klaus-Dieter Jacobsen (CDU), der auch Ansprechpartner für den katholischen Friedhof in Einsal ist. „Jeder weiß, dass man sich an mich wenden kann. Aber ich renne nicht hinterher.“ Eine Kirchengemeinde könne sich nicht von allem verabschieden. 

„Mir ist heute von mehreren gesagt worden, dass sie nach Letmathe oder Altena gehen wollen und ihre Kirchensteuern dieser Kirchengemeinde in Nachrodt nicht mehr zukommen lassen wollen“, erzählt Michael Schlieck. Er ist überzeugt, dass Gespräche nicht weit führen werden. „Ich denke, dass wir mit der Superintendentin das Gespräch suchen sollten“, hofft Bürgermeisterin Birgit Tupat auf eine Möglichkeit, sich positiv einzuschalten.

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