Bürgerversammlung zu Rastatt-Sanierung geplant

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Die Mitglieder des Rates tagten am Montag bei Winkhaus.

Nachrodt-Wiblingwerde - Kummer-Objekte allerorts. Eines der größten: die Rastatt. Nach ersten Schätzungen liegen die Sanierungskosten bei 750.000 Euro. Ist dies das Aus für die Traditionsgaststätte? Dass das Thema jetzt auch hohe Wellen im Rat schlug, versteht sich von selbst.

Die UWG beantragte eine Versammlung in der Lennehalle, um die Bürger und Vereine mit ins Boot zu holen. Damit waren zunächst nicht alle einverstanden.

Kann man mit Chemikalien dem Schimmel auf den Pelz rücken? Ihn abschleifen? Oder müsste man wirklich das ganze Dach abnehmen? Peter Herbel (CDU) wollte nicht gleich alles abnicken, was Ingenieur Holger Selve an Hiobsbotschaften bereits im Planungs- und Bauausschuss verkündet hatte.

Herbel, der auch „Verantwortlichkeiten klar benennen“ wollte und prophezeite, dass ähnliche Probleme in weiteren Häusern (Hagener 150, 96 und alte Schule Obstfuhr) folgen werden, sieht deutliches Versagen: „In den letzten 40 Jahren ist nichts gemacht worden. Das ist nicht alles von heute auf morgen heruntergekommen“, erklärte der Christdemokrat mit Blick auf das Bauamt der Gemeinde. Was allerdings nichts daran ändert, dass das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Schimmel und baulicher Zustand machen Probleme

„Eine chemische Behandlung würde zum Beispiel mit Wasserstoffperoxid gemacht. Man muss aber erst einmal rankommen“, so Holger Selve. Und das gehe in vielen Bereichen nicht. Der einzige Weg sei von außen. Und die Dacheindeckung habe längst ihr Alter erreicht. Nur: Wenn man das Dach macht, muss man auch energetisch sanieren. Was folgte, war ein Szenario bis zu den Grundmauern.

Die Kosten für eine Sanierung werden auf 750.000 Euro geschätzt.

„Ob das alles erforderlich ist? Es gibt Fachfirmen, die Geräte haben, um den Schimmel in jeder Ecke zu bekämpfen“, so Peter Hebel. „Das eine Problem ist der Schimmel, das andere der bauliche Zustand der Rastatt“, so Holger Selve. „Es wird Ihnen niemand die Dachpfannen jünger schreiben und die Konstruktion ist sanierungsbedürftig.“

Die Fraktionssprecherin der UWG sprach aus, was alle dachten: „Bei den Kosten, die im Raum stehen, wird mir ganz anders“, so Petra Triches und schlug eine Bürgerversammlung in der Lennehalle vor. „Um den Bürger das verständlich zu machen, sollte man darüber reden. Das haben wir beim Hallenbad auch gemacht“, gab es Unterstützung von Sonja Hammerschmidt (UWG). „Dann fällt es uns vielleicht auch leichter, eine Entscheidung zu treffen, die von der Bevölkerung akzeptiert wird.“ Zustimmung gab es dafür auch von der SPD-Fraktionsvorsitzenden Susanne Jakoby.

Verantwortung nicht abgeben

„Ich finde es gut, die Öffentlichkeit für eine Meinungsfindung mit einzubeziehen, weil wir alle am Anfang der Problematik stehen und ich auch noch hin- und hergerissen bin.“ Ulrich Gülicher (CDU) räumte ein: „Wir sind gewählt worden, auch dafür, wenn es mal nicht so angenehm ist.“ Verantwortung sollte man nicht abgeben. „Wir müssen auch Farbe bekennen.“ Schließlich schloss er sich der Argumentation der „direkten Demokratie“ allerdings an, forderte aber konkrete Fakten, die man dann dem Bürger anbieten könnte.

Einer, bei dem bei 750000 Euro plus x längst Schluss ist, ist Christian Pohlmann (SPD). „Das sind Steuergelder, die wir in die Rastatt reinbuttern würden, die wir nie wieder rausbekommen. Man muss auch mal überlegen, was man für dieses Geld anderes auf die Beine stellen könnte. Bei solch einer Summe kann ich nicht mehr mitgehen.“

Nächster Schritt: Es soll geprüft werden, ob es eine andere Möglichkeit gibt, den Schimmel zu bekämpfen. Doch dann gilt dennoch das, was Matthias Lohmann (SPD) anmerkte: „Selbst wenn wir es schaffen, den Schimmel zu bekämpfen, sind die flankierenden Maßnahmen riesig, damit wir in fünf Jahren nicht wieder diesen Zustand haben.“

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