Rastatt-Verkauf kommt für Politiker nicht infrage

In der Einwohnerversammlung, die der 2. stellvertretende Bürgermeister Gerd Schröder (l.) leitete, informierte Jürgen Röll (r.) darüber, wie die interkommunale Zusammenarbeit mit Altena vorbereitet worden ist. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Kritik, die die Gewerkschaft Komba an der geplanten interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Nachrodt-Wiblingwerde und Altena geübt hatte, war auch Thema in der Einwohnerversammlung am Dienstagabend in der Lennehalle. Dabei kam die Interessenvertretung der Beschäftigten im Kommunal- und Landesdienst nicht gut weg.

Der Gemeinderat sei nicht bereit, bei sich selbst zu sparen, hatte die Gewerkschaft in einer Erklärung in der vergangenen Woche behauptet (wir berichteten). Komba hatte die Verkleinerung des Rates von 26 auf 20 Mitglieder gefordert. Was sie dabei übersehen hatte: Nachrodt-Wiblingwerdes Gemeindevertretung zählt schon jetzt nur 23 Mitglieder – inklusive Bürgermeisterin Beatrix Naujoks.

Was die Fraktionsvorsitzenden, insbesondere Peter Herbel (CDU), jedoch viel mehr aufregte, war die Komba-Forderung, die Gaststätte Zur Rastatt aufzugeben. Die Gemeinde hatte das Lokal in den 1970er Jahren gekauft und anschließend mehrfach verpachtet. „Die Aufgabe der Rastatt wäre ein Schlag gegen die Infrastruktur im unteren Gemeindebezirk“, erinnerte Herbel daran, dass sich ansonsten nur noch eine Pizzeria in diesem Bereich befindet. So lange sie sich im Besitz der Gemeinde befinde, könne die Bewirtschaftung gewährleistet werden, stünden für Vereins- und Familienfeiern und Versammlungen die entsprechend großen Räumlichkeiten zur Verfügung. Zudem sei es schwer, für das Lokal überhaupt einen Käufer zu finden. „Eventuell können wir dafür 250 000 Euro bekommen“, schätzte Herbel. Geld, dass in dem derzeit fast drei Millionen Euro großen Haushaltsloch schnell versickert sei. „Und dann ist das Vermögen weg“, so der CDU-Fraktionschef.

Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby bezeichnete einen Rastatt-Verkauf als „derzeit nicht sinnvoll“. Dafür sei die Lage auf dem Immobilienmarkt einfach zu ungünstig. Sie erinnerte auch daran, dass die Gaststätte für die Gemeinde nicht unbedingt ein Zuschussbetrieb sei. „Es gibt zwar hin und wieder Renovierungsbedarf, aber die Rastatt wirft ja auch Pacht ab“, sagte Jakoby.

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Nachrodt-Wiblingwerde bangt um Eigenständigkeit

Politiker wie auch die Gemeindeverwaltung sahen sich am Dienstagabend aber auch mit dem Vorwurf konfrontiert, sich bei der Vorbereitung der interkommunalen Zusammenarbeit keine externe Hilfe geholt zu haben. Das hatte nicht nur SPD-Fraktionschefin Susanne Jakoby moniert, auch einige Einwohner fragten danach. Tatsächlich hatten die beiden Nachbarkommunen zunächst vorgehabt, ihre Kooperation als Modellprojekt darzustellen. „Dadurch haben wir Zuschüsse des Landes gehofft, mit denen wir die nicht ganz billige externe Beratung hätten finanzieren wollen“, schilderte Jürgen Röll von der Gemeindeverwaltung die ursprüngliche Idee. Die Finanzhilfe aus Düsseldorf sei aber ausgeblieben. Röll: „Dann haben wir es eben so gut gemacht, wie wir es konnten.“ Immerhin hatten der Märkische Kreis und die Bezirksregierung noch personelle Unterstützung geleistet. Und auch aus anderen Kommunen, die bereits miteinander kooperieren, haben sich Nachrodt-Wiblingwerde und Altena wohl Anregungen geholt. Dazu Jürgen Röll: „Natürlich haben wir uns da Unterlagen besorgt, aber die individuellen Gegebenheiten spielen ja auch immer eine große Rolle.“

Auf der Internetseite der GemeindeNachrodt-Wiblingwerde können Einwohner der Doppelgemeinde noch bis zum 31. Januar Vorschläge machen, wie die interkommunale Zusammenarbeit ausgestaltet werden könnte. Mit den Anregungen und Bedenken wird sich der Rat in seiner nächsten Sitzung am Montag, 13. Februar, befassen. ▪ vg

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