Rastatt: Auch zweites Gutachten verheißt nichts Gutes / Keine Schnellschüsse

Umfrage oder Versammlung?

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Das Traditionsgebäude ist sanierungsbedürftig.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es war nur ein klein wenig mehr als eine Randbemerkung. Unter „Bekanntgaben/Anfragen“ gab Bürgermeisterin Birgit Tupat die neuesten Erkenntnisse zum Sanierungsbedarf der Rastatt bekannt. Monatelang hatte man auf das zweite Gutachten gewartet. Jetzt ist es da – und verheißt nichts Gutes.

„Herr Trompetter kommt im Endeffekt zu dem gleichen Ergebnis wie Herr Selve“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat. Allerdings, so erklärt sie, ist der zweite Gutachter der Ansicht, dass das Dach noch zehn Jahre halten könnte. „Jetzt müssen wir gucken, wie man weiter vorgeht“, so die Bürgermeisterin während der Sitzung des Rates. 

Die Option: Man könnte die wichtigsten Sanierungsmaßnahmen für etwa 400.000 Euro angehen und das Dach schieben. Grundsätzlich, so sind sich die Gutachter wohl einig, ist das Vorhaben aus technischer Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wirtschaftlich. Und nun? 

Interfraktionelles Gespräch geplant

Wie das AK erfuhr, soll es zunächst ein interfraktionelles Gespräch geben, bevor das Thema wieder auf die Tagesordnung kommt. Dass sich eine Investorengruppe gemeldet hat, die ihr Interesse an einem kompletten Neubau verkündete, ist mittlerweile in der Doppelgemeinde bekannt. 

Wenn die Rastatt abgerissen werde, könne man sich dort einen Komplex mit Gastronomie und Saal vorstellen. „Aber dazu hat es keine weiteren Gespräche gegeben“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat und möchte jetzt ohnehin erst einmal die Meinung der Politik und Bürger abwarten. 

Denn auch die Nachrodt-Wiblingwerder sollen sich unbedingt zur Rastatt äußern. Die UWG hatte eine Bürgerversammlung zum Thema vorgeschlagen. Bürgermeisterin Birgit Tupat könnte sich auch eine Umfrage an alle Haushalte vorstellen. 

Wie wichtig ist die Rastatt für Nachrodt-Wiblingwerde? Sollen fast eine Million Euro investiert werden? „Das ist auch eine sehr emotionale Diskussion“, ist sich die Bürgermeisterin sicher. Und meint auch: „Ich glaube nicht, dass wir die Rastatt im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzeptes einbinden können.“ 

Ortsprägender Charakter

Schließlich sei es eine Privatinvestition der Gemeinde. Ob man das Thema objektiv und nüchtern betrachten kann, wenn doch die Rastatt einen ortsprägenden Charakter hat und einfach zu Nachrodt-Wiblingwerde gehört? 

„Wir möchten gerne wissen, was die Bürger denken“, sagt Petra Triches, Sprecherin der UWG. Ob mit einer Bürgerversammlung oder im Rahmen einer Bürgerbefragung spiele dabei kaum eine Rolle. „Es geht um so viel Geld, das die Gemeinde definitiv nicht hat. Aber in Nachrodt gibt es sonst nichts mehr, wo sich die Bürger treffen können. Und so müssen jetzt alle mit ins Boot, um eine Entscheidung treffen zu können.“ 

Von Bürgerumfragen hält Klaus-Dieter Jacobsen, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes, nicht wirklich viel: „Hoher Aufwand, hohe Kosten, wenig Resonanz“, weiß er aus Erfahrung. Und meint: „Wenn wir handfeste Informationen und Lösungsvorschläge haben, und wissen, was machbar ist, wäre eine Bürgerversammlung der richtige Weg.“ 

SPD: Keine Schnellschüsse

Klaus-Dieter Jacobsen glaubt nicht, dass die Rastatt morgen zusammenbricht, und möchte deshalb nichts überstürzen. Ähnlich sieht es Susanne Jakoby. Die SPD-Fraktionsvorsitzende hält nichts von Schnellschüssen. „Ich finde es gut, wenn wir die Meinung der Bürger hören und wir müssen uns gut überlegen, in welcher Form wir das tun können. Alle Fakten müssen auf den Tisch, damit man gemeinsam überlegen kann, welche Lösung die beste ist.“ 

Emotionalität habe dabei nicht so viel zu suchen, es müsse auf einer sachlichen Ebene passieren. „Es gibt in jeder Richtung Extreme und deshalb ist es wichtig, dass wir ein Gefühl dafür bekommen, was richtig für Nachrodt-Wiblingwerde und für die Bürger ist“, so Susanne Jakoby.

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