Rasanter Streifzug durch die alternde Gesellschaft

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In einem gut gefüllten Saal der Rastatt ging am Donnerstagabend das mittlerweile neunte Frauenkabarett der Nachrodt-Wiblingwerder SPD über die Bühne. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Einen kabarettistischen Streifzug durch die alternde Gesellschaft erlebten etwa 150 Besucher am Donnerstagabend in der Rastatt. Zum neunten Mal hatten die Nachrodt-Wiblingwerder SPD-Frauen anlässlich des Weltfrauentages zum Frauenkabarett eingeladen. Auf der Bühne diesmal: die Kölnerin Edith Börner mit ihrem Programm „Lizenz zum Zicken“.

Mit verblüffender Leichtigkeit schlüpfte Edith Börner in verschiedenste Rollen und garnierte sie mit einer an Variationen reichen Mimik. Die Zuschauerinnen – Männer waren deutlich in der Minderheit – erlebten sie unter anderem als Radfahrerin, als Kandidatin einer Senioren-Castingshow und als gestresste Mutter mit Tele-Arbeitsplatz. Die schauspielerisch talentierte Kabarettistin wechselte dabei rasant die Themen, manchmal so rasant, dass man Mühe hatte, den roten Faden in ihrem Programm nicht zu verlieren. Hatte sie gerade noch über die Schattenseiten des Alterns und die Risiken von Schönheitsoperationen („Die Zellen erinnern sich!“) sinniert, wurde sie schon mit Bemerkungen über die angeblich die Mutterschaft verweigernden Akademikerinnen und greisen Vätern gesellschaftskritisch. Sie erzählte atemlos von einer einem Überlebenstraining ähnelnden morgendlichen S-Bahn-Fahrt durch Dortmund, um kurz darauf die Kür zu präsentieren, mit der sie 1972 Siegerin bei der rhythmischen Sportgymnastik für Sekretärinnen geworden war. Einmal pries als Alternative zur schlechten Behandlung von Kassenpatienten einen Besuch beim Tierarzt („Da bekommt man schneller einen Termin, und freundlicher behandelt wird man auch!“), dann berichtete sie mit schwerer Zunge vom Rommee-Abend mit ihren Freundinnen, der unter dem deutlichen Einfluss von Alkohol Stoff für so manche Anekdote lieferte. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machte sie in der Rolle einer zwischen häuslichen und professionellen Pflichten um Anerkennung kämpfenden Mutter zum Thema, um gleich darauf im „Fitnessstudio Egomane“ singend als um Spannung für den erschlafften Körper kämpfende Seniorin aufzutreten – vollelektronische Busenkorrektur und computergesteuerte Po-Straffung inklusive.

Edith Börner präsentierte ihr Programm mit einer variantenreichen Mimik.

Zwei Themen tauchten immer wieder auf in diesem zwischen Comedy und Kabarett wechselnden Rundumschlag: der demografische Wandel, der alle trifft und von allen Fitness bis ins hohe Alter verlangt, und das vielfach problembehaftete Verhältnis zwischen Mann und Frau, wobei die Männer freilich nicht besonders gut wegkamen („Warum gibt es eigentlich kein drittes Geschlecht?“).

Trotz kleiner Schwächen – einen Teil des Programm musste Edith Börner vom Blatt ablesen – bereitete die „Lizenz zum Zicken“ dem Publikum in der Rastatt zwei Stunden lang viel Freude, ehe zum Abschluss alle mit einer vom SPD-Ortsverein überreichten roten Rose den Heimweg antreten. Und die SPD-Vorsitzende Susanne Jacoby weckte bereits Vorfreude auf das Frauenkabarett im nächsten Jahr. „Zum Zehnjährigen lassen wir uns etwas Schönes einfallen“, versicherte sie. ▪ Volker Griese

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