Rätselraten um das Umfeld des Nachrodter Bahnhofs

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NACHRODT-WIBLINGWERDE - Das Ziel, das 16 Bahnfreunde jeden Donnerstagabend verfolgen, ist ehrgeizig: Sie wollen den Abschnitt Nachrodt-Letmathe der Ruhr-Sieg-Strecke im Maßstab 1:87 möglichst originalgetreu nachbauen.

Die Idee kam den Männern, die aus Iserlohn, Letmathe, Hemer, aus dem Raum Hagen, dem Ruhrgebiet und sogar aus den Niederlanden kommen, vor rund zwei Jahren: Das Modell sollte den Streckenabschnitt möglichst genau so darstellen, wie er in der Zeit zwischen 1965 und 1980 ausgesehen hat. Um das realisieren zu können, mussten sie jedoch zuerst einmal einen geeigneten Raum finden, in dem sie eine solche Anlage überhaupt aufbauen konnten. Denn für jegliche in Einfamilienhäusern übliche Räume ist sie mit einer Länge von 13 Metern einfach zu groß. Ein alter Bahnhof direkt an der Strecke erschien den Bahnfreunden geeignet, doch wurden sie mit der Bahn nicht über eine Nutzung einig. Schließlich landeten sie in einem ehemaligen Firmenlager in Deilinghofen. Dort kommen sie ihrem Ziel seit Ende vergangenen Jahres jede Woche ein Stückchen näher.

Guido Röding fügt die Teile des Nachrodter Tunnels zusammen.

Nach sechs Monaten nimmt das Modell allmählich Konturen an. Der alte Nachrodter Bahnhof zum Beispiel steht schon an seinem Platz. Bahnfreund Werner Hack hat das Gebäude aus dem Jahr 1900 detailgetreu nachgebaut. Dabei konnte er sich im wesentlichen am heutigen Erscheinungsbild des Gebäudes orientieren, denn obwohl es schon seit Jahrzehnten nicht mehr als Bahnhof genutzt wird, ist es doch in seiner äußeren Erscheinung fast unverändert geblieben. Welche Nebengebäude sich allerdings in früheren Zeiten dort noch befunden haben, darüber können die Bahnfreunde derzeit nur rätseln. „Wir wissen zum Beispiel nicht, ob dort noch Lokschuppen gestanden haben“, erklärt Stefan Backes. Aus einem Plan aus dem Jahr 1958 wissen sie immerhin, dass es in der Nähe des Bahnhofes noch ein Befehlssstellwerk gegeben haben muss. Wie das ausgesehen hat, ist ihnen dagegen nicht bekannt.

Die Modelleisenbahner hoffen deshalb, dass sie entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung, vielleicht sogar aus den 60er oder 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts erhalten können. Auch für Fotos aus dem weiteren Umfeld des Bahnhofes und überhaupt des ganzen Streckenabschnittes wären sie dankbar. So suchen sie zum Beispiel auch noch alte Fotos vom ehemaligen Bakelite-Werk in Letmathe und von dem Bereich, in dem heute das Entsorgungsunternehmen Lobbe angesiedelt ist.

Am anderen Ende der Bahnlandschaft entsteht gerade der Nachrodter Tunnel. Die Bastler haben mehrere Elemente des Bauwerks in Silikonformen mit Dentalgips gegossen. „Der ist feiner und gibt deshalb die Details viel besser wieder“, erklärt Guido Röding diese Wahl. Tatsächlich ist jede einzelne Fuge zwischen den nur wenige Millimeter großen Bruchsteinen deutlich zu sehen.

So fügt sich in dem Modell, in dem einmal 4,20 Meter lange Miniaturzüge fahren sollen, nach und nach ein Teil zum anderen. Und doch ist noch viel zu tun. Fabrikgebäude müssen nachgebaut und Landschaften modelliert werden. Und natürlich muss auch die gesamte Technik installiert werden. Denn die gesamte Anlage soll später einmal digital gesteuert werden. Ein Computer soll dann darüber wachen, dass die kleinen Züge auch nur wirklich freie Strecken befahren und nicht miteinander kollidieren - eben fast so, wie bei der richtigen Bahn. Von all den dafür notwendigen Drähten und Steckverbindungen wird der Betrachter der fertigen Anlage aber nichts sehen, denn sie werden unsichtbar angebracht. Und auch der „Schattenbahnhof“ wird hinter den Kulissen installiert. Diese Gruppe von Abstellgleisen, auf denen bis zu 30 Züge Platz finden sollen, ist notwendig, um den Fahrbetrieb durch temporäres Abstellen und Austauschen von Zügen abwechslungsreicher zu gestalten.

Bis zur Intermodellbau-Messe im nächsten Jahr in Dortmund möchten die Bahnfreunde ihre Anlage, die sie zum besseren Transport in zehn Module unterteilen können, im Rohbau fertig haben. Wie lange es noch dauern wird, bis sie komplett fertig ist, können sie derzeit schlecht abschätzen. „Irgendwann im nächsten Jahr, vielleicht auch erst 2015“, schätzt Stefan Backes, dessen Aufgabenbereich die computergestützte Steuerung der gesamten Anlage ist. - Volker Griese

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