Quatschsätze fördern Sprachdefizite zu Tage

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Spielerischer Test: Silke Schulte (l.) erklärte den Müttern, wie die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder untersucht wird. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Gute Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zu schulischem Erfolg. Seit einigen Jahren setzt sich diese Erkenntnis auch in den Kindertageseinrichtungen durch, weshalb dort schon Vierjährige daraufhin geprüft werden. Wie das vonstatten geht, konnten die Mütter des Internationalen Frauencafés im Evangelischen Familienzentrum Fibs am Montag hautnah erfahren.

Fibs-Erzieherin Silke Schulte, die sich wie ihre Kollegin Martina König-Lange auf die Sprachförderung spezialisiert hat, demonstrierte den Müttern – übrigens alle mit Migrationshintergrund –, wie sie auch bei Kindern auf spielerische Weise auf die Suche nach sprachlichen Defiziten geht. So spielte sie mit ihnen das Spiel „Besuch im Zoo“, in dem verschiedene Aufgaben zu bewältigen sind. Die sind so gestaltet, dass sich relativ schnell zeigt, ob ein Kind noch Bedarf an Sprachförderung hat, oder ob seine sprachlichen Fähigkeiten altersgerecht ausgeprägt sind. Eine Frage der nationalen Zugehörigkeit oder Herkunft ist das übrigens nicht unbedingt, wie Silke Schulte betont: „Sprachförderung benötigen nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund, auch deutsche Kinder sind darunter.“

Der „Besuch im Zoo“ ist gewissermaßen die Nagelprobe. Da zeigt sich dann, ob Kinder überhaupt in der Lage sind, Handlungsanweisungen zu verstehen und auszuführen. Auch müssen sie die auf dem Spielbrett abgebildeten Szenen in ganzen Sätzen beschreiben können. Doch es gibt auch kompliziertere Aufgaben. So müssen die Kinder auch Kunstwörter („Kebutt“, „Mifopa“) nachsprechen können. Damit soll herausgefunden, wie stark ihr phonetisches Arbeitsgedächtnis ausgebildet ist. Für das richtige Repetieren gibt es Punkte, macht das Kind Fehler, gibt es Punktabzug. Genauso verhält es sich bei den Quatschsätzen. Eigentlich sinnlose Aussagen wie „Heute trinkt das schlaue Telefon einen Tisch“ müssen die Kleinen möglichst fehlerfrei nachsprechen. Das soll zeigen, wo das Kind in seiner Sprachentwicklung steht.

Kinder, die in diesem Test nicht die erforderliche Punktzahl erreichen, erhalten im Fibs Sprachförderung. „Täglich 30 bis 40 Minuten“, dauert diese „Nachhilfe“, erläuterte Silke Schulte. Im Frauencafé zeigte sich am Montag, dass auch etliche Mütter mit Migrationshintergrund ihre Probleme mit der deutschen Sprache haben. Deshalb könnte das Fibs demnächst auch ihnen Sprachförderung anbieten. Ein entsprechendes Programm wird derzeit entwickelt. ▪ vg

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