Quarantäne: „Heute ist das Arbeitszimmer dran“

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Christina Westerwell trägt die Quarantäne mit Humor und Fassung.

Nachrodt-Wiblingwerde – Man kann den Kleiderschrank aufräumen oder telefonieren. Man kann in aller Ruhe Fernsehen gucken. Und dann? Wie ist es wirklich in Quarantäne? Christina Westerwell weiß es jetzt. Sie trägt es mit Humor. Obwohl: Nicht raus zu dürfen ist etwas anderes als nicht raus zu wollen. 

Nachdem ein Kind aus der St. Elisabeth-Kita in Nachrodt positiv auf Corona getestet wurde, sitzen neben allen 30 Mädchen und Jungen auch die Erzieherinnen in häuslicher Quarantäne. Die Einrichtung wurde geschlossen. Die gute Nachricht: Allen geht es gut. Auch Erzieherin Christina Westerwell. „Heute ist das Arbeitszimmer dran“, erzählt sie lachend am Telefon von der nächsten Aufräumaktion. 

"Ich musste mich erst einmal sammeln"

Als Christina Westerwell am vergangenen Samstag Nachricht von der verordneten Quarantäne bekam, „musste ich mich erst einmal sammeln. Mist, was mache ich denn jetzt? Aber der Einkauf war schon erledigt, das Wochenende also gerettet. Und dann habe ich mich doch recht schnell damit abgefunden“, sagt die 54-Jährige. Ab März hatte sie schon zehn Wochen Homeoffice hinter sich gebracht. Jetzt also die Quarantäne. „Am schlimmsten war für mich, dass ich Bernd bei seiner Zugveranstaltung hab hängen lassen müssen. Das war wirklich doof“. Bernd Fischer ist Zugführer vom fünften Zug der Kompanie Kelleramt, der – wie das AK berichtete – am Samstag erstmals nach langer Pause wieder zusammen traf.

Vorsichtshalber Fieber messen

 Fieber messen: Vorsichtshalber macht das Christina Westerwell morgens und abends, auch, wenn das niemand gesagt hat, dass sie das tun muss. Sie sorgt sich eigentlich mehr um ihre Mama als um sich selbst selbst. Inge Westerwell wohnt mit im Haus. Jetzt telefonieren Tochter und Mutter von oben nach unten statt sich persönlich zu sehen. Eine ganz neue Erfahrung, aber die Vorsicht siegt. 

„Es gibt ja auch positive Fälle, die keine Symptome haben. Und ich habe Angst, Mama eventuell anzustecken. Sie ist 89 Jahre alt“, erzählt die Vorsitzende der Nachrodter KFD, die sich über die vielen Nachrichten von Freunden und Bekannten freut. „Ich habe viele gute Menschen um mich herum. Viele fragen, was sie mir denn Gutes tun könnten.“ Den Einkauf erledigt „Mama, so gut sie kann, aber auch meine Schwägerin Annette Heumann.“ Es ist also für alles gesorgt.

204 Nachrichten

 Und sonst? Christina Westerwell hat das Puzzeln für sich entdeckt. Allerdings nicht erst seit der Quarantäne. Und es sind auch keine normalen Puzzle, sondern sogenannte Wasgij-Puzzle, bei denen man nicht das Bild auf der Verpackung puzzelt, sondern nur Hinweise bekommt. „Wir haben zum Beispiel eine Hochzeitsgesellschaft vor der Kirche. Der Bräutigam guckt blöd nach vorne über den Fotografen hinweg und die Braut kippt in Ohnmacht. Man muss das puzzeln, was die beiden wohl gesehen haben könnten“, erzählt die sympathische Nachrodterin von ihrem neuen Hobby. Dass sie mit ihren Kolleginnen im ständigen Austausch steht, versteht sich von selbst. „Wir haben eine Kollegen-Whatsapp-Gruppe. Heute morgen waren wir schon bei 204 Nachrichten“, lacht Christina Westerwell. Am Freitag findet die Corona-Testung für alle Beteiligten statt, am Wochenende könnten die Ergebnisse bereits vorliegen.

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