Albert-Schweitzer-Hauptschüler absolvieren Praktikum

Mit Andrej Mezler, Geselle bei der Tischlerei Kruse, repariert Praktikant Eduard Kronich (l.) in der Lennehalle die Zuschauertribüne. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Während eines dreiwöchigen Praktikums tauchen die Mädchen und Jungen des 10. Schuljahres der Albert-Schweitzer-Hauptschule derzeit in die Arbeitswelt ein. Es ist bereits die zweite Exkursion dieser Art für die Schüler, die sich bald entscheiden müssen, wie ihr Lebensweg weitergeht.

24 Unternehmen und Einrichtungen aus Nachrodt.Wiblingwerde, aber auch aus Altena, Iserlohn, Lüdenscheid und Hohenlimburg haben sich bereit erklärt, einem oder sogar mehreren Hauptschülern Einblicke in die Berufswelt zu gewähren. Die Tatsache, dass das zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren möglich ist, nutzen einige Jugendliche, um die bereits gemachten Erfahrungen zu vertiefen, andere erkunden noch einmal ein völlig anderes Berufsfeld. Für Lehrerin Kirsten Schmits-Peter, die die Praktikanten betreut, ist das jedoch völlig in Ordnung. „Manche wissen eben schon ziemlich genau, wohin ihr Weg führen soll, andere sind noch unsicher“, schildert sie die Situation der Zehntklässler und bringt auch noch eine andere Überlegung ins Spiel. Schülern, die sich nicht für einen von mehreren Berufen entscheiden könnten, die sie in Praktika kennen gelernt haben, böten sich bei der Berufswahl eben auch mehrere Möglichkeiten. „Sie haben dann Alternativen, wenn es mit dem Traumberuf nicht auf Anhieb klappt. Wer weiß schon, was der Lebensweg noch bringt, gibt Schmits-Peter zu bedenken, dass die Qual der Wahl auch von Vorteil sein kann.

Einer, dem die Entscheidung noch schwer fällt, ist Eduard Kronich aus der Klasse 10A. Der 15-Jährige hat sein erstes Praktikum im Feindrahtwerk Sassenscheidt, jetzt lernt er den Arbeitsalltag in der Tischlerei Kruse kennen. Hier hat er unter anderem Schleifarbeiten erledigt, aber auch am Bau eines Vordaches helfen können. Gut gefällt ihm die Abwechslung, die der Beruf in diesem Betrieb durch wechselnde Arbeitsorte mit sich bringt. Und doch fällt ihm die Entscheidung für den einen oder den anderen Ausbildungsberuf schwer. „Mein Ziel ist aber auf jeden Fall, nach der Schule eine Berufsausbildung zu beginnen“, sagt Eduard Kronich. So schlecht stehen die Chancen darauf nach Ansicht von Kirsten Schmits-Peter übrigens nicht. „Der größte Teil unserer Schüler nutzt das Praktikum als Chance, einen Ausbildungsplatz zu ergattern“, weiß sie nach den Rückmeldungen aus den Betrieben.

Nino Emmanuele hat allerdings zunächst andere Pläne. Zwar gefällt ihm die Tätigkeit in seinem aktuellen Praktikum beim Schädlingsbekämpfer Robert Zydek ausgesprochen gut, obwohl er bekennt, anfangs schon Ekelgefühle habe überwinden müssen, als er geholfen habe, eine Wohnung nach einem Leichenfund zu reinigen oder Ratten zu beseitigen. Doch bei aller Freude, die er im Laufe der jetzt knapp drei Wochen an dieser Arbeit gefunden hat, möchte er doch zuerst noch den Realschulabschluss schaffen. Denn natürlich weiß der 16-Jährige, dass er dann immer noch „auf Ratten- und Marderjagd“ gehen kann. Für Schädlingsbekämpfer Robert Zydek wäre es ein Novum, einen Auszubildenden einzustellen. „Wir haben nur Quereinsteiger“, sagt er und verweist darauf, dass es den Ausbildungsberuf des IHK-geprüften Schädlingsbekämpfers auch erst seit vier Jahren gibt.

Eine weitergehende schulische Ausbildung strebt auch der 16-jährige Aykut Aggül an, obwohl er schon ziemlich genau weiß, in welchem beruflichen Umfeld er sich wohlfühlen würde. „Ich möchte auf jeden Fall mit Menschen zu tun haben“, sagt der Hauptschüler aus der 10B, der dieser Maxime auch in seiner Freizeit folgt. Er arbeitet ehrenamtlich im Jugendzentrum mit, betreut aber auch Demenzkranke im Seniorenheim Nachrodter Hof. Und jetzt absolviert er bereits zum zweiten Mal ein Praktikum im St. Elisabeth-Kindergarten. Das Basteln und Spielen mit den Kindern macht ihm Spaß – und er hart auch festgestellt, dass die Kleinen auf ihn ganz besonders reagieren. Sandra Schwieren, Leiterin der Einrichtung, bestätigt das: Weil Männer im Erzieherberuf unterrepräsentiert seien, gingen Kindern mit ihnen als um als mit den weiblichen Kolleginnen. Deshalb wäre für sie ein männlicher Erzieher im Kindergarten auch „absolut wünschenswert“. Dass das demnächst Aykut Aggül sein wird, ist aber eher unwahrscheinlich. „Das macht zwar Spaß, aber ein Manko sind natürlich die bescheidenen Verdienstmöglichkeiten“, hat er sich bereits kundig gemacht. Deshalb möchte Aykut nach der Hauptschulzeit noch das Abitur machen und auch studieren. ▪ vg

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