Prozess: Nachrodter soll zwei Töchter sexuell missbraucht haben

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Ein Nachrodter soll zwei Mädchen missbraucht haben.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es ist ein schlimmer Verdacht, der vor Gericht laut wird: Es sieht so aus, als hätte ein Nachrodter nicht nur seine eigene, sondern auch seine Stieftochter sexuell missbraucht.

Es verdichtet sich der Verdacht, dass der Angeklagte (46) über die ihm bisher vorgeworfenen Taten hinaus auch die älteste Tochter seiner Ehefrau sexuell missbraucht haben könnte: Die Strafkammer des Landgerichts vernahm die heute 18-jährige Zeugin nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 

Es gehe um die Aufklärung des Verdachts „erheblicher sexueller Übergriffe“ gegenüber der Stieftochter, begründete der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz diese Maßnahme.

18-Jährige "massiv psychisch belastet"

Auch der Angeklagte wurde für die Dauer der Vernehmung ausgeschlossen. Die 18-Jährige sei durch die Ereignisse „massiv psychisch belastet“. Sie leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Deshalb bestehe durch eine Begegnung mit dem Stiefvater die „Gefahr einer Retraumatisierung“. 

Zur Vorbereitung der Vernehmung führte der Vorsitzende ein kurzes Gespräch mit der 18-Jährigen, in dem sie „eine Angstreaktion auf das Bevorstehende“ gezeigt habe. 

In öffentlicher Sitzung schilderte die Mutter der Kinder dann die dramatische Familiengeschichte, an deren Beginn sie den Angeklagten „geliebt“ habe: „Er hat sich immer als treu sorgender Familienvater präsentiert“, sagte sie und weckte Zweifel an seiner Selbstinszenierung. 

Mutter der Kinder: "Habe meinem Mann vertraut"

Zunächst habe sie jeglichen Verdacht gegen ihren Partner zurückgewiesen, dem sie blind geglaubt habe: „Ich hatte Verdacht gegen alle möglichen Leute – nur nicht gegen meinen eigenen Mann. Dem habe ich vertraut.“ 

Rückblickend tue es ihr sehr leid, dass sie daran mitgewirkt habe, dass ein erster Verdacht durch ein aufwändiges Gegengutachten aus der Welt geschafft wurde. Mittlerweile hat die Zeugin eine sehr veränderte Haltung: Im Detail schilderte sie Vorkommnisse, bei denen sie mehrfach in „komische Situationen“ zwischen ihrer ältesten Tochter und ihrem Mann „reingeplatzt“ sei. 

Tochter sei "psychisches Wrack"

Als ihr Vertrauen schließlich erschüttert war und sie „den Verdacht hatte, dass wirklich etwas mit den Kindern war“, habe sie sich „sofort Hilfe geholt“. Sie sei wütend darüber, dass ihre jüngere Tochter durch die Vorkommnisse „ein psychisches Wrack“ sei. 

Ihre älteste Tochter, die vor ihr vernommen worden war, habe das Ganze ein wenig besser verkraftet. Die Zeugin nährte auch den Verdacht, dass ihr Mann eine 20-jährige Nachbarin während eines Aufenthalts in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer sexuell missbraucht haben könnte: Die behinderte Frau, die offenbar regelmäßigen Kontakt zur Familie hatte, habe „panisch reagiert“, wenn sie mit dem Angeklagten allein bleiben sollte“. 

Ihr Fazit: „Ich denke schon, dass da was passiert ist.“ Das Amtsgericht hatte den Angeklagten in diesem Punkt freigesprochen, weil die 20-Jährige ihre belastende Aussage widerrufen hatte. Aufgrund des Verdachts, dass er entsprechend auf die 20-Jährige eingewirkt hatte, wurde er in Untersuchungshaft genommen.

Der Hintergrund

Schweren sexuellen Missbrauch seiner leiblichen Tochter und einer behinderten Nachbarin wirft die Staatsanwaltschaft einem 46-jährigen Angeklagten aus Nachrodt-Wiblingwerde vor. Das Amtsgericht Altena verurteilte ihn 2019 zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Im Landgericht Hagen wird über die Berufung des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft verhandelt.

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