Ärger um 60 Euro für Hauswirtschaftskraft

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Dr. Tabea Esch: „Wir wollen, dass wir zusammen an einem Strang ziehen – als Kirchengemeinde und Kindergarten.“

Nachrodt-Wiblingwerde - Es gibt massiven Protest. Und Unmut. Nicht nur im evangelischen Kindergarten Wiblingwerde. Auch die Eltern der anderen 21 Einrichtungen des Trägerverbundes des Kirchenkreises Iserlohn haben ein Schreiben bekommen, das sie nicht wirklich begeistert hat.

Was ist passiert? Ab dem kommenden Kindergartenjahr wird eine 45 Stunden-Betreuung im evangelischen Kindergarten Wiblingwerde angeboten. Für Mädchen und Jungen, die bis 16 Uhr in der Einrichtung bleiben, ist ein warmes Mittagessen verpflichtend – für 60 Euro pro Monat. „Das ist keine auskömmliche Finanzierung für ein sinnvolles und gutes Essen“, sagt Merle Vokkert.

Aber es sind auch nicht die 60 Euro, die für den Protest ausschlaggebend sind. Es sind (andere) 60 Euro, die Eltern zum Erhalt der Hauswirtschaftskraft bezahlen sollen. Wenn man sich nämlich dafür entscheidet, dem Kind eine kalte Mahlzeit mitzugeben (hauptsächlich Kinder, die 35 Stunden betreut werden), fallen 60 Euro im Jahr für die Hauswirtschaftskraft an. Das können einige Eltern nicht nachvollziehen.

Anonymes Schreiben an das Kreisblatt

In einem anonymen Schreiben mit dem Absender „Kindergartenkinder“ an das Altenaer Kreisblatt heißt es: „Bei einer Gemeindeversammlung wurde als letzte Rettung eine freiwillige regelmäßig Spende von fünf Euro monatlich verbindlich über zwei Jahre vorgeschlagen, um die Kosten des Trägeranteils zu decken. Hier gab es jedoch nach unserem Stand nur geringen Zuspruch. Gerade wegen der verbindlichen Verpflichtung. Merkwürdiger Weise deckt der Betrag von 60 Euro jährlich genau die monatliche fünf Euro Spende. Zudem sind wir der Meinung, dass das Kindergartenpersonal über den Kindergartenbeitrag finanziert wird. Und wir nicht die 60 Euro für die Hauswirtschafterin zusätzlich zahlen. Da unser Kind den Kindergarten besucht und wir befürchten, dass es bei offizieller Beschwerde nachteilig behandelt werden würde, schreiben wir Ihnen anonym.“

Die Nerven liegen augenscheinlich bei dem einen oder anderen blank. Denn das Schreiben endet mit dem Satz „Vielleicht wäre ein Trägerwechsel doch nicht die schlechteste Lösung.“

Die Verantwortlichen verstehen indes die Welt nicht mehr. „Das eine hat mit dem anderen rein gar nichts zu tun“, sagt Pfarrerin Dr. Tabea Esch. Der Trägeranteil und die 60 Euro für die Hauswirtschaftskraft stünden in keinem Zusammenhang.

Vokkert gesteht Fehler ein

„Wir als Trägerverbund sind am Limit. Und wahrscheinlich sind wir zu blauäugig an die Sache herangegangen“, sagt Pfarrerin Merle Vokkert in Bezug auf die Hauswirtschaftskraft. Es sei ein Versuch gewesen, sich noch mal anders finanziell aufzustellen. „Aber es ist rechtlich auch eine Grauzone“, so Merle Vokkert, die mit ihren Mitstreitern das Thema gestern überdacht hat. Das Ergebnis: Das Schreiben wird zurückgezogen. „Wir werden den Beitrag von 60 Euro im Jahr nicht erheben.“

Das grundsätzliche Problem, so sieht es Pfarrerin Merle Vokkert, ist das Kinderbildungsgesetz – KiBiz. „Wir hoffen darauf, dass sich im nächsten Jahr politisch etwas verändert, damit man den Betrieb aufrecht halten kann. Das ist unsere größte Hoffnung.“

Fakt ist aber: Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Wiblingwerde wünscht sich mehr Vertrauen. Pfarrerin Dr. Tabea Esch: „Wir versuchen wirklich, alles transparent zu halten. Wir sind auch auf die Eltern eingegangen, da sie sich eine 45 Stunden-Betreuung wünschten. Gegenseitige Offenheit ist wichtig. So hätte man auch klären können, dass der Trägeranteil nichts mit den 60 Euro zu tun hat, die jetzt im Raum stehen“, beziehungsweise standen.

Zusammen an einem Strang ziehen

Apropos Trägeranteil: Aktuell ist die Kuh vom Eis. Aufgrund vieler verschiedener Aktionen und Spendenaufrufe sind seit der Gemeindeversammlung 9000 Euro zusammen gekommen. „Aber wir müssen gucken, wie wir eine kontinuierliche Finanzierung gewährleisten“, sagt Dr. Tabea Esch. „Und wir wollen, dass wir zusammen an einem Strang ziehen – als Kirchengemeinde und Kindergarten.“

Dafür könnte ein Fest eine gute Gelegenheit sein: Am 20. Mai wird der 40. „Geburtstag“ des Kindergartens gefeiert: mit Kirmes und Rummel.

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