Nicht ruiniert, aber angeschlagen

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Die Band Herocks rockte am Lenneufer. Aber sie zog nicht so viele Zuschauer wie im Vorfeld erhofft.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Ist der Kulturschock pleite? Ganz so dramatisch ist es wohl nicht. Und doch hat sich der Verein augenscheinlich mit der Veranstaltung des Open-Air-Konzertes etwas übernommen. Statt wie gewünscht 500 Besucher, kamen nur etwa die Hälfte zum Lenneufer. Das AK sprach mit Ronny Sachse, Vorsitzender des Kulturschocks.

 Das Open Air-Konzert war genial für alle, die da waren. Aber für den Kulturschock waren es zu einfach zu wenig Gäste, oder?

 Ronny Sachse: Ja es war wieder eine schöne Veranstaltung. Unsere Vorband „Dan Moses“ die kurzfristig eingesprungen ist, war ein Glücksgriff. Wir hatten ja vorher schon Bedenken, ob wir noch rechtzeitig eine Vorband bekommen, nachdem es mit der eigentlichen Band leider ein Kommunikationsproblem gab. Die Jungs von „Dan Moses“ haben unseren Besuchern aber gut eingeheizt. Es war tolle Musik, die, wie ich von vielen gehört habe, gut angekommen ist. Und Herocks mit Jini Meyer und Manuel Hahn haben natürlich die Lennepromenade gerockt. Die Stimme von Jini ist wirklich einmalig. Ich denke, dass alle auf der Bühne, hinter der Bühne und die Gäste vor der Bühne viel Spaß hatten. Der Sound war super und die Atmosphäre und die Location mit Klaras Höhe im Hintergrund einfach spitze. Leider kann man nur von guter Stimmung und zufriedenen Gästen nicht die Kosten so einer Veranstaltung abdecken, die sich auf einen fünfstelligen Betrag belaufen. Zu wenig verkaufte Karten heißt ja zwangsläufig auch weniger Einnahmen durch den Verkauf von Essen und Getränken. Schlussendlich hätten wir 200 Eintrittskarten mehr verkaufen müssen. 

Ronny Sachse (rechts) macht keinen Hehl daraus, dass das Konzert für den Verein ein Minus-Geschäft war.

Sie hatten im Vorfeld gesagt, dass 420 Leute kommen müssen, damit der Verein aus der Veranstaltung mit „Plus/Minus/Null“ rausgeht. Ist der Kulturschock jetzt ruiniert?

Sachse: Die Veranstaltung hat uns ein Minus von fast 4000 Euro eingebracht. Das ist für den Verein mehr als bitter. Gut, dass wir die Möglichkeit hatten, am Lenne-lebt Tag am Sonntag den Bierwagen zu übernehmen. Ich danke Sebastian Putz und der Gemeinde, die uns das ermöglicht haben. Außerdem hatten wir am vergangenen Samstag noch die Möglichkeit, die Bewirtung beim Edeka-Markt zu übernehmen. Hier gilt mein herzlicher Dank Stefanie und Kai Kantimm. Dass uns ganz viele Leute den ganzen Sommer über an der Lenneterrasse die Treue gehalten haben, war auch ein Glücksfall. Alles in allen reicht das zusammen mit unseren Rücklagen knapp aus, die Kosten der Veranstaltung zu decken. Allerdings haben wir laufende Kosten, wie die Miete für unser Ladenlokal, die natürlich weiterlaufen. Meine Mitglieder haben mir schon gesagt, dass ich mir keinen Kopf machen soll. Zusammen würden wir das schon hinkriegen. Das Team hält zusammen. Das ist einfach super. Auch andere haben uns schon ihre Unterstützung angeboten, wenn es hart auf hart kommt. Einen finanziellen Puffer haben wir nun nicht mehr. Für die Planung zukünftiger Veranstaltungen ist das schlecht. Wir müssen nun genau überlegen, was wir machen. Große Veranstaltungen wie in der Lennehalle werden wir wohl vorerst zurückstellen müssen. Das Risiko für den Verein und den Vorstand ist einfach zu groß. Der Verein ist nicht ruiniert, aber schon angeschlagen. Wer uns finanziell unterstützen möchte, kann das natürlich gerne tun. Wir sind für jede Hilfe dankbar.

 „Es ist nichts los hier, man muss weit fahren, um schöne Dinge erleben zu können“, sagen Nörgler immer wieder. Aber genau diese Leute kommen dann nicht zu den Angeboten. Das hat der TuS bei seinem Jubiläumsfest auch erleben müssen. Haben Sie einen Erklärungsansatz? Sachse: Man macht sich natürlich Gedanken, warum die Veranstaltung nicht so gut angenommen wurde. Waren so viele andere Veranstaltung im Umkreis? Hatten die Leute Bedenken, dass es doch noch regnet? War die Band nicht bekannt genug? Hat das „Luxuslärm“-Label um Jini Meyer doch nicht mehr so eine Anziehung wie gehofft? War die Karte zu teuer? Haben wir zu wenig Werbung gemacht? Fragen über Fragen. Eine Antwort darauf haben wir bisher nicht gefunden. 

Sie haben sicher mit den Musikern gesprochen. Wie haben sie denn das Konzert unter freiem Himmel erlebt?

Sachse: „Nachrodt, das war Weltklasse! Vielen Dank für den lustigen Abend mit euch“ haben Herocks auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Sowohl die Mitglieder der Vorband als auch von Herocks waren super gut drauf. Die hatten wirklich gute Laune und viel Spaß bei uns. Wir versuchen ja immer, unsere Künstler so gut wie möglich zu verwöhnen. Wir haben das mal scherzhaft „Nachrodter Standard“ getauft. Immer, wenn es jetzt darum geht, was die Künstler sich für ihre Garderobe wünschen, heißt es nur noch… natürlich „Nachrodter Standard“, also nicht kleckern, sondern klotzen, unabhängig vom Bekanntheitsgrad. Wir freuen uns immer und sind natürlich auch stolz darauf, wenn das von den Künstlern gelobt wird. Da es ja Abends/Nachts nicht mehr so wirklich warm war, haben sich die Künstler besonders über den Heizstrahler im Zelt gefreut. Wir waren gegen 4 Uhr morgens fertig mit aufräumen, da saßen Herocks noch im Zelt und haben gefeiert. Keine Ahnung, wann die ins Bett gegangen sind. Das ist doch eigentlich ein gutes Zeichen. Die Location an der Lenne hat wirklich allen ausnahmslos gut gefallen. Vielleicht bekommt man es ja für die Zukunft doch mal irgendwie hin, die Felsen anzustrahlen. Das wäre natürlich, gerade bei so einer Veranstaltung, ein Highlight.

Und was sagen die Kulturschocker, sagen Ihre Mitglieder? Viele opfern ihre Freizeit, damit andere an der Lenneterrasse bewirtet werden, damit andere ein schönes Fest feiern können. Sind die Ehrenamtlichen noch zu begeistern?

 

Sachse: Unser Verein ist ja nicht so groß und viele aus dem Verein waren an dem Wochenende im Urlaub. Wir haben aber grandiose Unterstützung von den verschiedensten Leuten erhalten. Das ist einfach super und dafür bedanke ich mich. Natürlich bedanke ich mich auch bei all meinen Mitgliedern, die sowohl bei unseren Veranstaltungen als auch jeden Mittwoch an der Lenneterrasse bereitstehen und arbeiten. Alle machen es, weil sie Spaß daran haben, und gerne etwas für andere auf die Beine stellen. Dass wir ein harmonisches Team sind, trägt natürlich dazu bei. Es ist allerdings unbestritten, dass solche großen Veranstaltungen sehr an die Substanz gehen und kräftezehrend sind. Wenn es dann nicht so gut läuft, und man richtig erledigt ist, fragt man sich dann hinterher schon „Warum tun wir uns das jedes Mal wieder an“, aber der Spaß an der Sache, etwas auf die Beine zu stellen, überwiegt sehr schnell wieder und alle sind wieder dabei und planen und freuen sich auf die nächste Veranstaltung. Die Ehrenamtlichen sind schon zu begeistern. Wir würden uns aber alle sehr freuen, wenn unser Verein wachsen würde. Ideen haben wir viele, aber umsetzen können wir aufgrund zu weniger Helferinnen und Helfer nur einen Bruchteil davon. Die Mitgliedschaft im Kultur-Schock e. V. ist kostenlos und wir treffen uns auch nicht jede Woche. Jede/Jeder, der mitmachen möchte, ist uns herzlich willkommen.

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