„Wir vermitteln Ausbildungsstellen“ 

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Amaan Haqiq (links) ist Auszubildender zum IT-Systemelektroniker bei praedata. Darüber freuen sich Meister Heinrich-Theodor Kersting, Martin Döhler, Maximilian Hell und Jörg Schuhmacher.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Ausbildung heißt, das zu lernen, von dem du nicht einmal wusstest, dass du es nicht wusstest.  Die Crux der Sache ist, die richtige Ausbildung zu finden.  "Wir helfen weiter", so heißt der aktuelle Slogan der Agentur für Arbeit. Bei Amaan Haqiq hat es geklappt. 

Word-Dateien werden verschluckt. Im Zeiten von Virenschutz fischt die Firewall die Unterlagen ab, bevor sie zugestellt werden. Denn hinter den Dateien können andere Dateien versteckt sein, die einen schädlichen Virus absetzen. Alle, die Bewerbungen abschicken, sollten PDF-Dokumente wählen. Oder die Unterlagen persönlich vorbeibringen. Wie es Amaan Haqiq gemacht hat. Jetzt macht er eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker bei praedata.

 Die Freude ist groß – nicht nur bei dem 17-Jährigen selbst, sondern auch bei Maximilian Hell, Geschäftsführer bei praedata, und auch bei Jörg Schuhmacher und Martin Döhler von der Agentur für Arbeit. „Wir vermitteln Ausbildungsstellen. Aber das kommt draußen bei den Jugendlichen viel zu wenig an“, sagt Jörg Schuhmacher, Teamleiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Im Falle von Amaan Haqiq zogen gleich viele Stellen an einem Strang. Und eigentlich war es der Papa des jungen Mannes, der ihm empfahl, doch die Agentur für Arbeit einzuschalten, nachdem etliche Bewerbungsversuche gescheitert waren.

 Drei Tage war der junge Mann zum Probearbeiten bei praedata. Und hinterließ solch einen guten Eindruck, dass er fünf Tage später seine Ausbildung starten konnte. Heinrich-Theodor Kersting war besonders von den Grundkenntnissen angetan, die Amaan Haqiq mitbrachte. Der Azubi hat einen spannenden Werdegang. „Als ich vier Jahre alt war, sind wir nach England gezogen, um uns um die Mutter meines Vaters zu kümmern. Sie war krank. Zu Hauses haben wir dann noch ein paar Wörter Deutsch gesprochen“, erzählt Amaan Haqiq, der in Gummersbach geboren ist. Seine Mama ist Deutsche, der Papa kommt aus Pakistan.

 Als die Oma verstarb, fand Amaans Vater eine Arbeit in der Schweiz. Als es der Familie dort nicht gefiel, zog man nach England zurück. Im vergangenen Jahr dann ging es beruflich für den Vater nach Deutschland und die Familie zog hinterher, wohnt jetzt in Wiblingwerde. Das Wiedererlernen der deutschen Sprache war nicht problematisch für Amaan Haqiq. „Nur das Schreiben ist schwierig.“ Und: Seinen englischen Schulabschluss musste er erst anerkennen lassen. 

„Ich habe mich bei mehreren Firmen beworben, hatte aber kein Glück"

Der englische GCSE-Abschluss „General Certificate of Secondary Education“ entspricht in Deutschland der Mittleren Reife. „Wir mussten ihn erst einmal nach Köln schicken. Es hat ein paar Monate gedauert“, erzählt Amaan Haqiq. In der Zwischenzeit drückte er die Schulbank beim BKT Lüdenscheid – und schaffte dort die Fachoberschulreife mit Qualifitkation. Amaan Haqiq hat jetzt also zwei Realschulabschlüsse: den deutschen und den englischen.

 „Ich habe mich bei mehreren Firmen beworben, hatte aber kein Glück. Ende der Sommerferien bin ich zur Agentur für Arbeit, die dann Kontakt mit praedata aufgenommen hat.“ Gute Leute zu finden, ist für die Firmen augenscheinlich nicht immer so einfach. „Wir könnten ein Buch schreiben mit besten Beispielen, wie man sich nicht vorstellt“, sagt Maximilian Hell. Die Qualität sei manchmal „echt schrecklich“. „Wir stellen immer mehr fest, dass die Motivation bei dem einen oder anderen gering ist“, drückt es Jörg Schuhmacher aus. „Amaan Haqiq hat sich ganz früh selbst über den Beruf informiert und hat nach einer Ausbildungsstelle gesucht. Er ist einer von wenigen Vorzeigebeispielen, die sich wirklich intensiv mit dem Thema befasst haben. Das ist wirklich lobenswert“, sagt Martin Döhler. 

Die Brücke seien Kontakte, wie sie die Agentur für Arbeit habe. „Wir helfen weiter“ heißt deshalb auch der aktuelle Slogan. praedata würde auch noch weitere Azubis einstellen. „Aber dann müssen sie auch hundertprozentig passen“, sagt Maximilian Hell.

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