Prachtvolle Orchideen blühen im Verborgenen

Auf einer Wiese in der Nähe von Wiblingwerde wächst das Gefleckte Knabenkraut, eine besonders geschützte Orchideenart. Deshalb hält Friedrich Petrasch den Standort geheim. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Ihr Vorkommen ist mittlerweile so außergewöhnlich und selten, dass Friedrich Petrasch den Ort lieber geheim halten möchte. Das Nachrodter Nabu-Mitglied weiß von einer Wiese im Umfeld von Wiblingwerde, auf der das Gefleckte Knabenkraut und das Sumpfknabenkraut blühen.

Wer sich in der Pflanzenwelt auskennt weiß, dass damit heimische Orchideen gemeint sind. Als Petrasch vor etwa 15 Jahren von den Besitzern besagter Wiese den Hinweis auf die vom Aussterben bedrohten Pflanzen bekam, war er mehr als erstaunt, denn: „So etwas verrät man normalerweise nicht.“ Doch das Ehepaar hatte Vertrauen zu Petrasch, der zusammen mit seinen Kollegen vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) seitdem für die Pflege der Wiese verantwortlich ist. „Würden wir bekannt geben, wo die Orchideen zu finden sind, wären sie mit Sicherheit bald weg“, befürchtet der Naturschützer. Und das, obwohl er sicher ist, dass die empfindlichen Pflanzen an einem anderen Ort eingehen würden. „Sie brauchen diesen Boden hier. In ihm sitzt ein besonderen Pilz, der für das Wachstum wichtig ist. Ein Verpflanzen wäre demnach sowieso sinnlos, weil sie in spätestens zwei Jahren verschwunden wären“, weiß Petrasch. Allerdings sei das kaum jemandem bekannt.

Das Gefleckte Knabenkraut und das Sumpfknabenkraut sind zwei Arten von insgesamt 15 im Märkischen Kreis bekannten Orchideen. „Bis auf eine sind alle anderen vom Aussterben bedroht“, so Petrasch. Wie schwierig es ist, Orchideen zu verpflanzen, weiß er aus Erfahrung. „Wegen einer Industrieerweiterung habe ich einmal versucht, die Breitblättrige Sumpfwurz umzupflanzen. Sie ist die einzige nicht vom Aussterben bedrohte Art und ziemlich robust. Doch auch sie ist nach ein paar Jahren in meinem Garten eingegangen.“

Das Gefleckte Knabenkraut und das Sumpfknabenkraut lieben Feuchtgebiete – und dennoch „können wir die Wiese nicht sich selbst überlassen“, so Petrasch. Die Nabu-Mitglieder mähen einmal im Herbst die Wiese und entsorgen das Mähgut. Zur Blütezeit der Orchideen wird darauf geachtet, dass die Pflanzen genügend Sonne abbekommen. „Auf der Wiese breiten sich auch Stauden aus, die die Orchideen ersticken können, wenn wir sie nicht ausdünnen“, erklärt Petrasch eine weitere Versorgungsmaßnahme. Vor etwa 14 Tagen begann die Blütezeit – am Dienstag zählte Petrasch 30 aufgegangene Orchideen. „So viele hatten wir noch nie“, freut er sich, dass sich der Einsatz in diesem Jahr ganz besonders gelohnt hat. „Die Pflegemaßnahmen haben gegriffen.“

Das gilt auch für die vom Nabu erst im Herbst eingesetzten Wacholderbäumchen am Rande des Waldlehrpfads in Wiblingwerde. Wacholder sei schwer großzuziehen, so Petrasch. Doch seine monatlichen Kontrollgänge, bei denen jedesmal Unkraut um die kleinen Bäumchen gezupft wird, stimmen ihn zufrieden. „Sie sind gut dabei und werden es packen“, ist der Naturschützer zuversichtlich. ▪ sr

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