„Lied des Zorns“: Thriller aus Nachrodt-Wiblingwerde

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Mark Fahnert ist Polizist und Schriftsteller. Heute, am 6. April, erscheint sein Thriller "Lied des Zorns"

Nachrodt-Wiblingwerde - „Lied des Zorns“ heißt der Thriller von Mark Fahnert, der heute, 6. April, im Piper-Verlag erscheint. Der Nachrodt-Wiblingwerder Autor könnte damit den Sprung in die Bestsellerlisten schaffen. Im Buch geht es um eine akute Terrorwarnung in Deutschland. Die Uhr tickt.

 

 Als Mark Fahnert ein kleiner Junge war und mit elf Jahren seine erste eigene Geschichte über „Alfons Pusi“ erfand, war die Liebe entfacht. Die Liebe zum Schreiben. Heute, 35 Jahre später, setzt ein renommierter Verlag auf sein Können.

 Heute erscheint Ihr Buch „Lied des Zorns“. Was ist das Besondere? 

Wenn man in die Buchlandschaft schaut, dann kommen die meisten Agententhriller aus Schweden und aus den USA. Es geht oft um große, amerikanische Geheimdienste, die in meinem Buch keine Rolle spielen. Es ist ein Buch, das hauptsächlich in Deutschland spielt, der Tatort ist Deutschland und für den Leser deshalb näher dran. 

Ich finde es gut, dass kein Blut hinaus tropft... 

Es ist ein sensibler Horror. Es sterben schon Leute. Ich mag ja James Bond. Einer meiner Lieblingsszenen ist, als einer in das Zimmer von Bond schleicht und sieben Mal auf das Bett schießt. James Bond macht die Tür zu, sagt: „Du hattest deine sieben Chancen“, schießt einmal und der Mensch ist tot. Das ist spannender, lässiger, als wenn überall Explosionen sind und Autos durch die Gegend fliegen

Der Thriller erscheint beim großen Verlag Piper. Wie stolz sind Sie? 

Ich bin sehr stolz, ich schreibe ja wirklich schon lange. Es gibt die AVA, eine Literaturagentur in München, da wollte ich unbedingt hin. Ich habe meine Sachen immer dorthin hingeschickt und manchmal auch gar keine Antwort bekommen. Wenn man Schriftsteller werden möchte, muss man mit absoluten Tiefschlägen sehr gut umgehen können.

 Und es gab viele Tiefschläge? 

Ja sicher. Schreiben sollte man jeden Tag, sich aktiv Zeit nehmen. Andere Leute gehen ins Kino, sitzen vor der Playstation und ich sitze zu Hause und schreibe. Da fragt man sich schon manchmal: warum eigentlich? 

Jetzt ist klar, warum. „Lied des Zorns“ erscheint und ist keine leichte Kost. Wie lange haben Sie recherchiert, um die Ursprünge des Terrorismus bis zum heutigen Schrecken in der Welt beschreiben zu können? 

Ich habe eigentlich schon 2006 damit angefangen, mich zwei Jahre nur mit Fachliteratur zum Thema Terrorismus auseinandergesetzt und Minimum 50 Bücher dazu gelesen.

 Und so stimmt alles im Roman? Die Geschichte ist recherchiert. Mit Sicherheit sind aber Spitzen drin. 

Meine Lieblingsfigur ist Professor Liebknecht. Den wollten Sie eigentlich aus dem Buch herausstreichen. Warum?

 In der ersten Fassung des Buches, die es 2008 gab, war es die reine Darstellung eines Vortrags. Zu dem Zeitpunkt war ich bei der Polizei in der Aus- und Fortbildung tätig und habe die Figur Professor Liebknecht das Thema so abhandeln lassen. Ich fand ihn in der ursprünglichen Form also langweilig. Jetzt ist er auch der Lieblingscharakter meiner Lektorin. 

Sie haben viele Hauptfiguren, viele Randfiguren, verschiedene Spielorte auf der ganzen Welt. Wie helfen Sie dem Leser da durchzusteigen?

 In den Kapiteln steht oben Ort und Zeit. Und es gibt eine kleine Mind-Map, in der die Beziehungen der einzelnen Personen beschrieben werden und wo sie möglicherweise arbeiten. Es muss nicht immer alles, was gesagt wird, der Wahrheit entsprechen.

 Tatsächlich geht es um ein Attentat, das verhindert werden soll. Rechtspopulistische Parteien bekommen großen Zulauf. Haben Sie manchmal selbst Gänsehaut, wie nah Ihr Buch an der Realität ist? 

Wenn man überlegt, dass ich es schon 2008 angelegt habe, dann ja. Ich glaube aber, dass unsere Demokratie stark genug ist, diesen Rechtszulauf auszuhalten.

 Keiner von den Hauptpersonen in Ihrem Buch tut etwas Gutes. War es Absicht, dass es nicht eine Figur gibt, mit der man sich sofort identifiziert?

 Ich glaube, dass ich eine gewisse Realitätsnähe hinbekommen habe. Suchen Sie mal einen Menschen, der nur Gutes tut. Han Solo war mir auch lieber als Skywalker.

 Besonders beeindruckt hat mich die Tiefe der Figuren. Man taucht in die Gefühlswelt des Attentäters, der den Willen hat, für seinen Glauben zu sterben. Und man leidet fast mit ihm. Es gibt auch nicht wenige Sätze auf Arabisch. Wie konnte das gelingen?

 Ich habe mich im Laufe der Jahre bei der Arbeit verändert, bearbeite jetzt politisch und religiös motivierte Delikte. Um das zu verstehen, muss ich sehr viel lesen. Erst wenn ich etwas verstehe, kann ich dagegen vorgehen. Arabisch habe ich versucht zu lernen – jeden Tag beim Spaziergang. Dass man mit dem möglichen Attentäter Mitleid hat, ist nicht ungewöhnlich. In erster Linie ist es ein Mensch, nicht eindimensional gut oder schlecht. Er entscheidet sich – warum auch immer – ein Selbstmordattentat zu verüben. Nichtsdestotrotz wird er Angst haben.

 Man kann auch gleichermaßen die Wut und den Hass nachempfinden, den die Figur Peter hat. Der Leser ist oft hin- und hergerissen. Waren Sie das als Autor auch?

 Nein, ich habe eine klare Linie verfolgt. Peter ist eine sehr tragische Gestalt. Er wird in etwas hineingezogen, das er gar nicht will. Aber es ist eine logische Kette von Ereignissen, wie man manipuliert werden kann. Was Peter tut, ist für mich persönlich aber außerhalb der Realität.

 Andersherum komme ich nicht so nah an Ihre Hauptfigur Wibke heran.

 Ich wollte ja auch keine strahlende Heldin erschaffen.

 Nach meiner Einschätzung bedienen Sie mit diesem Thriller ein Genre, das recht neu ist in der Bücherlandschaft. Ich kenne eigentlich nichts Ähnliches. Wie waren Ihre Anfänge?

 Das erste Buch, das ich mir bewusst gekauft habe, war „Zombies auf dem roten Platz“ von John Sinclair.

 Sie mochten es also gruselig und blutrünstig‘? 

John Sinclair ist nicht blutrünstig. Es ist eine beachtliche Leistung, eine Serie, die seit 1973 läuft. Ich habe sie lange Zeit wahnsinnig gerne gelesen und bin dann umgeschwenkt auf Edgar Allan Poe. Und dann wollte ich auch gern so etwas schreiben. Weniger Steven King als Clive Barker. Und so habe ich angefangen, bin dann aber 2007 dazu übergegangen, über Terrorismus zu schreiben.

 Heute erscheint „Lied des Zorns“. Und der zweite Teil ist auch schon fertig? 

Noch nicht ganz. Ich habe noch 40 000 Zeichen. Das sind noch 22 Seiten. 

Ist es eine Fortsetzung? 

Es ist als Dreiteiler angelegt: Lied des Zorns, Klang des Feuers und der Name des dritten Buches steht noch nicht fest. In der zweiten Geschichte geht es um illegale Waffengeschäfte.

 Sie haben Ihr Buch Ihrer Frau und Ihrer Tochter gewidmet? Haben die beiden überhaupt noch etwas von Ihnen? Job als Polizist, Job als Autor – da bleibt nicht viel Zeit.

 Schlafen wird überbewertet (lacht). Ich stehe tatsächlich morgens um 5 Uhr auf, setze mich hin und schreibe. Wenn man schreiben möchte, sollte man am Tag davor das Kapitel nicht beenden. Es gibt auch Kollegen, die hören mitten im Satz auf. Dann schreibe ich eine Stunde und gehe danach zur Arbeit. Da meine Frau sieben Mal im Monat nachts arbeitet, schreibe ich dann auch – von 19 bis 23 Uhr. Am Wochenende bin ich spätestens um 7 Uhr wach und schreibe weiter. 

Mit Piper im Rücken: Fühlen Sie sich auch unter Druck gesetzt für das zweite Buch?

 Ich glaube, dass man ohne Druck nicht arbeiten kann. Druck ist immer negativ belegt, muss es aber nicht sein. Ich kommuniziere gut mit meinen Literaturagenten und auch mit meiner Lektorin, die für mich erste Ansprechpartnerin im Piper-Verlag ist. Wenn irgendwas nicht klappt, dann sage ich das frühzeitig. Die haben ja auch kein Interesse, dass ich ein Burnout bekomme.

 Lesungen sind geplant?

 Ja, die erste ist geplant für den 21. April in der Buchhandlung Daub in Menden. Das ist auch die Premierenlesung. Am 23. April bin ich beim Niederhausener Krimi-Frühling. Das ist in der Nähe von Frankfurt. Da lese ich in einer alten Kirche. Aber es ist eher möglich, dass die Lesungen aufgrund des Coronavirus’ abgesagt werden. 

Sie haben beim ersten Krimi des Nachrodt-Wiblingwerder Autorenteams Sargfabric mitgemacht. Sie geben auch noch Tipps beim zweiten Krimi. Wie weit ist das Schreiben im Team von dem entfernt, was Sie machen? 

Weit entfernt. Denn ich muss mich nicht mit anderen Menschen absprechen. Die Planung, die ich habe, ist meine Planung. Wenn ich der Meinung bin, dass die Hauptfigur lilafarbenen Haare hat, dann hat sie die. 

Aber man kann mit zehn Leuten und zehn Meinungen etwas Sinnvolles auf die Beine stellen. 

Wenn man diszipliniert ist, sich an Absprachen hält und sich einen Plan zurechtlegt, diesen aber nicht in Zement gießt, dann kann das funktionieren.

Das Buch Der Thriller „Lied des Zorns“ kostet 12,99 Euro. Er hat 432 Seiten und ist unter der ISBN EAN 978-3-492-06211-4 erhältlich.

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