Pfeifen aus Nachrodt werden in alle Welt verkauft

Heinz Liebold.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Zu den Kunden der in Nachrodt ansässigen Firma MBZ Obernahmer zählen die Deutsche Bahn, die österreichische sowie Schweizer Bundesbahn oder auch die Polizei. Die Produkte des Unternehmens werden fast weltweit nach Frankreich, England oder Russland verkauft. Heinz Liebold, Verkaufsleiter bei MBZ, verkauft Pfeifen. Ja richtig gelesen: Die seit anderthalb Jahren auf dem ehemaligen Reynoldsgelände ansässige Firma verkauft Trillerpfeifen, und dies in Fortführung einer langen Tradition.

Schon 1923 begann nämlich Lübold von der Crone in Nachrodt mit seiner Trillerpfeifenproduktion, und half mit, ein Markenzeichen für deutsche Qualitätsprodukte zu entwickeln. „Made in Germany“ bedeutete bis in die 20er Jahre zum Beispiel in England, eher schlecht und billig. Am Ende vertrieb von der Crone seine Pfeifen in bis zu 90 Länder, erzählte Heinz Liebold. „Begonnen hat das damals mit den „Bobby-Pfeifen“ der englischen Polizisten.“, weis der Verkaufsleiter zu berichten. Danach wurde das Sortiment immer größer.

Davon profitiert die Firma MBZ heute noch, denn viele Werkzeuge aus den 20er und 30er-Jahren sind erhalten geblieben. Etwas Pflege und einige Reparaturen seien daran zwar notwendig gewesen, doch dann konnte schon wieder produziert werden. So sind heute etwa 50 verschiedene Trillerpfeifen im Angebot des Nachrodter Unternehmens, das damit fast der einzige Hersteller in Deutschland ist. Nur eine Firma in Süddeutschland vertreibt noch kleine Stückzahlen von Pfeifen, berichtet Heinz Liebold.

Zur Geschichte der Trillerpfeife kann der Verkaufsleiter einige Anekdoten erzählen. So vertrieb die englische Firma Hudson Anfang des 20. Jahrhunderts eine Pfeife die auch auf der Titanic eingesetzt wurde. Nach deren Untergang 1912 durfte diese nie wieder auf einem englischen Schiff eingesetzt werden. In Deutschland kam sie allerdings weiterhin zum Einsatz, unter anderem auf der Wilhelm Gustloff!

Zurzeit setzt MBZ Obernahmer alles daran, die Altkunden der Firma von der Crone zurückzugewinnen. Dazu gibt es das große Sortiment von Bootsmannspfeifen, Zwei- bis Vier-Tonpfeifen oder den schrillen Bundesbahnpfeifen. Dabei können die Blasinstrumente eine Dezibelzahl von 135 erreichen. Die Töne können allerdings sehr unterschiedlich sein. So variieren zum Beispiel die Pfeife eines Basketball- von einem Fußballschiedsrichters beträchtlich. Eishockeyschiedsrichter haben es zudem gern handlich und schnell bereit. Sie tragen ihre Pfeife dank einer Halterung wie einen Ring am Finger. Über das Internet vertreibt MBZ Obernahmer seine Produkte über die Seite http://www.die-trillerpfeife.de. Hier decken sich schon mal Schulabgänger zum Schulsturm ein oder Fans der Loveparade kaufen Pfeifen in grellen Neonfarben. Auch Parteien decken sich in Nachrodt mit Trillerpfeifen ein. So kaufte „Die Linke“ eine Stückzahl von 20.000 roten Pfeifen für ihre Mitglieder oder als Werbemittel. Mit dem größten Trillerpfeifenproduzenten der Welt, Acme in England, kann sich das kleine Nachrodter Unternehmen noch nicht messen. „Wir müssen erstmal durch Qualität überzeugen.“, sagt Heinz Liebold. - David Schröder

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