Pfefferspray-Einsatz im Klassenzimmer

Eine 19-jährige Berufskolleg-Schülerin aus Nachrodt-Wiblingwerde hat mit Pfefferspray drei Menschen verletzt. ▪ Symbolfoto

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Ein äußerst rücksichtsloser und folgenschwerer Vorfall in einem Iserlohner Berufskolleg beschäftigte am Donnerstag das Amtsgericht Altena. Auf der Anklagebank: eine 19-jährige Frau aus Nachrodt-Wiblingwerde. Laut Anklage hatte die damalige Schülerin des Berufskollegs am 4. November vergangenen Jahres nach einer verbalen Auseinandersetzung mit der Lehrerin während des Unterrichts Pfefferspray im Raum versprüht. Die Folge: drei Verletzte.

Vor Gericht versuchte die Angeklagte am Donnerstag, die Schuld auf eine Mitschülerin zu schieben. „Ich war es nicht. Das Spray war zwar von mir, aber ich war es nicht”, beteuerte die 19-Jährige. Sie gab an, eine Klassenkameradin habe das Spray in ihrer Tasche gesehen, es herausgenommen und gefragt, was das denn sei. Noch vor der Antwort habe die andere auch schon losgesprüht. Sie selbst habe das Spray gar nicht in der Hand gehabt, erklärte die Nachrodt-Wiblingwerderin. Im Zeugenstand bestätigte besagte Mitschülerin die Aussage der Angeklagten: „Ich habe es gesprüht, aber ich habe nicht gewusst, was das ist. Ich habe gedacht, es ist Deo. Ich habe auch nur aus Versehen gesprüht”, so die ebenfalls 19 Jahre alte Frau.

Entgegen dieser Angaben belasteten weitere Zeugen die Angeklagte schwer. So berichtete eine 17-jährige Schülerin, die am Tattag mit im Klassenzimmer gesessen hatte, dass die Nachrodt-Wiblingwerderin kurz vorher Stress mit der Lehrerin gehabt habe. Dann habe sie gesehen, wie die Angeklagte unter dem Tisch an etwas herumgefummelt habe. Dann habe es plötzlich fürchterlich gestunken. „Ich habe gesehen, dass sie das gesprüht hat. Direkt unterm Tisch. Alle haben angefangen zu husten. Wir konnten nach Hause gehen”, so die 17-Jährige. Die Angeklagte sei die Erste gewesen, die aus dem Raum gelaufen sei. Die Zeugin selbst musste mit Atembeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert werden und dort auch eine Nacht zur Beobachtung verbringen. „Ich musste dableiben, weil die Gefahr bestand, dass ich ersticke.” Auch eine zweite Schülerin musste eine Nacht im Krankenhaus bleiben.

Die 61-jährige Lehrerin wird den Tag wohl nicht so schnell vergessen können. Sie beschrieb die Klasse am Donnerstag als „ohnehin schwierig”. Die Angeklagte sei neu dazugekommen und habe die Klasse aufgemischt und Mitschüler tyrannisiert. Am Tatmorgen habe es bereits Probleme mit einer anderen Lehrerin gegeben. Die Kollegin sei weinend zusammengebrochen. Auch am Vortag sei die Nachrodt-Wiblingwerderin mit einem Lehrer zusammengestoßen, woraufhin dieser krankgeschrieben worden sei. Die 61-Jährige erklärte, dass in der Klasse Chaos herrschte und sich die Schüler gegenseitig mit Taschen schlugen. Am Vortag habe die Zeugin der Angeklagten einen Eintrag ins Klassenbuch verpasst. Die 19-Jährige habe versucht, die Lehrerin dazu zu bringen, den Eintrag zu löschen – ohne Erfolg. Bezüglich der Tat gab die Frau an: „Ich konnte nicht sehen, dass sie etwas gesprüht hat. Ich habe aber etwas gemerkt. Unterm Tisch.“ Die Mitschülerin, die von der Angeklagten beschuldigt worden war, habe jedenfalls nichts gemacht. Nach dem Vorfall war die Lehrerin zwei Wochen lang krankgeschrieben. Zudem habe sie tagelang nicht sprechen können.

Die Angeklagte musste sich schon mehrfach vor Gericht verantworten. Am Donnerstag kassierte sie nach dem Jugendstrafrecht einen Freizeitarrest. Auf die Mitschülerin, die die Schuld auf sich genommen hatte, wartet jetzt ein Verfahren wegen versuchter Strafvereitelung und Falschaussage. ▪ jape

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare