Pfarrerin Esch verlässt Wiblingwerde: Große Sorgen in der Gemeinde

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Pfarrerin Dr. Tabea Esch verlässt Wiblingwerde.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Trauer ist groß: Pfarrerin Tabea Esch verlässt Wiblingwerde. Nun stellt sich die Frage nach der Zukunft. Ängste und Sorgen sind groß im Dorf.

Es ist eine Mischung aus Trauer, Überraschung, Verzweiflung und Verständnis. Als Pfarrerin Dr. Tabea Esch bei der Gemeindeversammlung im Wiblingwerder Gemeindehaus ihren Weggang verkündete, mussten alle erst einmal schlucken. 

Am 31. März 2020 endet Eschs christliche Arbeit im Höhendorf. Damit wird auch die pfarramtliche Verbindung nach Hohenlimburg gelöst. Seit 2012 besteht diese Verbindung. Esch ist seit 2014 im Amt, und die Wiblingwerder haben sie lieb gewonnen. 

Keine Info zum neuen Job

„Trotz aller Gefühle, die wir jetzt in uns tragen, müssen wir dankbar sein, so einen tollen Menschen wie Tabea fünf Jahre gehabt zu haben. Sie hat viel bewegt und gute Arbeit geleistet. Sie hat uns motiviert, sonntags nicht auszuschlafen, sondern in den Gottesdienst zu kommen“, sagte Siegfried Kruse und fasste damit die Gefühle der Wiblingwerder zusammen.

„Ich bin nun 41 Jahre alt. Für mich hat sich noch einmal die Chance ergeben, beruflich etwas ganz Anderes zu machen – und das würde ich gerne tun“, erklärte Esch ihre Entscheidung. Um was genau es sich handelt, sagte sie nicht.  Nur so viel: „Es ist eine halbe Stelle. Das heißt, in Hohenlimburg bleibe ich als Pfarrerin mit einer weiteren halben Stelle.“ 

Sorge um Zukunft der Gemeinde

Nun haben die Wiblingwerder ein halbes Jahr Zeit, neue Wege zu finden. „Wir orientieren uns wieder an der Region. Dazu zählen neben Wiblingwerde Nachrodt, Altena, Dahle und Evingsen“, erklärte Esch. 

Wie genau das aussehen könnte, sei allerdings noch völlig offen. Die Spekulationen, dass nun doch die Zusammenlegung mit Nachrodt kommt, blieben unkommentiert. 

„Es ist viel Bewegung derzeit drin. In Altena ist beispielsweiseMerle Vokkerts Stelle vakant. Und immer, wenn etwas im Umbruch ist, wird auch von höherer Stelle geguckt, ob etwas umgestellt werden sollte. Wir sind im intensiven Austausch mit Superintendentin Martina Espelöer“, erklärte Esch. 

Als Bedingung habe die Gemeinde gestellt, dass der Stellenumfang von 37,5 Prozent erhalten bleibt, die Gemeinde ein Mitspracherecht hat und dass auch während einer Vakanz die seelsorgerische Versorgung gesichert ist. „Die Konfirmandenarbeit werde ich hier oben zu Ende bringen – unabhängig von der anderen Arbeit“, versprach Esch. Dem Presbyterium sei es auch wichtig, die Gemeindemitglieder mit ihren Sorgen und Ängsten in den Prozess einzubinden. 

"Uns ist immer mehr genommen worden"

Und so bekamen die Wiblingwerder die Möglichkeit, sich zu äußern. „Es entsteht für uns ein bisschen der Eindruck, dass wir hin und her geschubst werden, wie es gerade passt“, sagte Helga Baumann. Dem widersprach Presbyter Rainer Nowak: „Wir haben immer zu Altena als Region gehört. Wir hatten nur eine pfarramtliche Verbindung zu den Hohenlimburgern.“ 

Barbara Kreft äußerte derweil die Angst, die Gemeinde könne langfristig ihre Selbstständigkeit verlieren: „Uns ist seit dem Weggang von Gerald Becker immer mehr genommen worden. Und das wird garantiert so weiter gehen.“ 

Die konfessionelle Prägung spielte ebenso eine Rolle: „Ich mache mir Sorgen um den reformierten Gedanken. Rund um uns herum schließen die reformierten Kirchen“, sagte Ralf Machelett. Dem konnte Esch nicht widersprechen: „Das ist ja auch der Grund, warum lange Zeit über eine reformierte Achse mit Wiblingwerde, Hohenlimburg und Berchum nachgedacht wurde. Das macht jedoch keinen Sinn, die Entfernungen sind einfach zu groß.“ 

Vertrautes Gesicht im Notfall wichtig

Auch machten sich die Anwesenden Sorgen um die Seelsorge. Im Notfall brauche man ein vertrautes Gesicht. Auch seitens des Kindergartens wurde dies noch einmal deutlich. „Wir hatten immer einen Pfarrer, den die Kinder kennen und mögen. Es wäre schade, wenn das verloren ginge“, betonte Erzieherin Susanne Zeuner. 

Die nächste Gemeindeversammlung findet am 18. November um 18.30 Uhr im Gemeindehaus statt. Dann wird es hauptsächlich um die anstehende Presbyteriumswahl gehen. „Aber natürlich werden wir die Gelegenheit nutzen, Sie über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren“, versprach Nowak. Und er betonte auch: „Wir werden uns nicht geschlagen geben und für unsere Gemeinde kämpfen."

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