Pfarrer Dr. Jacobi plaudert über sein Freizeitvergnügen

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Sehr menschliche, zum Teil ergreifende Episoden aus dem Leben großer Opernkünstler erzählte Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi bei der Evangelischen Frauenhilfe in Wiblingwerde.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Wer für Operngesang nichts übrig hat, muss jetzt ganz tapfer sein“, schickte Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi voraus, als er am Mittwochnachmittag der Evangelischen Frauenhilfe Wiblingwerde Einblicke in seine Freizeitbeschäftigung gewährte. Der Pfarrer sang zwar nicht selbst, lieferte aber Geschichten und Hörproben großer Sängerpersönlichkeiten.

Pfarrer Jacobi ging es an diesem Nachmittag nicht nur darum, den Frauen schöne Stimmen zu präsentieren. Viel wichtiger war ihm, auch darauf hinzuweisen, dass die großen Künstler auf der Bühne oft die Rolle ihres Lebens gefunden haben. „Das hat ja schon fast Gleichnischarakter. Schließlich haben wir in unserem Leben ja alle eine Rolle zu spielen“, so Dr. Jacobi. Und nicht immer sei diese Rolle angenehm, was für großer Sängerpersönlichkeiten ebenso gelte wie für Otto-Normal-Verbraucher. „Manche Sänger haben ihre Rolle erst über Umwege gefunden. Manche waren in ihren Paraderollen glücklich und erfolgreich, andere haben unter ihrer Rolle gelitten“, so Dr. Jacobi.

Die großen Künstler hätten ihr Publikum aber auf jeden Fall fasziniert. „Es gibt Namen, die ein Schwärmen auslösen, weil sie mit einer bestimmten Rolle verbunden sind“, so der Pfarrer, der sich in seiner Freizeit insbesondere mit den großen Opernsängerinnen und -sängern der 1950er und 60er Jahre beschäftigt („Das bringt mich auf andere Gedanken. Ich kann ja nicht immer nur die Gemeinde im Kopf haben.“). Er erzählte den Frauen beispielsweise von dem Jahrhunderttenor Fritz Wunderlich. Er wurde 1955 praktisch über Nacht zum Star, als er in Mozarts „Zauberflöte“ für einen erkrankten Kollegen als Tamino einspringen musste. In den folgenden zehn Jahren sang Wunderlich auf großen internationalen Bühnen. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere kam er jedoch 1966, gerade einmal 36 Jahre alt, durch einen Treppensturz ums Leben.

Unter seiner Rolle gelitten habe der Bariton Hans Holler, der Zeit seines musikalischen Lebens nur mit der Rolle des Wotan bei Richard Wagner in Verbindung gebracht wurde, wusste Pfarrer Jacobi weiter zu berichten. Und er deckte erstaunliche Parallelen im Leben der griechischen Sopranistin Maria Callas auf. Die Primadonna, deren Stimme einen Tonumfang von fast drei Oktaven hatte, brillierte in vielen Rollen, wurde aber vor allem als Tosca in der gleichnamigen Oper von Giacomo Puccini bekannt – obwohl sie diese Rolle angeblich nicht sonderlich mochte. Vielleicht, weil sie die Parallelen zu ihrem eigenen Leben erkannt hatte? „In dieser Rolle fließen Opernhandlung und wirkliches Leben ineinander“, zeigte Dr. Jacobi jedenfalls verblüffende Übereinstimmungen auf. ▪ Volker Griese

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