Ort für Gottesdienste gesucht

Pfarrei gibt Kirche St. Josef auf

Wie geht es weiter mit St. Josef in Nachrodt?
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Wie geht es weiter mit St. Josef in Nachrodt?

Spätestens 2025 gibt die katholische Pfarrei die Kirche St. Josef samt Vereinshaus auf. Dann fließt kein Geld mehr für die Gebäude in Nachrodt. Wie es mit denen weitergeht, ist offen. Ebenso, wie die Katholiken dann Gottesdienst feiern sollen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die katholische Kirche und das katholische Vereinshaus wird es schon bald nicht mehr geben – zumindest nicht in Form reiner Gemeindegebäude. Das ist sicher. Frühestens im März 2023 und spätestens ab 2025 sollen sich die Gebäude am Standort St. Josef nicht mehr im Besitz der Pfarrei befinden, da sie wirtschaftlich nicht mehr tragbar seien.
Es war ein echter Paukenschlag. Eigentlich.

Zwar hatten viele in der Gemeinde von diesen Problemen gehört. Dennoch ist die Schließung einer Kirche eigentlich ein eher emotionales Thema. Selten geht es den Gemeindemitgliedern nur um wirtschaftliche Interessen. Es geht viel mehr um Emotionen, Identität und eine Heimat für den Glauben.

Aufgabe von St. Josef: Kaum Interesse an Infoabend

In allen Gemeinden brodelt es aktuell. Erinnert man sich an die Informationsabende der Protestanten zur Regionalgemeinde und die Veranstaltung zur langfristigen Aufgabe des evangelischen Friedhofs in Nachrodt, gab es dort hitzige und teils äußerst emotionale Wortbeiträge. Die gab es in St. Josef nicht. Lediglich drei kleine und sachlichere Wortbeiträge zu der Frage, wo den zukünftig Gottesdienste gefeiert werden können.

Überhaupt war das Interesse an der Informationsveranstaltung gering. Nicht einmal alle Gemeindegruppen hatten einen Vertreter geschickt. So informierte die Pfarrbeauftragte Sandra Schnell mit ihrem Team in rund einer Stunde über das, was bisher geplant war und was aktuell noch geplant wird. Und das hatte es wirklich in sich.

„Raum-in-Raum“: Kirche als multifunktionaler Anlaufpunkt

„Bei der Verwirklichung des Umbaus der Kirche St. Josef in ein multifunktionales Gebäude für Gottesdienste und Versammlungen, kann das Vereinshaus verkauft werden. Ein Verkauf dieses Gebäudes ist grundsätzlich möglich, ein Umbau zu Wohnzwecken wird bauaufsichtlich allerdings nicht genehmigt“, erklärte Sandra Schnell.

Geplant gewesen sei ein Raum-im-Raum-Konzept in der Kirche. Das heißt, der Raum sollte so umgebaut werden, dass dort auch andere Veranstaltungen wie Ratssitzungen, private Feiern und Versammlungen stattfinden könnten. Ein Förderverein könnte das beispielsweise organisieren und das Gebäude durch die Einnahmen getragen werden.

Kooperation mit evangelischer Gemeinde geplant

Schnell: „Für kleinere Gruppen wird mittelfristig eine Kooperation mit der Evangelischen Gemeinde angestrebt, da dort gemeindliche Räume zur Verfügung stehen. Daher werden Gespräche aufgenommen, um zu besprechen, wie eine Mitnutzung durch die Gemeinde St. Josef grundsätzlich möglich ist und zu welchen Bedingungen.“

Allerdings drängt dafür ein wenig die Zeit, da der evangelische Pastor Wolfgang Kube 2023 in den Ruhestand verabschiedet werde. „Solche Verhandlungen sind einfacher, solange die Gemeinde noch eigenständig entscheidet“, betonte Schnell mit Blick auf das Zusammenwachsen der Protestanten in Nachrodt, Wiblingwerde und Altena zur Regionalgemeinde. In ersten unverbindlichen Gesprächen habe sie die „Kirchennachbarn“ als durchaus offen wahrgenommen.

Gläubige wollen lieber Kapelle als Kooperation

Diese Lösung wird allerdings von den Gemeindemitgliedern eher kritisch gesehen. „Also ich würde beispielsweise lieber einen Gottesdienst im katholischen Kindergarten feiern. Das gehört ja irgendwie noch zu uns“, sagte eine Besucherin. Eine weitere merkte an, dass an normalen Tagen ja auch die Friedhofskapelle ausreichen würde.

Am liebsten würden die Nachrodter natürlich ihre Kirche behalten. „Fakt ist, es sind ab 2025 keine Gelder mehr für die Gebäude von Seiten der Pfarrei eingeplant. Eine Raum-im-Raum-Nutzung müsste sich bis dahin finanziell tragen und der Umbau – falls möglich – durch Fördergelder finanziert werden“, sagte Schnell.

Kein Interesse bei Trägern für Kirche

Ob so ein Raum-im Raum-Konzept überhaupt machbar ist, sollte eigentlich durch eine Machbarkeitsstudie ermittelt werden. Doch die gab es bislang nicht. Vor allem, weil in dem ursprünglich geplanten Amtshaus-Anbau ein ähnlicher Multifunktionsraum integriert werden sollte. Folglich musste ein neues Konzept für die Kirche her.

Zur Debatte standen beispielsweise Ferienwohnungen, eine Herbergskirche, betreutes Wohnen, eine Freizeiteinrichtung, Arbeitsraum und ähnliches. Ein Experte habe inzwischen diese Vorschläge analysiert. Seine Einschätzung: Die Bedarfe sind nicht gegeben. Potenzielle Träger zeigen keinerlei Interesse.

Zukunft der Gebäude: Bürger gefragt

Doch wie geht es nun weiter? „Wir sollten weiter Investoren suchen. Wenn Sie Ideen haben, bringen Sie sie ein“, appellierte Schnell an die Anwesenden. Zum Ende gab es noch eine Meinungsumfrage. Lediglich zwei Anwesende stimmten für eine ökumenische Alternative bei Gottesdiensten. Bevorzugt wird tatsächlich die Variante der Friedhofskapelle. Hans Wehr gab jedoch zu bedenken: „Wir sind nicht frei mit der Entscheidung, wann wir dort etwas machen. Es gibt einen Richterspruch, der beispielsweise Veranstaltungen am Abend verbietet.“

Die Variante, Gottesdienste im Kindergarten zu feiern, kam ebenfalls gut an. Allerdings müssten dafür zunächst Gespräche mit dem Träger stattfinden, ob das im Rahmen des Ausbaus machbar ist. „Fakt ist, den Friedhof samt Kapelle und den Kindergarten werden wir erhalten. Es ist uns als Pfarrei auch sehr wichtig, am Standort Nachrodt präsent zu bleiben“, betonte Schnell.

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