Patentrezepte gibt es nicht

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Christoph Schäfer zeigt eine Schützhülle, wie sie um die frisch gesetzen Bäume gezogen wird. Die Maßnahme ist nicht ganz billig und kostet bis zu zwei Euro pro Pflanze. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Drahthosen, Schafswolle, Tonkinstäbe und chemische Mittel. Es gibt fast nichts, was Revierförster Christof Schäfer nicht probiert hat, um junge, neu angepflanzten Bäume vor Verbiss- und Fegeschäden zu schützen. Vor ziemlich genau einem Jahr plagten Schäfer noch Sorgen. Viele Bäume, die auf den Kyrill-Flächen angepflanzt worden waren, waren stark beschädigt. Der hohe Schnee hatte die Wildtiere dazu verleitet, die Spitzen abzufressen, da diese das einzige waren, was aus dem Schnee herausragte.

Zudem fegten die Böcke ihren Bast vom Gehörn an den jungen Pflanzen ab. Damals bereits setzte sich Schäfer für den Schutz der Pflanzen ein, allerdings immer unter der Voraussetzung, die Tiere nicht zu gefährden. Ein Jahr später fällt die Bilanz durchwachsen aus. „Was die Schutzmaßnahmen betrifft, sind wir eigentlich zufrieden. Aber die Witterung bereitete Problem“, erklärt der Förster.

20 bis 30 Prozent Ausfall hat Schäfer auf vielen Flächen registriert, dies sei allerdings durchaus normal. Die extreme Witterung im vergangenen Jahr sei schuld daran. Insbesondere Südhänge seien problematisch: „Da schien im Sommer extrem die Sonne drauf. Und im Winter war der Boden hart gefroren. So dass die Pflanzen zwar einerseits Wasser verdunsteten, es aber durch den Boden nichts wieder aufnehmen konnten.“ Doch gebe es auch ein paar wenige Flächen die Schäfer immer noch Sorgen bereiten: „Es gibt vereinzelt Flächen auf denen wir eine Quote von 100 Prozent verzeichnen mussten.“ Hier seien die Pflanzen, überwiegend Robinien, gar nicht angegangen, so zum Beispiel auf einer Fläche in der Nähe von Deierte. Woran das liegen könnte ist ihm allerdings noch nicht ganz klar.

Insgesamt wurden mehrere 100 000 Pflanzen auf 150 Hektar Kyrillfläche gepflanzt. 50 Hektar müssen in diesem Jahr noch aufgeforstet werden. „Vieles regelt die Natur auch von allein. Es gibt jede Menge Naturverjüngung.“ So auch am Sassenscheid. Zwar wurde die Fläche neu bepflanzt, allerdings nicht so dicht, wie in einigen anderen Gebieten. Das liege daran, dass dort bereits einige Bäume, wie beispielsweise Fichten von alleine wachsen. „Wir haben hier noch einige Douglasien zwischen gesetzt, damit der Wald im Falle eines Sturmes stabiler wird“, erklärt Schäfer.

Um die Douglasie zu schützen sind sie in grüne Drahthosen gerhüllt. „Das ist eine sehr effektive Schutzmaßnahme. So kommt kein Tier an den Baum dran.“ Der Nachteil: Die Hosen müssen regelmäßig durch den Waldbesitzer kontrolliert werden. Sie dürfen sich oben nicht verschließen. Außerdem ist es ein nicht ganz billige Maßnahme. 1,50 bis zwei Euro kostet eine Hülle. Insgesamt wurden 5000 Pflanzen auf diese Art und Weise geschützt. Aber auch die anderen Maßnahmen scheinen zu greifen. Etwas ganz Vages oder Gefährliches habe man jedoch nicht probiert. Die chemischen Mittel seien durchaus auch als sinnvoll einzustufen. Flügol und Certosan seien zum Einsatz gekommen. Flügol sei wie eine weiße Farbe, gut zu erkennen, jedoch halte das Mittel nicht so gut und würde teilweise die Knospen verkleben. Certosan sei ein Pulver das aufgespritzt werde. Dies sei kaum zu prüfen, da es nicht sichtbar sei. Schäfer betont jedoch: „Bei den Mitteln handelt es sich nicht um Gift. Es ist ein einfaches Abwehrmittel. Die Tiere mögen den Geruch nicht.“

Ein Patentrezept zum Schutz gebe es nicht. Und bei allen, seien die Waldbesitzer gefordert, diese ständig zu kontrollieren und zu erneuern. Was für Schäfer jedoch gar nicht in Frage kommt, sind Schutzmaßnahmen wie Drahtstacheln um die Bäume. „Die Tiere sollen zwar vom Verbiss abgehalten werden, aber wir dürfen sie keinen Verletzungsgefahren aussetzen.“ 20 bis 30 Jahre wird es dauern, bis Kyrill nicht mehr so offensichtlich das Landschaftsbild prägt. Bis dahin wird der Förster gemeinsam mit den Waldbesitzern Mittel und Wege suchen um die Pflanzen zu schützen. ▪ lm

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