Vier Vorschläge für die Zukunft des Gebäudes

Wegen Einsturzgefahr: Bauamt soll Amtshaus verlassen

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Ist das Amtshaus noch zu retten? Am Montag wird der Rat darüber beraten.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Et hätt noch immer jot jejange“ sagt der Kölner, den Dirk Röding gern zitiert. Dass der Bauamtsleiter mit seinen Mitarbeitern in einem instabilen „Kartenhaus“ sitzt, möchte er nicht dramatisieren. Und doch: Eine größere Schneelast oder extreme Windböen würde das Dach des Amtshauses wohl nicht mehr verkraften. Es könnte einstürzen.

Das Bauamt, direkt darunter beheimatet, sollte schnellstmöglich ausgelagert werden. Schon deshalb ist eine Entscheidung, was mit dem augenscheinlich komplett sanierungsbedürftigen Amtshaus generell passieren soll, mehr als dringend. Während der Sitzung des Rates am kommenden Montag werden vier Vorschläge diskutiert.

So sieht der Entwurf eines Neubaus des Amtshauses aus, den die Mitglieder des Rates unter Tagesordnungspunkt 14 am kommenden Montag ab 17 Uhr bei Holzrichter diskutieren.

Es gibt laut Verwaltung vier Möglichkeiten: 

  1. Das vorhandene Gebäude wird vollständig entkernt und saniert. Darüber hinaus wird ein Anbau errichtet.
  2. Das Gebäude wird, sofern die weiteren Untersuchungen ergeben, dass es massiv geschädigt und unter vertretbarem wirtschaftlichem Aufwand nicht mehr saniert werden kann, abgebrochen. An derselben Stelle wird ein ausreichend großer Neubau errichtet. Hierbei soll die neue Fassade in gleicher Art und Weise hergestellt werden, damit sich das Ortsbild nicht verändert.
  3. Es wird ein neues Gebäude am Standort Hagener Straße 4 und 6 errichtet (im Bereich Rastatt), das neben dem Amtshaus auch einen Saal beinhaltet, der für Sitzungen und Feierlichkeiten genutzt werden kann.
  4. Es werden Verhandlungen mit dem Eigentümer des Grundstücks in Obstfeld, unmittelbar neben dem Nettomarkt, mit der Zielsetzung aufgenommen, das Grundstück zu erwerben und dort ein neues Amtshaus zu errichten.

Teufel nicht an die Wand malen

Dass das Amtshaus von jetzt auf gleich einstürzen könnte, ist nicht im Bereich des Unmöglichen. Und doch möchte niemand den „Teufel an die Wand malen“. Fakt ist: Die Dacheindeckung ist nicht mehr standfest und der Giebel im Büro auf der nördlichen Seite ist massiv durch pflanzliche Schädlinge geschädigt. Eine Notreparatur wurde sowohl am Giebel als auch an der Dacheindeckung durchgeführt. Zur Absicherung ist das Gebäude teilweise immer noch eingerüstet.

Stachybotrys chartarum vernichtete Akten

Aber es ist nicht nur das Dach des unter Denkmal stehenden Schmuckstückes der Gemeinde, das marode ist. 2016 wurden Feuchtigkeitsschäden festgestellt. Im gleichen Zeitraum wurden von den Mitarbeiterinnen des Leaderbüros, die ebenfalls im Kellergeschoss untergebracht waren, Geruchsbelästigungen gemeldet. Schimmel und Schwamm machten eine komplette Entkernung des Kellers notwendig. Stachybotrys chartarum heißt der Schimmelpilz, der das komplette Aktenlager angegriffen hatte.

1300 Akten, Standesamt-Bücher, Kassenbelege und Jahresrechnungen, die ein Leben lang aufbewahrt werden müssen, waren in einem Lagerraum im Keller des unter Denkmalschutz stehenden Amtshauses fein säuberlich „aufgetürmt“. Fünf Prozent aller Unterlagen wurden von Stachybotrys chartarum für immer vernichtet. Die Belastungen wurden weitestgehend beseitigt.

 „Für eine fachgerechte Beseitigung des echten Hausschwamms ist eine Öffnung der Decke über dem Kellergeschoss bzw. des Erdgeschossbodens unumgänglich. Diese Arbeiten konnten noch nicht ausgeführt werden. Bevor eine Sanierung des Geschosses eingeleitet wurde, hat eine Untersuchung des gesamten Gebäudes stattgefunden“, heißt es in der Vorlage zur Ratssitzung. Auch das sieht nicht gut aus: statische Probleme allerorts.

Weitere Untersuchungen der Geschossdecken durch Öffnen der Fußböden in den augenscheinlich durchhängenden Balkenlagen sind erforderlich, können aber bei laufendem Betrieb nicht durchgeführt werden.

Aber bildschön reicht nicht

Mit Blick auf die Gebäude-Situation generell in Nachrodt-Wiblingwerde ist es wohl an der Zeit, auf einen Neuanfang zu setzen. Dass gerade die Probleme rund um das Amtshaus „wehtun“, versteht sich von selbst. „Aber bildschön reicht nicht“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat, die seit 33 Jahren im Amtshaus arbeitet. „Man kann nicht die Augen verschließen. Ich bin davon überzeugt, davon, dass jede Stadt im Kreis mit alten Gebäuden ähnliche Probleme hat, wenn sie genau hinschaut.“

Ein Neubau auf einem freien Grundstück – vielleicht neben Netto – favorisiert die Bürgermeisterin persönlich. Ein Amtshaus auf dem jetzigen Rastatt-Gelände findet sie aufgrund der dann fehlenden Gastronomie unglücklich. Für das Amtshaus würde sie sich nach Sanierung eine andere Nutzung wünschen – vielleicht für Kulturveranstaltungen. Wie auch immer der Rat entscheidet: Das Bauamt muss ausziehen. Vielleicht zunächst in Container, so die Überlegung.

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