Party bis nachts um vier in der Niemöllerstraße

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Spuren einer langen Partynacht unter freiem Himmel: Für die Anwohner der Niemöllerstraße ist das Maß voll.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Anwohner der Niemöllerstraße haben die Nase voll: In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft feiern junge Leute fast jeden Abend lautstarke Partys, hinterlassen ihren Müll und machen sich auch noch in den Gärten zu schaffen.

Die Ordnungsbehörden sind scheinbar machtlos.

Das letzte Gelage hat in der Nacht zu Dienstag stattgefunden – und nicht nur die leider inzwischen üblichen Spuren hinterlassen. Rund um die Bank auf dem Parkplatz liegen Papiermüll, Zigarettenschachteln und -kippen, Flaschen und Pappkartons auf dem Boden. Damit nicht genug, haben offenbar dieselben Jugendlichen am Haus einer Anwohnerin den Gartenschlauch offen gedreht, sodass das Wasser stundenlang über den Gartenweg fließen und schließlich im Erdreich versickern konnte – Spätfolgen, die im Keller sichtbar werden, sind nicht ausgeschlossen.

„Seit einem halben Jahr ist es hier besonders schlimm“, sagt eine Anwohnerin, die alleine lebt und nicht namentlich genannt werden möchte. „Keiner traut sich, etwas zu sagen, aber das muss doch einmal ein Ende haben“, fordert sie und zählt eine ganze Reihe von Verfehlungen auf, für die sie das junge Partyvolk verantwortlich macht. Wildes Urinieren gehört ebenso dazu wie das Zünden von Knallkörpern und das Bewerfen mit einer halbvollen Wasserflasche. Sogar ein achtlos weggeworfenes (gebrauchtes!) Kondom hat sie schon von der Straße aufgesammelt. Davon, dass die jungen Leute regelmäßig und auch noch zu später Stunde mit ihren motorisierten Zweirädern lärmen und oder die Musikanlagen ihrer Autos laut aufdrehen, gar nicht zu reden.

Dass sie die Finger nicht von fremdem Eigentum lassen können, regt die Rentnerin besonders auf. Aus ihrem Garten seien erst kürzlich mehrere Solarleuchten verschwunden, berichtet sie. Den Diebstahl von solarbetriebenen Gartenleuchten beklagt auch eine andere Nachbarin, die von ähnlichen Auswüchsen auf dem Parkplatz an der Niemöllerstraße, aber auch am Evangelischen Gemeindehaus an der Schillerstraße berichtet. „Teilweise ist hier Lärm bis drei oder vier Uhr in der Nacht“, berichtet sie. Die Polizei sei zwar schon einmal Streife gefahren, jedoch ohne spürbaren Erfolg. „Die Jugendlichen kennen sich doch hier aus. Wenn die den Polizeiwagen sehen, sind sie ruckzuck verschwunden – und eine halbe Stunde später wieder da“, hat sie erfahren, wie die Kontrollen durch die Ordnungshüter ablaufen.

Bürgermeisterin Birgit Tupat sieht kaum eine Möglichkeit, Situationen wie die im Bereich Niemöllerstraße in den Griff zu bekommen. Weil das Ordnungsamt keinen Bereitschaftsdienst habe, die Ruhestörungen aber abends oder in der Nacht vorkämen, bleibe den geplagten Anwohnern nur, sich an die Polizei zu wenden. Allerdings weiß sie auch, dass sie davor meistens zurückschrecken. „Wer sich aber so massiv gestört fühlt, muss auch etwas unternehmen“, ermunterte sie die Betroffenen jedoch zu diesem Schritt. Auch sie selbst wolle noch einmal Kontakt zur Polizei aufnehmen, um gelegentliche Kontrollen zu erwirken.

Probleme wie an der Nie-möllerstraße habe es auch an anderen Stellen in der Gemeinde schon gegeben, weiß Birgit Tupat aus ihrer mehrjährigen Erfahrung. „Es gab da mal massive Beschwerden im Holensiepen. Dann ist schließlich eine Anwohnerin einfach mal mit einem Kuchen zu den Jugendlichen gegangen und hat ihnen erklärt, dass sie sich so nicht verhalten dürfen“, berichtet die Bürgermeisterin von einer unkonventionellen Maßnahme. Ob es für ein solches „Friedensangebot“ an der Niemöllerstraße nicht schon zu spät ist? Es käme vielleicht auf einen Versuch an. ▪ Volker Griese

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