Ein Opel auf zwei Rädern

+
Einem rund 80 Jahre alten Modell des einstmals weltgrößten Fahrradherstellers Opel hat Siegfried Hellwig in ungezählten Arbeitsstunden zu neuem Glanz verholfen. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Normalerweise bevorzugt Siegfried Hellwig modernere Modelle, wenn er sich auf seinen Fahrradsattel schwingt. Doch der derzeitige Favorit des fahrradbegeisterten Rentners von der Hochstraße ist älter als er selbst: Ein Opel-Fahrrad aus der Zeit um 1930 ist der ganze Stolz des 70-Jährigen.

Ein Zufall haben Siegfried Hellwig und den Drahtesel des einstmals weltgrößten Fahrradherstellers Opel zusammengeführt. Sein Sohn hatte das völlig verrostete Rad in einem Keller entdeckt und mit nach Nachrodt gebracht. Genau wie er entdeckte auch sein Vater, welches Liebhaberstück er da an Land gezogen hatte: ein originales Opel-Fahrrad aus der Zeit um 1930. Für Siegfried Hellwig stand schnell fest, dass es sich lohnen würde, dem in die Jahre gekommenen Herrenrad wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. „Wir wollten es zunächst nur als Deko-Stück verwenden, aber dafür war es eigentlich zu schade“, berichtet er. Also sollte es fachgerecht restauriert werden.

Das war allerdings leichter gesagt als getan. „An Ersatzteile für solche Räder kommt man heute so gut wie gar nicht mehr heran“, hat Hellwig festgestellt, nachdem er das Internet und verschiedene Tauschbörsen abgesucht hat. Wenn überhaupt etwas zu finden sei, dann müssten dafür horrende Preise gezahlt werden. Trotzdem machte sich der Fahrradliebhaber an die Arbeit, enrostete den markanten Doppelstabil-Rahmen und viele Kleinteile, ließ Stangen, Hebel und Lenker neu verchromen und die Räder neu einspeichen. Nicht alles klappte reibungslos, wie sich Hellwig erinnert: „Durch das Verchromen passte die Stange der Handbremse nicht mehr durch die Führung, da musste ich das Loch etwas aufbohren.“

In unzähligen Stunden („Alles in allem war sicherlich ein Dreivierteljahr.“) drehte Hellwig in seiner Werkstatt das Rad der Zeit zurück, polierte den Fahrrad-Oldtimer in vielen Details wieder auf. Doch nicht immer konnte er den Originalzustand wieder herstellen. Die Rahmenfarbe beispielsweise entspricht nicht mehr der Originallackierung, und auch der alte Ledersattel hat weichen müssen. Dafür hat Hellwig aber trotz neuer Räder die ursprünglichen Naben wieder eingebaut. Klingel und Ständer des Fahrrads sind ebenfalls keine Originalteile, weil Hellwig die ganz einfach nicht beschaffen konnte. Er hofft aber nach wie vor, dass sie sich noch irgendwo zu einem akzeptablen Preis auftreiben lassen.

Bis es so weit ist, hegt Siegfried Hellwig seine Fahrradrarität wie seinen Augapfel. Größere Ausfahrten unternimmt er mit dem Opel-Rad nicht, allein schon, weil man darauf natürlich längst nicht so bequem sitzt wie auf einem modernen Fahrrad. „Aber sonntags zum Eisessen fahre ich auch schon mal damit“, sagt Hellwig augenzwinkernd.

Bedauert hat er die Entscheidung, dem alten Rad wieder neues Leben einzuhauchen, noch nicht. Auch nicht, wenn er an die viele Arbeit denkt, die er investiert hat. „Es hat Spaß gemacht“, versichert der Nachrodter, der übrigens keineswegs eine Affinität zum „Schrauben“ an Fahrrädern hat, sondern 40 Jahre als Polier bei einem Hagener Bauunternehmen gearbeitet hat. Offenbar hat ihm die Verwandlung des rostigen Drahtesels in ein ansehnliches Fahrrad aber so viel Spaß gemacht, dass er sich längst mit dem Gedanken trägt, ein weiteres Opel.-Fahrrad zu restaurieren. Seit einiger Zeit hält er Ausschau nach einem Damenrad. Dann könnte an der sonntäglichen Ausfahrt zum Eisessen aus seine Ehefrau teilnehmen.

Wer Siegfried Hellwig bei der Suche nach Ersatzteilen oder einem Opel-Damenrad behilflich sein möchte, erreicht ihn unter Tel. 02352/3 15 70). ▪ vg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare