Offener Ganztag vorerst abgelehnt - aus diesem Grund

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Jutta Perlowsky (rechts) und ihre Kollegin Corina Grüner machten im Schulausschuss auf die Platzproblematik und die alten Stühle bei der Betreuung in Nachrodt aufmerksam.

Nachrodt-Wiblingwerde – Eltern wünschen sich mehr Betreuung in Wiblingwerde - und sind vielleicht zufrieden mit einem Kompromiss.

Der Antrag einiger Eltern auf Einrichtung einer Offenen Ganztagsschule am Standort Wiblingwerde wird zunächst abgelehnt. 

Und auf das kleine Wörtchen „zunächst“ legen die Kommunalpolitiker großen Wert. Es soll ein Zeichen sein, dass zwar aktuell keine OGS möglich ist, aber dies nicht bis in alle Ewigkeit gelten soll. Da waren sich die Mitglieder des Schulausschusses und auch die Mitglieder des Rates einig. 

Bereits während der Schulausschuss-Sitzung wurde heiß diskutiert. „Ab 2025 soll es einen Rechtsanspruch geben“, so Ratsherr Matthias Lohmann zur OGS. Er ergänzte: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln, nicht jahrelang große Scharen von Kindern mit Bussen und Taxen hin- und herfahren, statt uns in Wiblingwerde etwas zu überlegen.“ 

Lösung an der Schule

Aus diesem Grund sollte man sich die Option für einen Ausbau des Dachgeschosses der Grundschule Wiblingwerde offen halten. „Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, dass dieses OGS-Konzept zukünftig auch standortnah sein muss“, so Matthias Lohmann. 

So sieht es auch Christian Pohlmann, Vorsitzender des Schulausschusses, der „am Ende des Tages“ wie Matthias Lohmann zu einer Komplett-Sanierung der Grundschule Wiblingwerde kommen möchte. 

Aktuell vorgestellt wurde eine abgespeckte Renovierungs-Version. Räumlichkeiten für Kinderbetreuung zu finden, ist augenscheinlich in Wiblingwerde nicht so einfach, wie Kämmerin Gabriele Balzukat erklärte. 

Kaum Räume vorhanden

Die leer stehende Sparkasse ist nicht geeignet, da unter anderem der SB-Bereich abgetrennt werden müsste. Und auch das Kellergeschoss im Gemeindehaus kommt nicht in Frage. „Die Kirchengemeinde möchte sich verständlicherweise nicht auf jeden Tag verpflichten“, so Gabriele Balzukat. Zudem sind bei der Baugenossenschaft die meisten Wohnungen vermietet oder werden gerade umgebaut. 

Sinnvoll wäre eine Betreuung in der Grundschule, „sodass wieder alles unter einem Dach ist“, so die Kämmerin. 15 Schüler, die für eine OGS in Wiblingwerde nötig wären, gibt es im Moment nicht. 

Der Kompromiss ist deshalb eine Ausweitung der bestehenden Betreuungszeiten. Ein Appell geht an alle Eltern: „Wenn zusätzlicher Bedarf besteht, sollte er auch bei uns kommuniziert werden“, sagte die Kämmerin. 

Betreuung aufstocken

Fakt ist jetzt: Der Träger und die Schule haben signalisiert, dass sowohl bei der Offenen Ganztagsgrundschule als auch bei den anderen Betreuungsmaßnahmen („Schule von 8 bis 1“) am Standort Nachrodt jeweils auf 50 Plätze und am Standort Wiblingwerde (beide dann bis 14 Uhr) auf 35 Plätze aufgestockt werden kann. 

Das Thema Beförderung der Kinder erklärte Claudia Meulenberg: „Der Bürgerbusverein hat sich noch nicht geäußert, ob eine zusätzliche Fahrt eingerichtet werden kann.“ Die Kinder, die in Wiblingwerde zur Schule und zur Betreuung gehen, aber in Nachrodt wohnen, fahren normalerweise mit dem Bürgerbus. 

Transport ein Problem

Ist die Betreuung später zu Ende, fährt kein Bus mehr. Da ist noch eine Lösung wichtig. Dasselbe Problem gibt es für die Kinder, die von der Nachrodter Betreuung nach Opperhusen müssen. Die MGV könnte in Wiblingwerde eine zusätzliche Busverbindung um kurz nach 14 Uhr bieten – für die Kinder, die Richtung Lüdenscheid, Brenscheid, Sassenscheid oder Haste müssen. Kinder aus Veserde können mit der Linie 539 fahren. 

Bei der Betreuung in Wiblingwerde und in Nachrodt soll es zwei Abholzeiten geben: um 13 und um 14 Uhr. Zusatzkosten: 5000 Euro, die im Haushalt 2020 nicht eingeplant sind und überplanmäßig zur Verfügung gestellt werden müssen. 

Auch Nachrodt zu klein?

Im nächsten Schuljahr werden dann die Eltern entsprechend mit einer Aufstockung des Beitrags rechnen müssen. Ob dann auch eine Staffelung nach Verdienst eingerichtet wird, steht noch nicht fest. 

Die Räumlichkeiten sind in Nachrodt augenscheinlich kein Problem. Zumindest auf den ersten Blick. „Hat sich schon mal jemand unsere Betreuungsräume angeguckt?“, fragte Jutta Perlowsky in die Runde der Schulausschussmitglieder. Sie selbst arbeitet in der Betreuung „8 bis 1“ in Nachrodt. „Ich höre immer Wiblingwerde, Wiblingwerde“, so die Nachrodterin. Wenn noch mehr Kinder kämen, würde es problematisch. 

„Auf Dauer ist das viel zu klein“, ist sich auch UWG-Ratsfrau Sonja Hammerschmidt sicher und meinte: „In „Wiblingwerde ist es ein Traum dagegen.“ Vor der nächsten Schulausschusssitzung wollen sich die Kommunalpolitiker die Situation anschauen. Dann werden sie auch die Stühle sehen, „auf denen ich schon als Kind gesessen habe“, sagte Jutta Perlowsky, die mit ihrer Kollegin Corina Grüner im Schulausschuss war.

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