1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Kein Öl, keine Heizung: Mieter im MK frieren im Wohnzimmer 

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Marita und Hans-Werner Doleschall in ihrem Wohnzimmer. Mit Mütze, Schal und Heizlüfter versuchen sie, das Beste aus der Situation zu machen.
Marita und Hans-Werner Doleschall in ihrem Wohnzimmer. Mit Mütze, Schal und Heizlüfter versuchen sie, das Beste aus der Situation zu machen. © Fischer-Bolz

Erst kommt kein Öl bei den Mietern an und dann kümmert sich keiner um die Heizung. Im Nachrodter Feld müssen Anwohner weiter frieren.

Nachrodt-Wiblingwerde – Fast hätte es ein Happy End gegeben. Kurz vor Weihnachten. Doch sie frieren immer noch. Mit Schal und Mütze sitzen Marita und Hans-Werner Doleschall in ihrem Wohnzimmer. Die Heizlüfter tun ihr Bestes. Einer steht auch im Bad, einer im Schlafzimmer. „Wenn wir aufstehen, ist es 12,5 Grad“, sagt Marita Doleschall. Seit Nikolaus funktioniert die Heizung an der Freiherr-vom-Stein-Straße 13 nicht. Kein Öl, keine Heizung. Das ältere Ehepaar verzweifelte, schlief mit dem Kummer ein und wachte mit dem Kummer auf. Dann endlich: Das Öl kam am Dienstag nach vielen Tagen des Wartens, Bangens und Frierens. Doch wer bringt jetzt die Heizung ans Laufen? Der Alarm blinkt immer noch.

„Ich habe den Öllieferanten gefragt, ob er die Anlage einschalten könnte. Er hat es nicht gemacht. Und ich geh’ da nicht dran“, sagt Hans-Werner Doleschall. Der fast 80-Jährige hofft auf die Firma Fischer aus Nachrodt. „Sie hat im Nachrodter Feld schon oft geholfen. Eigentlich immer.“ Doch dieses Mal geht das nicht.

Kein Öl, keine Heizung: Mieter im MK frieren im Wohnzimmer 

„Ich beneide die Menschen nicht“, sagt Bernd Fischer. Ihm tun die Mieter leid, „aber es gab in der Vergangenheit keine verlässlichen Abstimmungen mehr, sodass wir uns entschieden haben, nicht mehr für die von der DIM verwalteten Liegenschaften tätig zu sein.“ Zudem, so Bernd Fischer, stehe die Frage im Raum, ob man überhaupt an die Haustechnik dürfe, wenn man nicht vom Hauseigentümer beauftragt sei. Und so baden die Mieter wieder aus, was Besitzer und Verwalter der Wohnungen am Nachrodter Feld versäumen – Caesar-Immobilien und das Deutsche Immobilienmanagement. Erst vor einigen Monaten wollten die Stadtwerke das Wasser abdrehen, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden.

Die Öllieferung ist am Dienstag gekommen – doch trotzdem sitzen die Mieter noch im Kalten.
Die Öllieferung ist am Dienstag gekommen – doch trotzdem sitzen die Mieter noch im Kalten. © Fischer-Bolz

Bedauert werden die Mieter vom Nachrodter Feld schon lange. Von vielen. Auch von Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz. Er war es, der sich, als er vom aktuellen Kummer erfuhr, mit dem Öllieferanten in Verbindung setzte. „Sehr gern hätte ich andere rechtliche Möglichkeiten, dort zu helfen“, sagt Sebastian Putz. Letztlich kam heraus, dass die Öl-Lieferung augenscheinlich per Mail bestellt war, aber eben diese Mail beim Lieferanten nicht angekommen war. „Da ist etwas fürchterlich schiefgelaufen“, so der Ordnungsamtsleiter. Gott sei Dank könne man sich mit Heizlüftern behelfen. Zur Situation im Allgemeinen in der Wohnsiedlung sagt Sebastian Putz: „Was passiert denn, wenn das ganze Nachrodter Feld keine Miete mehr bezahlt. Werden sich die Verantwortlichen dann vielleicht melden und sich kümmern?“

Belogen und vertröstet: Mieter im MK frieren im Wohnzimmer bei 18 Grad und weniger

Für Marita und Hans-Werner Doleschall nützen alle Vorschläge im Moment nichts. Auch ausziehen wollen sie auf keinen Fall. „Wir wohnen 56 Jahre hier“, erzählt Hans-Werner Doleschall. Früher sei die Siedlung ein echtes Schmuckstück gewesen, „es gab Wartezeiten, da kam man wirklich schlecht dran“, sagt der Nachrodter, der sogar bereit wäre, mehr Miete zu zahlen, wenn die Häuser und das Drumherum gepflegt werden würden. Und einen alten Baum verpflanzt man nicht? „Nur, wenn es sein muss“, meint Hans-Werner Doleschall. Er versucht, die Situation mit Humor zu nehmen. Was angesichts von 18 Grad im Wohnzimmer eine etwas unterkühlte Anstrengung ist. Tatsächlich drücken die Kälte und die Umstände auch aufs Gemüt.

Kummer gibt es auch bei den Nachbarn, bei Fritz Mattke zum Beispiel an der Freiherr-vom-Stein-Straße 11. Die Wohnung des 92-Jährigen ist längst komplett ausgekühlt. Er kann bei seinem Sohn unterkommen, der sich mit vielen Anrufen und Mails mit den Eigentümern und Verwaltern auseinandergesetzt hat. „Ich wurde nur belogen und vertröstet“, erzählt Otto Mattke und findet: „Letztlich ist es eine Unterschlagung. Die Mieter haben Vorauszahlungen geleistet.“ Auch habe man in der Gemeinde nicht mehr die Chance, einen Handwerker zu finden, weil alle ihre Erfahrungen gemacht hätten. Menschenunwürdig findet Otto Mattke, wie mit den Mietern am Nachrodter Feld umgegangen wird.

Eine Anfrage der Redaktion beim Deutschen Immobilienmanagement blieb bislang unbeantwortet.

Auch interessant

Kommentare