Sportvereine machen ihrem Ärger Luft

Der Sportabzeichenbeauftragte Jörg Tybussek klagte über rückläufige Teilnehmerzahlen bei der Sportabzeichenabnahme. Das neue System sei zu kompliziert.  Foto: Hornemann

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Die Sportvereine sind künftig angehalten, ihre festen Hallen- und Platzzeiten für ein Jahr bis zum 15. April im Amtshaus zu melden. So wollen Fachbereichsleiter Axel Boshamer und seine Mitarbeiterin Bettina Gerlach bessere Planungssicherheit für die Vereine gewährleisten. Die konnten das Abrechnungssystem im ersten Jahr mit der Sportstättennutzungsgebühr nicht so recht nachvollziehen, wie sie in der Sitzung des Gemeindesportverbands am Donnerstag mitteilten.

Die Wiblingwerder Fußballer wollen auf dem Sportplatz trainieren, müssen aber auch die Turnhalle mieten, weil sich dort die Umkleidekabinen und Duschen befinden. Das ärgert den TVW, der als Konsequenz der Einführung von Sportstättengebühren die Mitgliedsbeiträge erhöht hat. Das haben alle Sportvereine getan – und dadurch einige passive Mitglieder verloren, die oft aus reiner Tradition noch ihre Beiträge gezahlt hatten. Die fehlenden Beiträge und die gestiegenen Kosten erschwerten den Trainingsbetrieb für alle.

Und wie nicht beanspruchte Nutzungszeiten außerhalb der Ferienzeiten erstattet würden, war den Vorständen noch nicht ganz klar. Das klärte Axel Boshamer jedoch auf: Legt ein außergewöhnliches Ereignis wie ein Rohrbruch oder die Spielsaison des Amateurtheaters Brettken am Drögen Pütt eine Halle für den Sportbetrieb lahm, werde am Jahresende jede ausgefallene Stunde wieder herausgerechnet. Ein Übungsleiterausfall bleibe dagegen das Risiko des jeweiligen Vereins. „Unser Abrechnungssystem und auch die neue Melderegelung ab 2014 gestattet es jedoch, dass Hallenzeiten spontan hinzugebucht werden können“, erklärte der Fachbereichsleiter.

Die Vertreter der Vereine waren froh, ihrem Ärger gegenüber Fachbereichsleiter Axel Boshamer und Ratsmitglied Stefan Herbel Luft machen zu können. Heinz-Joachim Even (TuS Nachrodt) brachte auf den Punkt, was viele Nutzer der Lennehalle stört: „Ich zahle, also bin ich Mieter. Und ich finde die Halle ganz oft in einem erbärmlichen Zustand vor, der Sport gefährlich macht.“ Der rutschige Boden und Duschen, deren Ablauf nicht funktioniert, sind die Hauptärgernisse. Immerhin: „Für die Duschen haben wir eine Lösung gefunden“, erklärte Boshamer. Für das Bodenproblem versprach er, mit dem Hausmeister nach einer Lösung zu suchen. Gemeindesportverband-Kassierer Jürgen Ruyter merkte an, dass es für Hallenböden abstumpfende Mittel gebe, die Verwendung finden könnten.

Ruyters Kassenbericht zufolge wird der Gemeindesportverband zur Anschaffung nicht viel beitragen können. Einnahmen von 74,48 Euro standen im vergangenen Jahr Ausgaben von 103,92 Euro gegenüber. Der Verband verfügt gerade mal über 1712,21 Euro. Die Einnahmen bestanden ausschließlich aus Sportabzeichengebühren und Jörg Tybussek als Sportabzeichenbeauftragter sieht für diese Tradition schwarz: Absolvierten 2012 noch 150 Nachrodt-Wiblingwerder ihr Programm für Urkunden und Medaillen, so waren es in diesem Jahr noch keine 60. „Die Schulen, die das Abzeichen bisher im Rahmen der Bundesjugendspiele abgenommen haben, können das nach den neuen Statuten überhaupt nicht mehr leisten“, erklärte Tybussek. Hinzu komme, dass das Online-System zur Eingabe der Ergebnisse kompliziert und zeitaufwändig sei. „Es wird nicht nur bei uns so sein, dass den Sportlern und Ehrenamtlern der Spaß am Sportabzeichen vergeht“, brachte Tybussek die Probleme auf den Punkt. Uwe Perlowski, Vorsitzender des Gemeindesportverbands, merkte an, dass auch der Kreissportbund sehr unglücklich sei über diese Entwicklung.

Geklärt wurde im Rahmen der Sitzung im Tennisheim des TC Blau Gold Einsal auch eine rechtliche Frage: Das Hausrecht einer Sportstätte liegt bei einer gebuchten Stunde beim Übungsleiter des jeweiligen Vereins. „Da hat Ihnen auch der Hausmeister nicht reinzureden“ stellte Boshamer klar. Ein Sportverein darf zum Beispiel einem Jogger gestatten, seine Runden während eines Fußballtrainings im Wilhelm-Mestekämper-Stadion zu drehen. Fliegt dem Läufer dabei ein Ball an den Kopf, haben die Konsequenzen allerdings auch allein der Sportstättenmieter und der Läufer zu tragen. - Ina Hornemann

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