Wo drückt der Schuh in den Kitas?

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Sandkasten-Idylle: NRW-Familienministerin Christina Kampmann (in der Mitte zwischen den Kindern) besuchte mit Michael Scheffler die Awo-Kita.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Wo drückt der Schuh? Eigentlich überall. Personalschlüssel, Qualitätsstandard, Finanzstruktur. All das soll – und muss sich für die Kindertagesstätten verbessern. Über kurz oder lang. Zumindest verspricht dies NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD), die im Rahmen des Landtagswahlkampfes Kitas in Letmathe, Nachrodt und Neuenrade besuchte und mit dem Landtagsabgeordneten Michael Scheffler in der Awo-Kindertagesstätte zu Gast war.

Wenn jemand weiß, wie die Situation in „Echtzeit“ aussieht, dann ist es Kita-Leiterin Anne Alban, die seit 26 Jahren an der Geschwister-Scholl-Straße tätig ist. Unaufgeregt war das Gespräch, an dem auch Christine Hanß, stellvertretende Betriebsleiterin im Betrieb Kinder/Jugend und Familie der Awo Hagen-Märkischer Kreis, die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby und Barbara Zöller als stellvertretende Kita-Leiterin teilnahmen.

„Sie erlebt heute das wirkliche Leben. Wir haben keinen roten Teppich ausgerollt“, schmunzelte Anne Alban, die im Gespräch mit der Familienministerin von den zehn Kindern erzählte, die in der Awo-Einrichtung aufgrund der Zuwanderung zusätzlich betreut werden. Der „starre Genehmigungsprozess“ hatte das Leben nicht gerade erleichtert. Das Hauptproblem ist allerdings der Personalschlüssel – unter anderem bei der sehr zeitintensiven Mittagssituation.

Und: Der Beruf „Erzieherin“ wird immer weniger beliebt, was unter anderem am Ausbildungsweg liegt, der von der Zeit her einem Studium ähnelt. Benötigt wird eine dreijährige Fachschulausbildung, davor entweder Abitur und ein Jahr Praxis oder eine abgeschlossene Ausbildung als Kinderpflegerin oder Sozialassistentin. Aufgrund der Anforderungen und der Verantwortung ist auch, so sehen es alle Beteiligten, die Bezahlung nicht angemessen.

„Wir erarbeiten gerade ein neues Kita-Gesetz und da ist es mir sehr wichtig, die Erfahrungen aus der Praxis kennen zu lernen“, so die Familienministerin. Das neue Kita-Gesetz solle für alle Beteiligten positive Entwicklungen mit sich bringen. „Was können wir für die Eltern erreichen? Was für die Erzieher? Was bewegt die Träger. Letztendlich ist entscheidend, was das Beste für die Kinder ist. Ich versuche mit allen Akteuren zu sprechen. Es ist komplex“, so Christina Kampmann.

Eigentlich platzt die Awo-Kita aus allen Nähten. Einst für zwei Gruppen konzipiert und jetzt ausgerichtet für 55 Kinder, werden aktuell 65 Mädchen und Jungen betreut: in einer Gruppe für Zwei bis Sechsjährige, einer Gruppe für Kinder von vier Monaten bis drei Jahren und in einer Gruppe für Drei- bis Sechsjährige. Der Mehrzweckraum wird für die zehn zusätzlichen Kinder genutzt.

Flexibilität in allen Varianten ist gefragt. Und bald kommt vielleicht auch der langersehnte Bauwagen, der vor dem Gebäude aufgestellt werden soll. Aber dann ist raumtechnisch alles ausgereizt. „Es ist ja schön, dass die Geburtenrate nach oben gegangen ist, aber die Kommunen müssen vor Ort gut planen und wir müssen sehen, dass wir die Mittel bereit halten. Wir möchten nicht, dass Kinder abgelehnt werden“, so die Familienministerin, die von aktuell 180000 U3-Plätzen im Land spricht.

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