Noch bleibt der Ansturm aus

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Das Profil von Winterreifen sollte wenigstens vier Millimeter sein. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die ersten Schneeflocken dieser Tage haben noch keinen Ansturm auf Winterreifen nach sich gezogen. „Aber wenn es das erste Mal weiß auf den Straßen bleibt, setzt ein Run ein“, weiß Joachim Schulte, der im kaufmännischen Bereich bei VW Hoffmann tätig ist. Und dann werde es eng, meint er, denn: „Die Reifenindustrie ist komplett leer. In den Lagern liegt kaum noch entsprechendes Material.“

Anfang Oktober setzte der erste größere Ansturm auf Winterreifen ein, wie sich Schulte erinnert. In den darauf folgenden Wochen ebbte die Nachfrage etwas ab. Ähnliches ist auch aus der Tankstelle und Reparaturwerkstatt Meier zu hören. „Doch die zweite Welle wird kommen“, ist Schulte sicher. Und dann fehle es an Nachschub. Andere Autohäuser hätten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, berichtet Schulte. Einer seiner Kollegen habe 50 Prozent seiner Arbeitszeit in den vergangenen Tagen ausschließlich damit verbracht, Reifen zu besorgen. „Die Industrie hat ihre Produktion von Winterreifen schon abgeschlossen. Jetzt werden nur noch Sommerreifen hergestellt. Hier verhält es sich wie beim Weihnachtsgebäck, das wird auch schon im Sommer hergestellt“, verdeutlichte Schulte ein grundlegendes Problem. Weitere Lieferungen von Seiten der Industrie sind also nicht mehr zu erwarten. Ein möglicher Grund für den Engpass sei die Einführung der Abfrackprämie, schätzt Schulte. Die meisten Wagen würden mit Sommerbereifung ausgeliefert. „Die Reifenindustrie hat nicht darauf reagiert, dass eine ganze Menge mehr Autos auf den Markt gekommen sind.“ Im vergangenen Winter habe sich schon ein ähnliches Nachschubproblem eingestellt. Doch das werde sich sicherlich in der kommenden Saison entspannen, schätzt Schulte. Wer kurzfristig jedoch eine spezielle Marke oder Sondermaße wünscht, kann eventuell Probleme bekommen.

Der Fachmann empfiehlt daher, rechtzeitig vor dem kommenden Winter eine Reifencheck zu machen. „Wir haben auch einige Kunden, die schon im September Reifen bestellen und dann erstmal einlagern.“ Wichtig beim Reifencheck sei, dass das Profil mindestens noch vier Millimeter misst. „Wenn es darunter liegt, sollte man sich Gedanken über eine Neuanschaffung machen.“ Die Lebensdauer eines Reifens schätzt Schulte auf sechs bis sieben Jahre. Bei noch älteren Reifen härtet das Material im Laufe der Jahre so stark aus, dass der Gripp auf der Straße verlohren geht. „Dann hat man einen Vollgummireifen, mit dem man leichter ins Rutschen kommt, obwohl noch genügend Profil drauf ist.“ Auch bei der Lagerung ist Vorsicht geboten - Reifen ohne Felgen sollten liegend, Reifen mit Felgen stehend verstaut werden. ▪ sr

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