Kneipengäste passen sich an, Schüler paffen weiter

Zusammen mit der Drogenberatung möchte die Gemeinde gegen das Rauchen in der Schule vorgehen und Schüler über die Gefahren und das Suchtpotenzial des blauen Dunstes aufklären. Foto: dpa

Nachrodt-Wiblingwerde - Seit knapp einem Jahr ist das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft, seitdem darf in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden und bei öffentlichen Veranstaltungen in Innenräumen nicht mehr geraucht werden. Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer zieht eine insgesamt positive Bilanz.

„Mit den Gaststätten hatten wir überhaupt keine Probleme“, berichtet der Fachbereichsleiter aus dem Amtshaus, in dessen Zuständigkeitsbereich die Überwachung des Rauchverbots fällt. Natürlich habe seine Behörde die Einhaltung des Gesetzes überprüft, Mitarbeiter hätten den entsprechenden Lokalen Besuche abgestattet. Grund zum Eingreifen habe es aber nicht gegeben. „Das hat sich gut eingespielt. Die Leute gehen entweder zum Rauchen ‘raus oder sie nutzen die speziellen Raucherbereiche“, berichtet Boshamer. Auch die Kontrollen bei verschiedenen Veranstaltungen hätten keinen Anlass zum Einschreiten gegeben.

Nicht ganz so problemlos wird das Nichtraucherschutzgesetz ausgerechnet in einem Bereich umgesetzt, der unter den besonderen Schutz des Gesetzes fallen sollte. „In den Schulen gibt es noch Probleme“, räumt Axel Boshamer ein und meint damit gewiss nicht die Grundschulen im Gemeindegebiet. Bei Kontrollen im Holensiepen seien 16 Jugendliche beim Rauchen auf oder neben dem Schulgelände erwischt worden. Der jüngste Delinquent sei erst elf Jahre alt gewesen. „Die Schüler haben wir dann mit einem Verwarnungsgeld zwischen 15 und 25 Euro belegt, das sie zum Teil auch abstottern können“, erklärt der Ordnungsamtsleiter, welche Konsequenzen der Verstoß gegen das Nichtraucherschutzgesetz für die jungen Leute hatte. Außerdem seien die Eltern der erwischten Schüler informiert, im Wiederholungsfall sei auch das Jugendamt eingeschaltet worden. „Die Reaktionen der Eltern waren unterschiedlich: Einige waren geschockt, anderen war das vollkommen egal“, erzählt Boshamer.

Abgesehen davon, dass der Tabakkonsum in öffentlichen Gebäuden und auf Schulhöfen auch unter freiem Himmel strikt untersagt ist, hält Axel Boshamer das Rauchen von Jugendlichen unter 16 Jahren nicht für ein Kavaliersdelikt. „Letztlich ist das ja auch eine Sucht, wie übrigens ein 15-Jähriger auch unumwunden zugegeben hat“, sagt der Ordnungsamtsleiter. Die Gemeinde wolle deshalb in naher Zukunft der Kooperation zwischen Schulen und Drogenberatung verstärken und Suchtberatungen für Schüler anbieten. „Man kann das Problem ja nicht totschweigen. Da hilft nur Aufklärung“, setzt Boshamer auf Prävention. - Volker Griese

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