Neuer Chef bei der SPD: Emotionen kochen hoch

+
Der neue Vorstand des SPD-Ortsvereins: Horst Humme, Aykut Aggül, Lotte Glasow, Bernd Greif, Friedhelm Wolff und André Gütting (v.l.).

Nachrodt-Wiblingwerde –Bei der SPD sind die Emotionen hochgekocht. Rund um die Wahl eines neuen Vorsitzenden fielen deutliche Worte.

Es war ein Abend, an dem sich die Sozialdemokraten nicht mit Ruhm bekleckerten. Aber es war auch ein Abend der stürmischen Demokratie. Aykut Aggül ist der neue Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Nachrodt-Wiblingwerde. 18 Stimmen reichten ihm zum Sieg. Sein Gegenkandidat Martin Neumann bekam zwölf Stimmen. Zudem gab es eine Enthaltung. 

„Der Putschversuch ist missglückt“, sagte Rita Joergens nach der Auszählung der Stimmen für den Parteivorsitz. Die Spaltung im von Krisen geschüttelten Ortsverein war so offensichtlich, dass es bereits zu Beginn der Jahreshauptversammlung im SPD-Parteibüro brodelte. 

Jakoby: "Seine Art ist Alleingang"

31 von 47 Mitglieder waren gekommen, Stühle mussten vom Kulturschock nebenan herbeigeschafft werden. Und gleich die erste Frage nach einem Versammlungsleiter wurde kontrovers und missmutig diskutiert. Dies übernahm schließlich Ronny Sachse, der erst vor wenigen Monaten den Parteivorsitz niedergelegt hatte

Die „vernünftige Sitzung“, die er sich wünschte, wurde es aber nicht. Es war die ehemalige Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby, die vor der geheimen Stimmabgabe zum Parteivorsitz vom Leder ließ und einen dringenden Appell an die SPD-Mitglieder richtete: „Ich möchte euch bitten, dass ihr genau überlegt, wem ihr einen Neuanfang zutraut. Aykut redet von Debattenkultur, aber alle, die ihn in unterschiedlichen Arbeitskonstellationen erlebt haben, wissen, dass es nicht so ist. Seine Art ist Alleingang, Hauptsache er steht im Vordergrund. Seine Art ist, rechts und links alles wegzubeißen.“ 

Kühn verlässt den Saal

Es folgte die Empörung: „Das ist noch nie da gewesen, dass jemand vorher niedergemacht wird“, meinte Anni Humme. Die Atmosphäre war bedrückend, geradezu ein Pulverfass. 

Nach der Wahl und einem nicht ganz so deutlichen Sieg für Aykut Aggül verließ Reinhard Kühn den Saal: „Ich fühle mich von der SPD nicht mehr vertreten.“ 

Der neue Vorsitzende hingegen kommentierte die „neue Affäre der SPD“ nicht. „Ich akzeptiere das. Ich bin ein Mensch, der mit Kritik umgehen kann“, erklärte er später. 

Einen Dämpfer musste Aykut Aggül allerdings hinnehmen: Bei der Wahl zum Kreistagskandidaten unterlag er mit einer Stimme Gerd Schröder, der nun nominiert ist und sich am 24. März der SPD-Kreiswahldelegierten-Konferenz stellt. Ihm zur Seite steht als sogenannter Huckepack-Kandidat dann Ronny Sachse.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare