Gemeinde, Unternehmer, Grundbesitzer

Neue Überschwemmungsgebiete: Nachrodt läuft Sturm

Lenne Ufer in Nachrodt
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Für die Lenne will die Bezirksregierung neue Überschwemmungsgebiete ausweisen.

Die Entrüstung ist groß: Gemeinde, Unternehmer und Grundbesitzer wehren sich gegen Pläne der Bezirksregierung, neue Überschwemmungsgebiete entlang der Lenne auszuweisen. das hätte nämlich massive Folgen - für alle.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Da kommt etwas durch die Hintertür, das viele Menschen betrifft und erhebliche Auswirkungen haben wird.“ Axel Schmoll, Leiter der technischen Dienste bei den Walzwerken Einsal, ist ebenso entsetzt wie Bürgermeisterin Birgit Tupat, alle Mitglieder des Rates und Hausbesitzer, die künftig Eigentum im Überschwemmungsgebiet besitzen könnten. Die Bezirksregierung plant nämlich, alle flussnah gelegenen Flächen an der Lenne und an vielen ihrer Nebenläufe als eben solche Überschwemmungsgebiete auszuweisen.

„Im schlimmsten Fall wandern die Unternehmen ab“, meinte Ronny Sachse (SPD). Mit der geballten Kraft des Rates – und einem einstimmigen Votum von UWG, CDU und SPD – stellen sich die Politiker hinter ihre Verwaltung, die große Bedenken gegen den Entwurf der Verordnung zur Festsetzung der Überschwemmungsgebiete „Untere Lenne“ hat.

Hohe Auflagen und großer Aufwand

Bereiche bei den Walzwerken, bei Praedata und bei der Sparkasse sollen beispielsweise Überschwemmungsgebiete werden. „Unser Unternehmen schränkt dies für eine spätere Erweiterung sehr ein“, sagt Axel Schmoll für die Walzwerke. Das gesamte Gebiet vom Warmwalzwerk bis zur Glüherei ist betroffen. Bauen im Überschwemmungsgebiet sei zwar möglich, aber nur unter großen Auflagen und erhöhtem Aufwand.

Als die Glüherei gebaut wurde, wurden bereits Maßnahmen zum Hochwasserschutz durchgeführt, „aber wenn dies Überschwemmungsgebiet wird, würde man davon ausgehen, dass diese Maßnahmen nicht ausreichend sind“, erklärt Axel Schmoll. Dass eine Halle unter Wasser stand, ist bei den Walzwerken noch nicht vorgekommen. Es gab zwar Hochwasser, gegen die Vorsorgemaßnahmen getroffen wurden, aber in den letzten 14 Jahren war nichts annähernd kritisch. „Ich sehe keinen Handlungsbedarf“, so Axel Schmoll. Die Walzwerke haben sich mit anderen betroffenen Unternehmen kurzgeschlossen, zum Beispiel mit Praedata, und haben auch eine Stellungnahme an die Bezirksregierung geschickt.

Gemeinde: Gewerbetreibenden werden eingeschränkt

Auch die Gemeinde Nachrodt wehrt sich vehement. In ihrer Stellungnahme heißt es: „In der aktuell geltenden Überschwemmungsgebietsverordnung wird zwischen dem förmlich festgesetzten Überschwemmungsgebiet und überflutetem Gebiet, das aufgrund ihrer Bebauung kein festgesetztes Überschwemmungsgebiet ist, unterschieden. Mit dem Entwurf der neuen Verordnung wird diese Unterscheidung aufgegeben und auch die bebauten Flächen als Überschwemmungsgebiet festgesetzt.

Dies ist nicht sachgerecht und greift deutlich in die Eigentumsrechte der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde sowie der Gewerbetreibenden und privaten Grundstückseigentümer in unserem Gemeindegebiet ein. Auf dem Gebiet der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde befinden sich Grundstücke im geplanten Überschwemmungsgebiet, die bereits seit Jahrzehnten bebaut sind.

Hier konnte in den vergangenen Jahrzehnten nie eine Überschwemmung festgestellt werden, die der Planung auch nur ansatzweise entspricht. Zusätzlich erstreckt sich der Verordnungsentwurf in Teilen über Grundstücke, für die in Kraft getretene Bebauungspläne bestehen. Hier werden besonders die Gewerbetreibenden in ihrer Möglichkeit zu einer eventuellen Betriebserweiterung stark eingeschränkt. Da im Vorfeld die Schaffung von Retentionsflächen in enger Absprache mit der Bezirksregierung erfolgt ist, ist das geplante Vorgehen auch aus Sicht der Verwaltung nicht nachvollziehbar.“

Gemeinde hat viele Fragen

Dass die Bezirksregierung solche schwerwiegenden Entscheidungen in der Corona-Krise treffen will, kann Mark Trappe, im Nachrodter Amtshaus unter anderem Gewässerschutzbeauftragter, nicht nachvollziehen. „Man muss die Bürger beteiligen“, fordert Mark Trappe. Die Neufestsetzung der Überschwemmungsgebiete müsste so lange ausgesetzt werden, bis eine Informationsveranstaltung möglich sei, damit die betroffenen Grundstückseigentümer die Möglichkeit des Widerspruches bekommen könnten.

Mark Trappe findet also durchaus einige Haken im System. „Warum rutscht man mit dem Entwurf genau an den Gebäudekanten oder Grundstückskanten längs? Und wurde der geplante Rückbau der Lennebrücke bei den Berechnungen berücksichtigt? Hier wird eine deutliche Entlastung der Hochwassersituation erfolgen.“ Mark Trappe hofft, dass die Einwendungen bei der Bezirksregierung gehört werden.

Rückendeckung von der SIHK

Denn sie kommen nicht nur aus der kleinsten Gemeinde des Kreises. Unterstützung gibt es von der SIHK. Sie schreibt an den Regierungspräsidenten Vogel: „Die Verfahren verursachen in unserer Region erhebliche Befürchtungen um die Zukunftsfähigkeit der Kommunen, der städtebaulichen Entwicklung in den betroffenen Bereichen sowie der überplanten Unternehmensstandorte unmittelbar. Für eine Industrieregion, deren Entwicklung aufgrund von Wasserkraftnutzung oder der vergleichsweise einfachen topografischen Verhältnisse in den Flusstälern begann, hat das Thema eine erhebliche Bedeutung.

„Die in der Diskussion befindlichen Verordnungen sind daher weit mehr als ein abzuarbeitender Verwaltungsvorgang und müssten auch entsprechend kommuniziert und politisch diskutiert werden, auch mit Blick auf die betroffenen Bürger. Dies sehen wir im bisherigen Verfahren nicht hinreichend berücksichtigt. Höchst problematisch sind jedoch insbesondere die fehlende Berücksichtigung aktuellerer Maßnahmen zum Hochwasserschutz und die nach unserer Einschätzung somit veralteter Datengrundlagen.“ Auch aus Altena gab es erheblichen Protest gegen die Pläne der Bezirksregierung.

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